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Ausstellung

Der vergessene Architekt

Max Herre ist ein bekannter Musiker. Seinen Opa kennt kaum jemand, obwohl er zu den Protagonisten der Stuttgarter Avantgarde gehörte. Das Stadtpalais will das ändern.

21.09.2019

Von CAROLINE HOLOWIECKI

Der Hip-Hop-Musiker Max Herre sitzt zwischen Stühlen, die sein Großvater Richard Herre entworfen hat. Foto: Marijan Murat/dpa

Die Stuttgarter Hip-Hop-Stars gehen im Stadtpalais ein und aus. Aktuell widmet das Museum den berühmtesten Stadt-Söhnen, den Fantastischen Vier, zum 30-Jahr-Bandjubiläum eine Sonderschau, die „Massiven Töne“ und weitere Mitstreiter aus dem Künstlerkollektiv „Kolchose“ wurden ebenfalls bereits mit einer Ausstellung bedacht. Mit dem „Freundeskreis“-Rapper Max Herre saß Ende 2017 noch ein Großer der hiesigen Szene auf dem Palais-Podium, um die „Mutterstadt“ zu rühmen.

Jetzt war Max Herre wieder da – allerdings nur, um über ein anderes Familienmitglied zu sprechen: seinen Opa Richard Herre. Er ist bereits vor 60 Jahren gestorben und dürfte heute nur den wenigsten Bürgern etwas sagen. Auch Torben Giese, Direktor des Stadtpalais, gab zu: „Ich habe vorher noch nie von Richard Herre gehört.“ Dabei war er einer der Protagonisten der Stuttgarter Avantgarde und hat Stadtbild und -geschichte durchaus geprägt.

Richard Herre war Teil eines aufstrebenden Kollektivs von Stadtplanern, Designern und Architekten, die die berühmte Weißenhofsiedlung mitgestaltet hatten. Die 1927 vom Deutschen Werkbund errichtete Nachbarschaft auf den Halbhöhenlagen des Stuttgarter Nordens gilt bis heute als eines der einflussreichsten Beispiele moderner Architektur. Richard Herre war einer der Ideengeber gewesen. Zudem hatte er seinerzeit das Haus 24 von Max Taut ausgestattet, das heute jedoch nicht mehr steht.

„Richard Herre ist ein bisschen in Vergessenheit geraten gegenüber den anderen Weißenhof-Architekten“, erklärte Edith Neumann, stellvertretende Direktorin des Stuttgart-Museums. Das soll sich jetzt ändern. Sie hat eine Ausstellung über „das Multitalent“ kuratiert, die im November eröffnet wird. Ein Großteil der Exponate über den Architekten, Möbeldesigner, Typografen und Übersetzer einiger Schriften von Le Corbusier stammt aus dem Familienbesitz.

Der musikalische Enkel mit dem markanten Lockenkopf hatte sich zuvor mit seinem Vater Frank, ebenfalls Architekt, auf die Spuren seines Großvaters begeben. Sie haben Möbel, Kunst-Aufsätze, Plakate oder Briefe, die er zeitlebens mit seinen Künstlerfreuden Willi Baumeister und Oskar Schlemmer ausgetauscht hatte, zusammengetragen. Die Recherche war kompliziert. Da das Atelier Herres bei einem Luftangriff 1944 zerstört worden war, sind nur wenige Originale erhalten. „Der entscheidende Teil seiner Arbeit ist verbrannt. Übrig ist, was er zu Hause aufbewahrt hatte“, erklärte Frank Herre.

Wer schon immer wissen wollte, wie es beim „A-N-N-A“-Sänger daheim ausgesehen hat, kann sich ab dem 28. November im Salon Sophie des Stadtpalais einen Eindruck davon verschaffen. Dort wird die Schau bis zum 1. März 2020 kostenfrei zu sehen sein. Für Anja Krämer, Leiterin des Weißenhofmuseums, ist Richard Herre „eine lang überfällige Wiederentdeckung“.

Und nicht nur durch die Ausstellung kommt er posthum zu Ehren. Laut Max Herre wird das Frankfurter Designbüro „e15“ einige Entwürfe seines Opas neu auflegen. Der Rapper zeigte auf einen Stuhl: „Der geht 90 Jahre nach seinem Entwurf zum ersten Mal in Serie.“

Richard Herre gestaltete die Weißenhofsiedlung mit. Foto: Stadtpalais

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Erstellt:
21. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. September 2019, 06:00 Uhr

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