Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Königliche Millimeterarbeit

Deutsche Spezialisten restaurieren in Kairo die beschädigte Maske des Tutanchamun

Der Bart brach ab, Panik brach aus. Kleber sollte den Kunstschatz flicken. Nun restaurieren deutsche Spezialisten die Totenmaske von Tutanchamun.

29.10.2015
  • BENNO SCHWINGHAMMER, DPA

Kairo Es war eine einzige Unaufmerksamkeit an einem Augusttag 2014, die ausreichte, um ein Kulturerbe zu Bruch gehen zu lassen. Draußen die glühende Hitze Kairos. Drinnen, hinter Panzerglas, Gesichtszüge aus purem Gold: Der kunstvoll gearbeitete Bart der Totenmaske von Tutanchamun hängt fragil unter dem ebenen Kinn. Noch. Denn nun muss die Glühbirne in der Vitrine ausgewechselt werden. Es geschieht, was nicht geschehen darf. Als der mehr als zwölf Kilogramm schwere Kunstschatz der alten Ägypter wieder auf den Sockel gehievt wird, bricht der Zeremonialbart vom weltberühmten Konterfei. Panik im Ägyptischen Museum. Der gestutzte König wird eilig - und etwas schlampig - wieder zusammengeklebt. Seit einigen Tagen beugen sich nun deutsche Spezialisten über die Maske, um zu restaurieren, was zu restaurieren ist.

"Shit happens", sagt Christian Eckmann, Restaurator vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz, dazu. Ausstellungsstücke könnten überall auf der Welt beschädigt werden, ob in Berlin, New York oder eben Kairo. Eckmann sitzt im Schatten einer Palme. An ihm vorbei läuft eine asiatische Reisegruppe zum Eingang des Museums. Den Stolz des Hauses kriegen sie heute nur als Hologramm zu sehen. Das Original ist in den Händen der Experten.

"Der Kleber muss mechanisch entfernt werden", erklärt Konservatorin Katja Broschat. Er bestehe aus unlöslichem Epoxidharz. Deshalb sitzen Eckmann und Broschat nun täglich in einem Raum des Museums, der ein bisschen an einen OP erinnert: Gerätschaften um sie herum, ein Scheinwerfer und ein Mikroskop auf den liegenden Patienten und seinen Bart gerichtet.

"Er beginnt zu wackeln", sagt Eckmann. Um das Gold zu schonen, schaben die Beiden den Kleber zwischen Bart und Kinn mit Lindenholzstäbchen Millimeter für Millimeter ab. Bald wollen sie den Bart von der Maske getrennt haben - so wie er einst ins Museum gekommen war, nachdem der Ägyptologe Howard Carter 1922 die Grabkammer des Kinderpharaos Tutanchamun im Tal der Könige entdeckte. Einiges deutet darauf hin, dass die Maske des vor rund 3300 Jahren gestorbenen Herrschers und der Bart nur mit einer lösbaren Steckverbindung zusammengehalten wurden.

Nach 1945 wurden die beiden Teile erstmals zusammengeklebt. Bis fast 70 Jahre später das passierte, was Eckmann heute "das Malheur" nennt. Bis zum Ende des Jahres könnte es dauern, bis die blaugoldene Königsmaske wieder zusammengesetzt ist. Ob dann mit einer Steckverbindung, mit einem Magneten oder mit Spezialklebstoff, ist noch unklar.

Doch in dem Unglück liegt auch eine Chance: Die Arbeiten werden dazu genutzt, Untersuchungen an der Totenmaske vorzunehmen. Damit könnten unter anderem Hinweise für die weit verbreitete Theorie gefunden werden, dass sie ursprünglich gar nicht für Tutanchamun, sondern für eine Frau gedacht war. Außerdem weiß niemand, wie es im Barte des Tutanchamun aussieht und womit er gefüllt ist. Eckmann und Broschat werden bald die Ersten sein. Bis dahin sind Druck und Erwartungen gewaltig. Eckmann könnte durchaus "besser schlafen, würde das schöne Stück wieder in der Vitrine stehen".

Deutsche Spezialisten restaurieren in Kairo die beschädigte Maske des Tutanchamun
Pharaonische Präzisionsarbeit: Konservator Christian Eckmann mit der Königsmaske des Tutanchamun. Foto: dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.10.2015, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular