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Der zweite Schuss trifft mitten ins Herz
Anna Sutter posiert mit Zigarette als „Carmen“, ihrer Paraderolle. Foto: Stadtarchiv Stuttgart, 2143 Nachlass Anna Sutter - FM 91/51
Persönlichkeit

Der zweite Schuss trifft mitten ins Herz

Zum Geburtstag Anna Sutters: Das Schicksal der Sopranistin hat Stuttgart lange bewegt.

27.11.2017
  • KERSTIN RECH

Stuttgart. Als die Schweizerin Anna Sutter im Jahr 1893 als 22-Jährige ans Königliche Hoftheater in Stuttgart wechselte, hatte sie die Stuttgarter augenblicklich in der Tasche. Sie verfielen ihrem komödiantischen Talent, ihrem Charme und ihrer erotischen Ausstrahlung. Das Publikum liebte vor allem Sutters Darstellung der „Carmen“ aus der gleichnamigen Oper von Georges Bizet, die durch die Hand eines verschmähten Liebhabers getötet wird. Dass die Sopranistin eines Tages genau dieses Schicksal ereilen sollte, ahnte damals unterdessen noch niemand.

Am gestrigen Sonntag jährte sich Anna Sutters Geburtstag, am 26. November 1871 erblickte sie in Wil (Kanton St. Gallen) das Licht der Welt. Die Lebensgeschichte Sutters, die auf dem Pragfriedhof begraben ist, beschäftigte die Stuttgarter weit über ihren Tod hinaus. Der Musikwissenschaftler Georg Günther organisierte in den Jahren 2001 und 2010 zwei Ausstellungen. Sutter habe eine große Bühnenpräsens und ein enormes schauspielerisches Können gehabt. Jedoch bezweifelt er, dass sie heute als Sopranistin bestehen könnte. Zu wenig ausgebildet sei ihre Stimme gewesen. „Es ist mir schleierhaft, wie sie die ,Carmen' überhaupt hat singen können.“

Es war vor allem auch das Privatleben Sutters, das die Stuttgarter faszinierte. Sie war schillernd, galt zu ihrer Zeit als die meistfotografierte Künstlerin Europas. Sie lebte verschwenderisch, hatte zwei uneheliche Kinder und unzählige Liebhaber. Einer davon hieß Aloys Obrist, zeitweise Kapellmeister am Königlichen Hoftheater. Eine schicksalhafte Begegnung. Nach einer kurzen Affäre trennte sie sich von ihm, er war jedoch nicht bereit, sie aufzugeben.

Am Morgen des 29. Juni 1910 stürmte Obrist mit einer Pistole in der Tasche in Sutters Schlafzimmer. Zum letzten Mal forderte er sie auf, zu ihm zurückzukommen. Sie verneinte, er schoss. Die erste Kugel traf Anna Sutter in die Schulter, die zweite mitten ins Herz. Dann richtete Obrist sich selbst mit fünf Schüssen und brach zusammen.

Noch am selben Tag verkündeten Extrablätter den Tod des Stuttgarter Publikumslieblings. Als Anna Sutter wenige Tage später zu Grabe getragen wurde, folgten mehr als zehntausend Trauernde ihrem Sarg. Kerstin Rech

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27.11.2017, 06:00 Uhr
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