Bald wird das Wärme-Netz geknüpft

Dettenhäuser Bürgergenossenschaft plant fürs neue Jahr ihre erste Versorgungs-Trasse: zum

Noch ist die Dettenhäuser Nahwärme-Genossenschaft nicht ins Genossenschafts-Register eingetragen – aber schon ist die erste Leitungs-Trasse quer durch den Ort geplant. 65 Personen und Firmen haben zusammen 130 Anteile bei der Genossenschaft gezeichnet. Ex-Schultes Hans-Joachim Raich ist sicher: „Wenn das mal anläuft, wird das ein Selbstläufer.“

29.12.2011

Von Martin Mayer

Dettenhausen. Wie berichtet, hat sich Ende Juli in Dettenhausen eine Bürgergenossenschaft gegründet, die am Ort ein eigenes Nahwärme-Netz aufbauen will. Die Energie dafür würde klimaschonend aus Restholz im Heizkraftwerk der Holzwerke Zimmermann erzeugt ? mittels Kraft-Wärme-Kopplung. Bei den Gewerbebetrieben und Privathaushalten, die sich an das von dem Werksgelände in der Torstraße ausgehende Rohrnetz anschließen lassen, könnte die Nahwärme aus dem eigenen Ort die Heizkosten spürbar senken.

Auch die Gemeinde Dettenhausen ist an der Genossenschaft beteiligt ? vorerst nur mit einem Geschäftsanteil von 500 Euro, aber das wird noch mehr werden. Nach dem Vorbild der Nahwärme-Genossenschaft von Pfalzgrafenweiler („Weiler Wärme e.G.?) hat der Gemeinderat bereits einen sogenannten Gestattungsvertrag ausgearbeitet, der es der Genossenschaft erlaubt, gegen Gebühren ein Nahwärmenetz am Ort aufzubauen und Versorgungsleitungen unter den öffentlichen Straßen und Wegen oder durch kommunale Grundstücke zu verlegen. Sobald die Genossenschaft offiziell ins Genossenschafts-Register eingetragen ist, soll der Vertrag unterzeichnet werden: voraussichtlich Mitte Januar.

„Am Tag darauf werden die wohl loslegen?, sagt Bürgermeister Thomas Engesser: „Da gibt?s schon einige, die darauf warten.? Der Schultes muss es wissen: Schließlich wird die Gemeinde mit ihren kommunalen Liegenschaften und ihrem Schulzentrum einer der größten Wärme-Abnehmer sein.

Engessers Amtsvorgänger Hans-Joachim Raich bestätigt das: Gleich die erste Versorgungs-Trasse wird vom Blockheizkraftwerk der Holzwerke Zimmermann unter der Bahnlinie hindurch via Schliff- und Bachstraße zum Rathaus hinunter und von dort durch den Fußweg und unter der Störrenstraße durch zum Schulzentrum hinauf führen. Wenn alles nach Plan läuft, rechnet Raich als Vorstandsvorsitzender der Nahwärme-Genossenschaft damit, „dass wir in den Sommerferien an der Schule sind?. Dort könnten die Anschlüsse für Festhalle, Schule und Kindergarten gelegt und zur Heizperiode 2012 /13 könne „geliefert werden?.

Nach dem ersten halben Jahr Vorbereitungszeit gibt Raich zu: „Das war schon eine schwierige Arbeit.? Zwar haben inzwischen 65 natürliche Personen und Firmen, die Gemeinde, die beiden örtlichen Banken und die Tübinger Stadtwerke zusammen 130 Anteile bei der neuen Bürgergenossenschaft gezeichnet und damit für ein Eigenkapital von 65 000 Euro gesorgt. Aber für die Genossenschafts-Gründung musste auch ein Drei-Jahres-Vorausplan erstellt werden. Für die denkbaren Trassen des geplanten Versorgungs-Netzes mussten Leitungs-Pläne gesichtet, Prioritäten und Bauzeiten-Pläne ausgeklügelt werden. Zum Glück konnten die Dettenhäuser Genossen dabei auf das Vorbild der Weiler Wärme-Genossenschaft zurückgreifen. Das in Pfalzgrafenweiler tätige Ingenieurbüro sei auch für das Dettenhäuser Projekt im Einsatz, heißt es.

„Pfalzgrafenweiler hat angefangen mit 120 Metern Trasse?, sagt Raich. Inzwischen ist die Bioenergie-Gemeinde im Kreis Freudenstadt ein Vorzeige-Ort, an dem sich Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker über Energie-Effizienz und kommunale Nachhaltigkeits-Politik informieren.

Das Vorbild aus dem

Nordschwarzwald

Die Weiler Wärme eG betreibt mittlerweile nach eigenen Angaben gewinnbringend ein zehn Kilometer langes Leitungsnetz und strebt bis Ende 2011 einen Jahresumsatz von einer Million Euro an. Rund 500 Bürger haben dort 1000 Genossenschafts-Anteile gezeichnet ? und das, obwohl es anfangs auch in der Nordschwarzwald-Gemeinde Bedenken gegen das Heizen mit Restholz gab.

Das Weiler Vorbild hat den Dettenhäuser Nahwärme-Pionieren um Franz Milley und Hans-Joachim Raich vom Start weg Mut gemacht. „Das müsste auch bei uns funktionieren?, meint Raich, „die Bevölkerung läuft dem Milley das Haus ein.? Doch man dürfe sich „nicht verzetteln?. Mit dem Bau der rund einen Kilometer langen Trasse von der Torstraße zum Schulzentrum soll Ende Februar, Anfang März begonnen werden. Zuvor werde es eine Info-Veranstaltung für die Anlieger geben („mit persönlichen Einladungen?) .

Wer mitmachen will bei der Nahwärme-Versorgung, muss sich nämlich „gleich entscheiden?. Für einen Anschluss muss man zwei Genossenschafts-Anteile zeichnen. Der Hausanschluss selbst kostet laut Raich 2500 bis 3000 Euro, von denen ein Fix-Zuschuss von 1800 Euro abgezogen wird, den die Genossenschaft von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für jeden Anschluss bekommt. Versorgungsleitung im angeschlossenen Gebäude müssen die Eigner zusätzlich zahlen. Zu all dem werde es demnächst Merkblätter am Ort geben. Klar ist: Wer die Nahwärme ins Haus bekommt, braucht keinen Öltank oder Brenner mehr ? der Heizungskeller kann neu genutzt werden.

Jetzt muss sich die in Gründung stehende Genossenschaft mit der Finanzierung ihres Projekts befassen und mit den Banken verhandeln. Vorstandssprecher Raich ist zuversichtlich: „Das macht schon Spaß.? Und er gibt zu, dass ihn bei der Arbeit für dieses gemeindeumfassende Projekt auch wieder der Schultes-Ehrgeiz gepackt hat: „Die Anlage der Holzwerke ist so ausgelegt ? die könnte den ganzen Ort versorgen.?

Der Nahwärme-Lieferant in Aktion: Als sich der Dettenhäuser Gemeinderat im Januar 2011 von Markus Milley (rechts) und dessen Vater Franz (zweiter von rechts) das Biomasse-Heizkraftwerk der Holzwerke Zimmermann erklären ließ, war Hans Joachim Raich (ganz links) noch Bürgermeister. Archivbild: Sommer

Nahwärme für Dettenhausen – der Vorstand der Bürgergenossenschaft (von links): Udo Rieker, Franz Milley, Hans-Joachim Raich.Bild: Privat

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Erstellt:
29. Dezember 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Dezember 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2011, 12:00 Uhr

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