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„Der war ja richtig sexsüchtig“
Der Angeklagte soll schwer eifersüchtig gewesen sein. Foto: dpa
Mordversuch

„Der war ja richtig sexsüchtig“

Im Ravensburger Prozess sagt das Opfer aus. Demnach geht es vor allem um große Lust und Eifersucht.

01.03.2017
  • TOBIAS KNAACK

Ravensburg. Rasende Eifersucht und unablässige Sex-Lust: Am zweiten Verhandlungstag des Prozesses um versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung in Ravensburg hat sich das Bild des mutmaßlichen Täters konkretisiert. Dem 82-Jährigen wird vorgeworfen, seiner langjährigen Geliebten, einer 91-Jährigen, vergangenen September mit einer Pistole in den Nacken geschossen und sie anschließend mehrmals geschlagen zu haben. Die Frau überlebte schwer verletzt.

Am Dienstag sagte das Opfer aus. In vielen Details schilderte die Frau die Beziehung zu dem verheirateten Mann: Aus einer Stammtisch-Bekanntschaft entwickelte sich ab Mitte der 2000er eine Affäre – mit ausschweifendem Sexleben. „Das war sehr lange sehr schön.“ Im April 2016 aber der Bruch: In einem Café lernten die beiden einen Mann kennen, der später nach ihrer Adresse fragte. „Ich habe ihn danach nie mehr gesehen oder von ihm gehört“, sagte sie. Doch der Angeklagte sei in der Folge rasend eifersüchtig gewesen: „Der hat sich in einen Wahn gesteigert.“

Hinzu kam sein offenbar unstillbarer und sich bis zur Obsession verstärkender Sexdrang, wie eine als Zeugin geladene Polizistin aus einem Gespräch mit dem Hausarzt des Angeklagten zitierte. „Der war ja richtig sexsüchtig“, sagte die 91-Jährige.

Parallel kühlte sich mit der immer schlimmer werdenden Eifersucht ihr Verhältnis weiter ab. Sie wollte sich trennen. Nach einer weiteren Szene in einem Café im September habe sie ihm das mitgeteilt. Geredet worden sei danach nicht mehr, sagte sie. Statt sie heimzubringen, fuhr er zum Gottesberg in Bad Wurzach, hielt an, zog die Waffe und schoss.

Mit ihren Ausführungen widersprach sie denen des Angeklagten, der sich zwar nicht vor Gericht, aber zuvor gegenüber einer psychiatrischen Gutachterin geäußert hatte. Dort hatte er gesagt, der Schuss habe sich aus Versehen gelöst. Der 82-Jährige hatte am ersten Termin den Schuss und zwei Schläge eingestanden. Zu seinen Motiven aber schwieg er. So entstand am Dienstag das Bild eines sex- und eifersüchtigen Mannes, der den Prozess mit malmendem Kiefer und starrem Blick verfolgte. Tobias Knaack

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01.03.2017, 06:00 Uhr
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