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Cryan setzt auf Radikalkur

Deutsche-Bank-Chef baut Konzern um und räumt im Top-Management auf

John Cryan krempelt die Deutsche Bank um. Der neue Chef lässt keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit. Der Brite greift auch im Top-Management durch. Noch ist aber unklar, ob der Umbau hilft.

20.10.2015
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt Das einzige was John Cryan bei der Deutschen Bank in Frankfurt nicht saniert sind "Soll und Haben", die beiden Türme der Zentrale an der Taunusanlage. Die jeweils 155 Meter hohen Gebäude wurden schließlich zwischen 2007 und 2010 komplett erneuert. Aber sonst lässt der Engländer keinen Stein auf dem anderen.

Der Vorstand wird komplett umgebaut, drei Top-Manager müssen gehen - mit Ex-Co-Chef Anshu Jain und Ex-Privatkunden-Chef Rainer Neske, sind es in diesem Jahr schon fünf - sechs Neue kommen. Zum ersten Mal seit 20 Jahren rückt mit der Französin Sylvie Matherat wieder eine Frau in den Vorstand. Den von Ex-Bank-Chef Josef Ackermann eingeführten erweiterten Vorstand - das 24köpfige Group Executive Committee - schafft der 54-Jährige ab, die Struktur der Geschäftsfelder ordnet er komplett neu.

Börse, Finanzexperten und Analysten loben Cryan für die harten Einschnitte. Dieter Hein, Bankenanalyst und profunder Kenner der Deutschen Bank, überraschen die Umbesetzungen im Vorstand nicht. "Viele müssen gehen, weil sie von der Finanzaufsicht Bafin schwer belastet sind." Die neue Struktur der Geschäftsbereiche mache Sinn, leider bringe dies in vielen Fällen nicht die erhoffte Wirkung. "Durch die Abspaltung der Handelsgeschäfte vom Investmentbanking gibt es zwar eine bessere Kontrolle, aber beide Bereiche bleiben hochriskant." Generell, so Hein, habe die Deutsche Bank ein massives Risiko- und Kostenproblem. Dafür sehe er auch jetzt noch keine Lösung.

Auch Jan-Pieter Krahnen, Professor für Kreditwirtschaft an der Uni Frankfurt, begrüßt den Umbau der Bank. "Wichtig ist die Abtrennung des Handelsgeschäftes in eine eigene Einheit. Damit ist das Bekenntnis verbunden, dass das Einlagen- und Kreditgeschäft für sich allein stabil und profitabel sein muss."

Am 29. Oktober will Cryan seine Pläne erstmals öffentlich präsentieren und erläutern. Der Umbau trifft vor allem das Investmentbanking, das der Deutschen Bank in der Vergangenheit nur vordergründig hohe Gewinne eingebracht, tatsächlich aber massiv Kapital gebunden und vor allem durch Betrügereien und fadenscheinige Geschäfte die Rechtsprobleme beschert hat, die die Bank bislang schon einen zweistelligen Milliardenbetrag gekostet und den Ruf des Institut schwer beschädigt haben. Die Handelsaktivitäten nimmt Cryan den Investmentbankern weg und kreiert eine eigene Sparte für Globale Märkte.

Mit Stefan Krause, Henry Ritchotte und Stephan Leithner müssen drei Vorstände ihren Hut nehmen, auch aus der zweiten Management-Reihe verlieren mehrere Top-Manager ihren Job, weil die Finanzaufsicht Bafin ihre Rolle im Libor-Skandal um manipulierte Zinsen höchst kritisch einstuft. Dafür rücken eine Frau und fünf Herren Anfang 2016 neu in den Vorstand, mit Karl von Rohr auch ein Deutscher. Im siebenköpfigen Vorstand sitzen künftig drei Deutsche.

Nach Ansicht von Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat es in der Deutschen Bank selten zuvor eine solch grundlegende Reorganisation gegeben. Es ist freilich, sagen Beobachter noch viel mehr. Nie zuvor hat ein neuer Chef der Deutschen Bank so radikal mit seinen Vorgängern gebrochen, wie Cryan mit Josef Ackermann und Anshu Jain. Dies hatte er schon vor knapp zwei Wochen deutlich gemacht, als er Abschreibungen und Rückstellungen von mehr als 7 Mrd. EUR sowie den Ausfall der Dividende verkündete, die der Deutschen Bank im dritten Quartal einen Rekordverlust von 6,2 Mrd. EUR beschert haben.

Achleitner zufolge geht ein solch radikaler Schnitt nicht "ohne Härten einher". Die Vorstände fallen in der Regel weich. Anders ist es bei normalen Angestellten. Dies ist die letzte wichtige Frage, die Cryan noch nicht beantwortet hat. Am Ende wird der Schnitt und der Sparkurs nach Ansicht von Beobachtern möglicherweise mehr als zehntausend Stellen kosten.

Deutsche-Bank-Chef baut Konzern um und räumt im Top-Management auf
Deutsche-Bank-Chef John Cryan baut den Finanzriesen um. Foto: dpa

Deutsche-Bank-Chef baut Konzern um und räumt im Top-Management auf

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20.10.2015, 12:00 Uhr
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