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Tausende Jobs auf Kippe

Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzender John Cryan greift durch

Bei der Deutschen Bank wird es ungemütlich. Das neue Management kehrt mit eisernem Besen und schwört Aktionäre und Mitarbeiter auf einen harten Sparkurs ein. Noch liegen nicht alle Grausamkeiten auf dem Tisch.

09.10.2015
  • ERIK NEBEL, DPA-AFX

Frankfurt John Cryan macht ernst. Zu seinem 100. Tag an der Spitze der Deutschen Bank startet der neue Chef die Aufräumarbeiten - ohne Rücksicht auf Verluste. Schonungslos macht der Brite deutlich, für wie schlecht er den Zustand des größten deutschen Geldhauses hält. Das neue Management schreibt zig Milliarden auf einst hochgepriesene Zukäufe wie Postbank und Bankers Trust ab und mutet dem Institut damit das höchste Minus in einem Quartal in der Firmengeschichte zu: 6,2 Mrd. EUR.

Ein noch stärkeres Signal, dass niemand geschont wird, ist die Ankündigung, die Dividende für 2015 womöglich zu streichen. Es wäre das erste Mal in der Nachkriegsgeschichte, dass das Institut nichts an seine Aktionäre ausschüttet. Das soll Luft für Investitionen verschaffen, etwa zur Modernisierung der IT. Zudem will sich das Management trotz immer strengerer Anforderungen der Regulatoren eine Kapitalerhöhung ersparen.

Hart wird es auch für die Mitarbeiter, deren Boni zusammengestrichen werden dürften. Zudem droht angeblich ein massiver Stellenabbau: Über die beschlossene Trennung von der Postbank mit ihren 15 000 Mitarbeitern hinaus könnten dem Sparkurs bis zu 10 000 weitere Jobs zum Opfer fallen.

Schon zu seinem Antritt im Juli ließ Cryan keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit, die Bank nach der glücklosen dreijährigen Amtszeit des Duos Anshu Jain/Jürgen Fitschen umzukrempeln. Ein Durchwurschteln und vorübergehende Imagekosmetik ist mit dem als Sanierer gelobten Manager nicht zu machen: "Den Status quo beizubehalten, ist keine Option." Es gehe darum, "eine bessere Deutsche Bank zu schaffen", betonte Cryan nun in einer Botschaft an die gut 98 000 Mitarbeiter.

Das ist überfällig. Die US-Konkurrenz ist enteilt, der Börsenkurs im Keller und der Ruf wegen zahlreicher Skandale beschädigt. Die Erwartungen an Cryan sind riesig. Analysten drängten auf ein Ende der Schönfärberei. Wie hart Cryan vorgeht, überrascht dennoch.

An der Börse kommt das Durchgreifen des neuen starken Mannes gut an: Am Donnerstagvormittag drehte die Aktie der Bank nach anfänglichen Verlusten ins Plus.

Cryans Kurs ist auch eine schonungslose Abrechnung mit seinen Vorgängern. Nicht nur mit dem im Juni ausgeschiedenen Anshu Jain, sondern gleich mit allen Chefs der Deutschen Bank, die seit Ende der 1990er Jahre das Heil des Konzerns im Investmentbanking sahen. Cryan schrieb den gesamten so genannten immateriellen Firmenwert auf die US-Bank Bankers Trust ab. Das Investmentbanking ließ die Gewinne der Deutschen Bank bis zur Finanzkrise in ungeahnte Höhen schießen. Doch die Erfolgsgeschichte basierte auch auf unsauberen Geschäftspraktiken - wie etwa die Milliardenstrafen im Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze.

Seit Jahren reißen die Kosten für Altlasten nicht ab. Im laufenden Jahr summieren sich die Rückstellungen für Rechtsrisiken auf rund 4 Mrd. EUR - und es könnten noch mehr werden. "Wie ich Ihnen bereits früher mitgeteilt habe, rechne ich damit, dass Kosten und Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten uns auch in zukünftigen Quartalen weiter belasten werden", erklärte Cryan.

Auch die Postbank-Übernahme mitten in der Finanzkrise erweist sich nun als teurer Fehlgriff, für den gut 6 Mrd. EUR unter Josef Ackermann auf den Tisch gelegt wurden.

Was Cryan darüber hinaus vorhat, um die Deutsche Bank in sicheres Fahrwasser zu bringen, will er Ende Oktober verkünden. Absehbar ist, dass es die Investmentbanker besonders hart treffen dürfte.

Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzender John Cryan greift durch
Schluss mit Abwarten: Deutsche-Bank-Chef John Cryan lässt keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit. Foto: afp

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09.10.2015, 12:00 Uhr
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