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Deutsche Fechter vor unsicherer Zukunft
Der Geist der alten Erfolge: Die deutschen Fechter (im Bild rechts Max Hartung) können einfach nicht mehr mit anderen Nationen mithalten. Foto: afp
Ernüchterung nach medaillenlosen Spielen – Mittelfristig keine Besserung in Sicht

Deutsche Fechter vor unsicherer Zukunft

Das kleinste deutsche Olympia-Fechtteam seit 60 Jahren ist in Rio medaillenlos geblieben. Die Ernüchterung ist groß vor allem bei Sportdirektor Ressel.

12.08.2016
  • DPA

Rio de Janeiro. Emil Becks einstige Medaillenbank hat geschlossen. Und Sportdirektor Sven Ressel musste es kommen sehen. Nur mit einem Quartett zu Olympischen Spielen zu reisen – das wäre vor einigen Jahren für den Deutschen Fechter-Bund (DFeB) noch völlig undenkbar gewesen. „Traurig“ sei er deshalb, „klar“, sagte Ressel nach dem letzten Wettkampf in Rio de Janeiro mit deutscher Beteiligung. Das Gesamtergebnis sei enttäuschend. Säbel-Ass Max Hartung, als Aktivensprecher Mitglied des Präsidiums, warnte: „Uns bricht die Basis weg.“

Jeder deutsche Fechter hat nach Rio seine eigene Geschichte zu erzählen. Peter Joppich haderte mit der Waffe und dem lauten Publikum. Carolin Golubytskyi, verletzt, schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Medaillen-Mitfavorit Hartung gab eine 4:1-Führung noch aus der Hand. Matyas Szabo scheiterte als Letzter im Säbel-Viertelfinale – raus ohne Medaille: zum ersten Mal seit 1980, als die Bundesrepublik die Spiele in Moskau boykottierte.

Die Gegenwart ist trist, die Zukunft dürfte so schnell nicht besser werden. Der generelle Abwärtstrend dauert schon viel zu lange an. Sicher, das eine oder andere große Talent bei den Junioren gibt es in Deutschland auch. „Aber wir brauchen noch mehr Substanz, mehr Breite“, sagt Ressel. Hartung sieht es ähnlich. „Die Vereine funktionieren nicht mehr so gut wie früher“, sagt der 26-Jährige. „Da muss in Deutschland viel passieren, um den Sport wieder auf ein anderes Niveau zu heben – nicht nur im Fechten.“ Profifechter wie in anderen Ländern gibt es in Deutschland nicht. Russland etwa investiere Millionen in den Fechtsport, sagt Ressel, da hinke man weit hinterher. Szabo: „Ich muss studieren und versuchen, irgendwas aus meinem Leben zu machen, wenn ich fertig bin hiermit.“ Die Vorgabe nach London 2012, als es einmal Silber und einmal Bronze gegeben hatte, lautete: eine bis zwei Medaillen. Weit gefehlt. „Wir hatten da schon noch ein paar andere Fechter im Boot“, sagte Ressel im Nachhinein mit Blick auf die Peking-Olympiasieger Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink. „Wir haben aber natürlich auch gehofft, dass sich der eine oder andere Fechter besser entwickelt.“

Was fehle, sei eine deutlich größere Unterstützung der Arbeitgeber, was den Fechtern mehr Ruhe bei der Karriereplanung zwischen Sport und Beruf ermögliche. Zum Beispiel für Golubytskyi, die eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht habe und jetzt Sportsoldatin ist. „Aber was kommt nach dem Sport?“ Ressel fordert eine intensivierte duale Karriere: „Wir können so nicht mehr konkurrenzfähig sein. Wir brauchen Fechter, die rundum trainieren – und die Möglichkeit haben, über einen längeren Zeitraum ihre Ausbildung zu machen.“ Was fehlt, ist aber auch der Zusammenhalt im Verband – ein Teamgefühl, das über die verschiedenen Waffen hinausgeht. So sagte Säbelfechter Szabo: „Was die anderen Waffen machen, ist natürlich scheiße, dass da so wenig da waren. Aber über deren Probleme möchte ich nicht reden. Das ist nicht mein Bier.“ Aber spätestens jetzt, nach dem olympischen Absturz, ist es das Bier aller.

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12.08.2016, 06:00 Uhr
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