Smartphones

Desinfizieren ist unnötig

Auch wenn man die Geräte jeden Tag permanten in der Hand hat und auch vieles anderes anfasst, sind sie keine Virenschleudern. Reinigen sollte man sie aber.

04.07.2020

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Das Smartphone wird am besten mit einem weichen, fusselfreien, leicht angefeuchteten Mikrofasertuch gereinigt. Foto: Andrea Warnecke/dpa

In Zeiten von Corona überlegen sich einige Menschen ganz genau, was sie in die Hände nehmen. Das Smartphone gehört sicher dazu. Das halten sie sich sogar ans Gesicht. Doch ist das nicht irgendwie unhygienisch? Nein, sagt Markus Egert, Professor für Mikrobiologie und Hygiene an der Hochschule Furtwangen. „Das Handy ist keine Keimschleuder.“ Man müsse sein privates Handy reinigen, aber nicht desinfizieren.

Im Vergleich zur Anzahl der Keime an menschlichen Händen oder auf der Toilettenbrille sei die Keimlast auf dem Handy verschwindend gering, sagt Egert. „Gerade die modernen Smartphones sind supertrocken und glatt, dadurch können sich nur wenige Keime festhalten.“ Sie fänden auch nur wenig zu fressen und vermehren sich deswegen kaum. Bei alten Tastentelefonen sei die Keimbelastung dagegen höher.

Benutzer haben Einfluss darauf, wie viele Keime sich auf dem Handy befinden. „Die Oberfläche des Smartphones ist ein Spiegelbild seines Nutzers“, sagt Sebastian Klöß, der Referent für Consumer Technology im Branchenverband Bitkom. Wer sich selten die Hände wasche, sein Smartphone während des Essens und auf der Toilette benutze, übertrage deutlich mehr Keime auf sein Gerät als andere.

Auch der Zustand des Smartphones hat Einfluss auf die Keimlast. Klöß: „Bakterien, Viren und Schimmelpilze können sich besonders gut in Kratzern festsetzen.“

Smartphone-Anbieter wie Apple und Samsung geben auf ihren Internetseiten oft Reinigungs-Tipps. In Kürze: vor der Reinigung das Gerät ausschalten. Das Gerät dann am besten mit einem weichen, fusselfreien, leicht angefeuchteten Mikrofasertuch reinigen, gegen starken Schmutz kann auch etwas Seifenwasser genommen werden. Aber keine Feuchtigkeit in die Öffnungen lassen!

Zwar sind inzwischen viele Smartphones wasserdicht. Klöß rät trotzdem dazu, auf Nummer sicher zu gehen und sofort mit einem trockenen Tuch nachzuwischen.

Aus Sicht der Mikrobiologie sind die Hersteller-Empfehlungen völlig in Ordnung. „Ein feuchter Lappen und etwas Spülmittel reichen vollkommen“, sagt Egert. Wenn man unterwegs ist, könne man auch ein Brillenreinigungstuch nehmen.

Eine Desinfektion des Handys im häuslichen Bereich sei aber nicht nötig. Auch das Coronavirus lasse sich mit Seifenwasser inaktivieren.

Vorsicht mit Reinigungsmitteln

Eine Desinfektion mit Oberflächen- oder Händedesinfektionsmitteln sei ohnehin kaum möglich, sagt Bernd Glassl, der Bereichsleiter Haushaltspflege im Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel. Denn bei der benötigten Menge und deren Einwirkzeit bestehe die Gefahr, dass die Mittel in die Gerätezwischenräume gelangen.

Auch andere Reinigungsmittel können dem Smartphone schaden, sagt Klöß. Zwar besteht die Oberfläche des Smartphone-Displays aus Glas, aber es sei falsch, es einfach mit dem Glasreiniger zu säubern. Touchdisplays haben meist eine ölabweisende Beschichtung gegen Fingerabdrücke. Klöß: „Reinigt man sein Smartphone-Display beispielsweise mit Glasreinigern oder Reinigungsmitteln auf Alkoholbasis, wird die fettabweisende Beschichtung allmählich entfernt.“

Wer möchte, kann spezielle Reinigungssprays mit keimabtötender und antibakterieller Wirkung benutzen. Die darf man aber nicht direkt auf das Smartphone sprühen. Das gilt auch für wasserdichte Smartphones, sagt Klöß. Denn die Sprays könnten die Dichtungen beschädigen.

Die Anschlüsse eines Telefons sind sehr empfindlich. Nutzer sollten sie deswegen besonders vorsichtig und ohne Feuchtigkeit säubern. Klöß rät zu Wattestäbchen oder einer weichen Zahnbürste.

Wer von seiner Spiegelreflexkamera einen kleinen Blasebalg hat, kann auch den zur Reinigung verwenden. „Druckluftreiniger hingegen sollten keinesfalls eingesetzt werden“, warnt Klöß.

Wie oft Nutzer ihr Smartphone reinigen sollten, hängt letztlich von der Nutzung ab, sagt Glassl. Wenn man viel unterwegs ist, viele verschiedene Leute trifft, das Handy sowohl im Bad als auch in der Küche nutzt, sei es ratsam, es häufiger zu reinigen.

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Erstellt:
4. Juli 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Juli 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Juli 2020, 06:00 Uhr

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