Für S 21 spenden?

Der gefälschte Bettelbrief des OB Schuster

In einem gefälschten Brief werden die Stuttgarter angehalten, für S 21 zu spenden. Die Stadt fand das nicht lustig - und erstattete Anzeige.

04.05.2012

Von JULIANE BAUMGARTEN

Stuttgar. Viele Stuttgarter mögen doch etwas erstaunt gewesen sein und sich ungläubig die Augen gerieben habe als sie jetzt einen Brief ihres Oberbürgermeisters aus dem Briefkasten gefischt haben. Denn darin bittet Wolfgang Schuster (CDU) um eine kleine Spende für das Milliardenprojekt Stuttgart 21.

In dem Schreiben ist von "völlig überraschenden Mehrkosten" bei S 21 die Rede. Genauer heißt es: "Um nun diese Kosten gerecht umzulegen, hat der Gemeinderat (beschlossen), eine freiwillige Abgabe in Form eines Bahnhofspfennig einzuführen."

Das Logo der Stadt schmückt den Bettelbrief ebenso wie ein Foto des Oberbürgermeisters und dessen Unterschrift. Ein Überweisungsträger liegt dem Schreiben ebenfalls bei. Alles täuschend echt.

Doch das ist es nicht: Der Brief ist eine Fälschung, wenn auch eine gute. Die Bankverbindung stimmt hingegen. Daher hat die Stadt Stuttgart nun Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt. "Wenn jemand die Bürger auffordert, Geld an die Stadt zu überweisen, dann ist das eine ganz üble Geschichte. Da steckt kriminelle Energie dahinter. Da hört der Spaß auf!", sagt Markus Vogt, Sprecher des Oberbürgermeisters.

Aufmerksam wurde die Stadt auf den getürkten Bettelbrief erst durch die Anrufe der Bürger. Die waren teils verunsichert, teils erbost ob der dreisten Forderung. "Viele Anrufer haben sich beschwert, dass sie als Steuerzahler jetzt auch noch für das Projekt spenden sollen", erzählt Vogt. Wie viele Haushalte das Schreiben erhalten haben, ist der Stadt nicht bekannt. Es kann bislang auch kein Schwerpunkt der Verteilung ausgemacht werden. Wer hinter der Aktion steht ist nicht bekannt. Aber auch die Gegner des Bahnprojekts distanzierten sich von solchen Methoden.

Der vermeintliche Witzbold, der die Bettelbriefe verschickt hat, ist aber auch mit dieser Aktion nur ein Nachahmer. Im Namen des OBs war bereits ein gefakter Brief in Umlauf, der recht saftige Mieterhöhungen aufgrund von S 21 verkündete.

Die Stadt Stuttgart hat aber schnell und beherzt reagiert und die Medien verständigt, bevor es noch zu weiteren Verwirrungen kommt. Trotzdem wurden nicht alle Bürger rechtzeitig über den gefälschten Brief aufgeklärt. Denn mittlerweile sind sechs Zahlungen bei der Stadtkasse eingegangen. "Alle Beträge über einen Euro erstatten wir zurück", verspricht Vogt. Allerdings sei die ganze Aktion ein enorm hoher Verwaltungsaufwand.

Ein Stuttgarter hat einen Euro überwiesen, ein anderer drei und ein besonders großzügiger sogar zwanzig Euro. Die anderen Spender werden mit ihrer Gabe mehr die Symbolik im Sinn gehabt haben: So hat einer der Stadtkasse 21 Cent überschrieben. Und zwei ganz besonders korrekte Schwaben haben nur einen einzigen Cent überwiesen - sie haben den Bahnhofspfennig wohl ganz genau genommen.

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Erstellt:
4. Mai 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Mai 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Mai 2012, 12:00 Uhr

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