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Der lange Weg zur Normalität
Polizistinnen unter sich (von links): Margarete Sailer war vor 30 Jahren im ersten weiblichen Ausbildungs-Jahrgang dabei. Zum Polizeipräsidium Tuttlingen gehören Patricia Schwenke, Bettina Rommelfanger als einzige weibliche Führungskraft und Nina Furic. Foto: Petra Walheim
Polizei

Der lange Weg zur Normalität

Vor 30 Jahren startete der erste weibliche Ausbildungslehrgang im Südwesten. Noch immer sind die Beamtinnen in der Minderheit. Doch sie werden mehr – und die Vorurteile weniger.

20.09.2017
  • PETRA WALHEIM

Tuttlingen. Den Rock hat sie so gut wie nie getragen. „Außer mal bei einem Tag der offenen Tür“, sagt Margarete Sailer. Sie ist eine der 30 Frauen, die am 1. September 1987 eine Ausbildung bei der Polizei in Biberach begonnen haben. Dort und in Lahr (Ortenaukreis) ging damals der erste weibliche Ausbildungs-Jahrgang im Land mit insgesamt 60 Frauen an den Start. Für die Polizei war das eine Sensation. Heute ist es völlig normal, dass im Streifenwagen eine Frau am Steuer sitzt oder Randalierer in Gewahrsam nimmt. Margarete Sailer trägt heute keine Uniform mehr; sie ist heute bei der Kriminalpolizeidirektion in Rottweil tätig. Frauen bei der Polizei sind auch nach 30 Jahren noch deutlich in der Minderheit. Aber sie holen auf.

„Ich bin seit 40 Jahren im Polizeidienst“, sagt Gerhard Regele, der Präsident des Polizeipräsidiums (PP) Tuttlingen. „Damals gab es noch keine Frauen bei der Polizei.“ Er habe nie ein Problem damit gehabt, dass zehn Jahre später auch Frauen zur Schutzpolizei aufgenommen wurden. „Das ist eine gute Entwicklung, aber sie ist noch nicht am Ende.“ Die Frauen, die im Präsidium Tuttlingen als Polizistinnen arbeiten, machen einen Anteil von 17,6 Prozent aus. „Das ist nicht das, was ich mir vorstelle“, sagt Regele. In seinem Haus gebe es auch nur eine Frau in einer Führungsposition und damit im höheren Dienst. Das ist Bettina Rommelfanger, die das Referat Prävention leitet.

Sie stammt aus Niedersachsen, wo Frauen schon 1981 zur Schutzpolizei zugelassen wurden. Sie ist seit 19 Jahren Polizistin und hat in ihren Anfängen einiges einstecken müssen. „Was machst denn du bei der Polizei? Warum verkaufst du nicht Parfüm?“, habe sie ein Gruppenführer gefragt. In ihrer Dienstgruppe sei sie am Anfang als einzige Gesiezt worden. Aber sie habe sich bewährt, die Kollegen hätten sich entschuldigt.

Von 2011 bis 2013 hat sie das Masterstudium für den höheren Dienst in Münster absolviert. Dort sind Polizei-Studenten aus allen Bundesländern vertreten. Sie hat sich in einen Mann aus Baden-Württemberg verliebt und ist ihm nach Tuttlingen gefolgt. Im Oktober 2014 hat sie die Leitung des Reviers in Spaichingen übernommen und ist erneut als einzige Frau unter Männern auf Vorbehalte gestoßen. Doch das habe sich gegeben, sagt sie. Als sie ins PP Tuttlingen gewechselt sei, hätten die Kollegen das bedauert.

Frauenfeindliche Sprüche musste sich Margarete Sailer nicht anhören. Sie absolvierte den ersten weiblichen Ausbildungs-Lehrgang in Biberach. „Die Ausbildung war für Männer und Frauen gleich“, sagt sie. Der Versuch, die Frauen mit Röcken und Wollsocken in den Schuhen einzukleiden, scheiterte. „Die Kleidung war ein No-Go.“ Sie sei gleich auf die Hose umgestiegen. Nach ihrer Ausbildung kam sie zum Revier Pfullingen (Kreis Reutlingen). Danach war sie beim Mobilen Einsatzkommando und bei der Landespolizeidirektion in Stuttgart. Die Chance, zur Kriminalpolizei nach Rottweil zu wechseln, hat sie genutzt. Die Frage, ob sie ihren beruflichen Werdegang noch einmal so gestalten würde, beantwortet sie mit „Jein“. Erlebnisse im persönlichen Bereich hätten sie doch hin und wieder ins Grübeln gebracht.

Feuer und Flamme für ihren Beruf ist die 27-jährige Patricia Schwenke. Sie hat im März 2014 ihre Ausbildung in Lahr begonnen, ist seit einem Jahr fertig, war im Revier Spaichingen und ist zum 1. September ins Polizeirevier Oberndorf gewechselt. „Ich habe mich nie als Püppi gesehen“, sagt sie. Vor der körperlichen Auseinandersetzung mit Randalierern fürchtet sie sich nicht. Sie könne gut zupacken, betont Schwenke.

Ein Vorteil der Frauen sei, das bestätigt Polizeipräsident Regele, dass sie kommunikativer seien als Männer. Damit könnten sie manch heikle Situation entschärfen, bevor es zu Handgreiflichkeiten komme. Wie kommunikativ sie ist, beweist Nina Furic seit April diesen Jahres in der Pressestelle des Polizeipräsidiums. Sie widerlegt das Vorurteil, dass für Frauen, die Kinder haben, die Karriere beendet ist. Nina Furic hat zwei Kinder – und macht Karriere.

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20.09.2017, 06:00 Uhr
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