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"Keine Klage eines Opas, dass früher alles besser war"

Der renommierte Theatermacher Dieter Dorn wird 80 Jahre alt

Wie kaum ein anderer hat Dieter Dorn die Münchner Theaterlandschaft geprägt. Am Samstag wird er 80 - und die Bühne lässt ihn nicht los.

28.10.2015
  • UTE WESSELS, DPA

Die Theaterlandschaft ist im Umbruch. Matthias Lilienthal ist neuer Intendant der Münchner Kammerspiele, an der Berliner Volksbühne wird Chris Dercon übernehmen. Wie ist es um das Theater bestellt?

DIETER DORN: Theater ist auch immer ein modisches Instrument. Ich gehe nicht oft ins Theater, sondern konzentriere mich auf meine Arbeit. Wenn etwas toll ist, ist man deprimiert, weil man selbst nicht so gut ist. Und wenn etwas schlecht ist, würde man am liebsten den Beruf wechseln. Bei den Intendantenbesetzungen ist es ja so - ob nun Lilienthal oder Dercon -, dass es immer mehr in Richtung Eventtheater geht. Die gemeinsame Arbeit mit einem festen Ensemble über längere Zeit ist ja nur noch die Ausnahme.

Fehlen Ihnen heute im Theater Werktreue und Respekt vor dem Autor?

DORN: Theater hat ja ursprünglich die Tendenz zu bewahren, aktuelle Themen an eine Geschichte zu binden. Ein Autor hat eine Vision, eine Weltsicht. Es ist die Aufgabe des Theaters, dieser nachzuspüren, Widersprüche zu entdecken - und das nicht mit den eigenen Obsessionen, sondern mit denen des Autors. Man darf die Figuren nicht verraten. All das wird nur noch wenig gesehen.

Inwiefern?

DORN: Die Sprache wird nicht gehütet, sondern zurechtgeschnitten und gestutzt. Man fleddert den Autor, nimmt nur das, was man für aktuell hält. Das soll aber keine Klage sein eines alten Opas, dass früher alles besser war. Sondern es ist der Versuch, eine aktuelle Tendenz zu sehen. Das Theater müsste sich auf sich selbst besinnen, nicht Events und Medien hinterherlaufen.

Die aktuelle Tendenz im Theater, von der Sie sprechen, kann ja nur so lange funktionieren, so lange das Publikum ins Theater geht.

DORN: Viele Menschen haben kein Bewusstsein dafür, sie nehmen das einfach hin. Die mittlere und ältere Generation macht sich zwar so ihre Gedanken, die Theater zielen heute aber auf die Jungen ab. Aber man muss ja nicht das, was sie den ganzen Tag schon im Internet und Handy sehen, auch noch überbieten wollen. Theater muss nicht oberflächlich unterhalten. Dafür gibt es ja das Fernsehen.

Ist das Theater also in Gefahr?

DORN: Das Theater ist nicht unterzukriegen, es wird sich immer wieder aufrappeln. Ob das System des Stadttheaters zu halten sein wird, weiß ich nicht.

Sie inszenieren in Berlin "La Traviata". Heißt das, dass Sie sich nun auf Ihre zweite Leidenschaft konzentrieren - die Oper?

DORN: Die Oper ist schwieriger, aber wenn sie gelingt, ist sie dem Schauspiel überlegen. Durch die Musik hat sie eine andere Wirkung als das Schauspiel. Es ist mühsam und schwierig, sich mit der Partitur und gegen die Partitur zu bewegen. Oper ist fragil, braucht Zeit und verdient Subvention.

Was bedeutet Ihnen die 80?

DORN: Nichts. So lange ich arbeiten kann, ist es in Ordnung. Und es macht Spaß, wenn Leute überrascht sind und sagen: Was, so alt bist du schon? Der Beruf hört mit dem Alter ja nicht auf. Gute Schauspieler werden mit dem Alter noch besser. Es ist ein Privileg, sich in dem schwierigen Beruf ein Leben lang ernähren zu können, ohne Kompromisse machen zu müssen.

Der renommierte Theatermacher Dieter Dorn wird 80 Jahre alt
Dieter Dorn feiert am Samstag seinen 80. Geburtstag. Foto: dpa

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28.10.2015, 12:00 Uhr
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