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Stefan Grieble ist Schiffsführer auf dem Bodensee und lenkt die Fähren

Der große Bruder im See

Er geht gerne mit Menschen um, ist gerne auf dem Wasser – und mag Technik: Dieser Schiffsführer hat einen guten Job für sich gefunden.

09.08.2016
  • CAROLINE STRANG

Überlingen. Wenn Stefan Grieble seine Mütze aufsetzt, sieht er aus wie ein richtiger Kapitän. Wenn er die Sonnenbrille auf der Nase zurechtrückt und einen seriösen Gesichtsausdruck auflegt, ebenfalls. Wenn er dann kurz vor dem nächsten Halt an einem Steg auf den Außenlenkstand tritt und mit wenigen geübten Handgriffen das dreistöckige Fährschiff sanft an den Kai lenkt, sowieso. Es sieht so einfach aus, ist aber Präzisionsarbeit. Stefan Grieble ist aber gar kein Kapitän. „Auf dem Bodensee ist man kein Kapitän, man ist Schiffsführer“, sagt er trocken. So heiße das eben.

Er steht oben auf dem höchsten Deck und schaut auf den Steg nach unten. Dort steigen gerade Fahrgäste aus, ein paar warten schon, um von Unteruhldingen Richtung Insel Mainau mitgenommen zu werden. Grieble könnte ihnen auf die Köpfe spucken. Macht er aber natürlich nicht. Er ist schließlich der Kapitän. Der Schiffsführer. Freundlich, aber ernst schaut er auf die Menschen, hin und wieder winkt er kurz.

„Man muss in diesem Job schon auch gerne mit Menschen umgehen“, sagt er. „Mit Touristen“, ergänzt er noch. Er macht das gerne, repräsentiert die Bodensee-Schiffsbetriebe, auf deren Fähren er die Fahrgäste befördert. Im Führerhaus des großen Schiffes sitzt er auf einem Busfahrer-ähnlichen Sitz und hält das Lenkrad fest. Die Fähre namens „München“, die er heute durch das Wasser bewegt, ist nicht ganz so modern. Sie fahre nicht von alleine geradeaus, sagt er.

Deshalb lenkt er ständig ein bisschen, während kleine Segelboote vor dem großen Bruder mit Hilfe des Windes flüchten. Vor ihm sind viele Anzeigen, er erklärt sie alle mit großer Ruhe. Eine GPS-Karte zeigt die Ideallinie der Fahrt, Pflicht sei die aber nicht. Die Geschwindigkeit beträgt gerade 21,6 Kilometer pro Stunde. „Langsam, weil wir gleich das nächste Ziel erreichen.“ Normalerweise pflügt das Schiff mit 25 km/h durch den Bodensee.

Den befährt Grieble nun schon seit gut 26 Jahren und er kennt ihn wie seine Westentasche. „Aber es gibt schon noch ein paar Buchten oder versteckte Strände, die ich nicht so gut kenne, weil unsere Routen da nicht entlang gehen“, sagt er. Ob der Bodensee sein Lieblingssee ist? Er zögert. Er mag ihn. Aber der Gardasee gefällt ihm auch sehr gut. „Was fremd ist, ist halt spannender“, sagt er und grinst. Spannend an seinem Job findet er, dass er so viel draußen ist, dass ihm der Fahrtwind um die Nase weht, dass er trotzdem Kontakt mit vielen Menschen hat und außerdem noch technisches Wissen hilfreich ist. Wenn die Kontrollanzeigen zum Beispiel einen Alarm aus dem Maschinenraum melden.

Grieble kann dann meistens helfen, er hat eine Lehre zum Energieanlagen-Elektoniker bei der Bahn gemacht. Zu der Zeit waren die Fährlinien auf dem Bodensee noch Sache der Bahn. Und die hatte Stellen ausgeschrieben. So wurde er Schiffsführer, nachdem er alle Jobs an Bord von der Pike auf gelernt hat, wie er sagt. „Ich hab also nicht schon als Kind davon geträumt, es war mehr Zufall“, sagt er und lacht. Nun arbeitet er vor allem im Sommer viel. Aber zwei Wochen Sommerurlaub sind trotzdem drin.

Und ja, es gibt Verkehrsregeln auf dem Bodensee. Rechts vor links kann es nicht sein. Ein kleineres Schiff kommt von links, Grieble reduziert mit einem Griff die Geschwindigkeit. Seine Hände sind groß, die Finger aber eher kurz, die Nägel sehr gepflegt. „Ich ändere ein wenig die Richtung, dann merkt der andere, dass wir ihn durchlassen“, erklärt er. Also Nase ein wenig nach links, das kleine Schiff gibt Gas. „Da müssen wir dann auch nicht telefonieren oder so“, sagt Grieble. Das gehe quasi auf Zuruf durch Bewegung. Schwierig seien die Tretboote. Absolute Laien, die die Regeln nicht kennen. Passiert sei aber noch nichts. Gott sei Dank, sagt Grieble. Personenschaden gab es mit ihm als Schiffsführer noch nie. Nur mal ein eher unsanfter Kontakt mit den Pollern an Anlegestellen. Wenn der Wind stark bläst. „Ruhig ist schon auch gut“, sagt er, nach seinem Lieblingswetter gefragt. Sein Kollege ermahnt ihn, ehrlich zu sein. Grieble grinst nur. „Jaja, ein bisschen Wind ist natürlich eine Herausforderung.“ Er ist froh, dass die Schiffsführer nicht immer die gleiche Route fahren. „Abwechslung ist wichtig, die haben wir hier auch.“

26 Jahre hat der 52-Jährige sein Patent nun schon, aber er kann sich noch gut an seine erste Fahrt erinnern. Man habe vorher ja schon länger geübt. „Aber mir war doch etwas mulmig zumute, als ich plötzlich die ganze Verantwortung getragen habe.“ Ein Ziel hat er noch auf dem Bodensee. Er war noch nie mit einem Schiff an der Rheinmündung. „Das werde ich irgendwann noch machen“, sagt er und schaut auf seinen See hinaus. Der glitzert an diesem Tag ganz verlockend in der Sonne. Aber es eilt ein bisschen. Zeit, wieder die Kapitänsmütze aufzusetzen, die Sonnenbrille zurechtzurücken und ein wenig staatstragend nach draußen zu treten. Die Insel Mainau ist längst in Sicht.

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09.08.2016, 06:00 Uhr
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