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Songwriter

Der einsame Wolf als Mutmacher

Ein einziges Konzert gibt Bill Callahan in Deutschland im Berliner Admiralspalast – aber das wird zum Ereignis.

11.10.2019

Von ULRICH RÜDENAUER

Gut ein dutzend Platten hat Bill Callahan seit 1990 als Smog herausgebracht, bis er das Pseudonym nicht mehr brauchte und unter eigenem Namen weitere sechs Alben produzierte. Sein jüngstes „Shepherd in a Sheepskin Vest“ – das erste seit sechs Jahren – ist nicht nur sein längstes (eine Doppel-LP), sondern auch eines der lichtesten und dichtesten, schönsten, tiefsten, und trostreichsten.

Aus dem einsamen Wolf ist ein Familienmensch geworden, was sich in seiner Musik und seinen Texten niederschlägt. „The panic room is now a nursery“ – besser ließe sich die Wandlung kaum ausdrücken als in dieser Zeile aus dem Song „Son Of The Sea“: „Der Panikraum ist nun ein Kinderzimmer.“

Wer aber die reine Idylle erwartet, sollte gewarnt sein. Die Fragen hören nicht auf – etwa die, was aus dem Wünschen wird, wenn man einen Zustand der Gewissheit erreicht hat. Oder die nach dem Tod. Der aber verliert bei Callahan nun allen Schrecken, wird Teil des Gangs durch das „Lonesome Valley“ des Lebens. „Shepherd In A Sheepskin Vest“ ist ein Album, das einen wie ein Mutmacher durch die Untiefen des Alltags begleiten wird.

Intensiv und dringlich

Umso gespannter durfte man sein, wie Bill Callahan seine neuen Songs beim einzigen Deutschlandkonzert in Berlin präsentieren würde. Um es vorwegzunehmen: Es war ein begeisternder Auftritt. Bill Callahan und seine drei Mitmusiker präsentierten die neuen und auch viele ältere Lieder wie etwa „Say Valley Maker“ oder „One Fine Morning“ mit einer Intensität und Dringlichkeit, dass das Publikum im Berliner Admiralspalast am Ende vor Begeisterung stand und minutenlang applaudierte.

Jedes einzelne Stück wurde live ziemlich druckvoll dargeboten, und das obwohl eigentlich eines der wichtigsten Charakteristika von Callahans Musik die Stille ist. Sie bleibt, selbst wenn sein stetig vorantreibendes Fingerpicking auf der Gitarre uns sanft schaukelt und die Band die Schlagzahl erhöht, immer anwesend. Die Melodie oder die Ansätze von Melodie sind immer aus dieser Stille heraus geboren, fast als würde die Sorge zu groß sein, sonst einen Ton oder eine im tiefen Bariton vorgetragene Verszeile zu vergraulen.

Wer Bill Callahan früher schon einmal live erlebt hat, musste sich wundern: Hier steht nicht mehr der grüblerische, in sich selbst versunkene Mann auf der Bühne, sondern ein zugewandter, sogar zu Scherzen aufgelegter Mittfünfziger, dem das Glück ein zu großes Wunder ist, als dass er es achtlos vorbeiziehen ließe. Ulrich Rüdenauer

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Erstellt:
11. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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