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Provokativ, aber anders

Der dritte Roman von Charlotte Roche: "Mädchen für alles"

Helen, Elizabeth und jetzt Christine: Charlotte Roche (37) hat ein neues Buch auf den Markt gebracht. Wieder steht eine Frau im Mittelpunkt.

06.10.2015
  • BRITTA SCHULTEJANS, DPA

Und die hat ein "Mädchen für alles" - so der Titel. Beruhigend ist, dass Roche betont, dass autobiografische Bezüge in diesem Roman weiter hergeholt sind als in den Vorgänger-Büchern. Ansonsten müsste der Leser sich wirklich große Sorgen machen. "Mädchen für alles" ist schockierend düster und brutal geraten, beißend zynisch, schonungslos - und trotzdem, oder gerade deshalb, extrem kurzweilig und unterhaltend.

Die Tragödie ihres eigenen Lebens, die noch die "Schoßgebete" definierte, findet nur in einem kurzen Nebensatz auf Seite 57 statt: "Was mir schon alles geschenkt wurde. ADAC-Sicherheitstraining, nur weil einer Freundin mal die ganze Familie in einem Auto gestorben ist."

Weil diese unglaubliche Tragödie nun nur eine Randnotiz ist, weil Roches Geschichte darin "einer Freundin" passiert ist, ist "Mädchen für alles" trotz aller Düsternis und Brutalität sehr viel leichter als der Vorgänger. Im Stil eines ungebremsten, temporeichen inneren Monologes, den sie auch schon in "Feuchtgebiete" und "Schoßgebete" anwandte, erzählt Roche die Geschichte von Christine, einer Frau, die eigentlich alles hat: Mann, Haus - und neuerdings auch ein Kind.

Doch sie ist unglücklich. Hin und hergerissen zwischen Verachtung für ihren Mann Jörg und dem unbedingten Willen, ihm zu gefallen. Der einzige Lichtblick in ihrem tristen Dasein: US-Serien, nach denen sie regelrecht süchtig ist. Chrissi säuft zuviel, sie kokst und vergisst mal ihr Kind zu Hause. Sie hat heftige Gewaltfantasien und lässt in der Realität hochschwangere Frauen bei einer Party Melonen essen, die bis zum Anschlag mit Wodka vollgesogen sind.

Um Christine, die immer mehr durchzudrehen droht, vom anstrengenden Mutter-Dasein zu entlasten, stellt das Ehepaar die hübsche Studentin Marie als Haushaltshilfe und Babysitterin ein, die sich im Aushang eines Bioladens als "Mädchen für alles" anbietet - und als solches schließlich auch tätig wird.

Christine setzt alles daran, Marie zu verführen. Weil sie scharf ist auf sie, vor allem aber, weil sie ihrem Mann Jörg zuvorkommen und Marie kontrollieren will, die schon bald besser mit Tochter Mila klarkommt als Mutter Chrissi selbst. Der ideologische Überbau für ihre Verführungspläne kommt aus der Serie "House of Cards", in der Kevin Spacey als skrupelloser Politiker sagt: "Ein großer Mann sagte einmal, alles dreht sich um Sex. Außer Sex. Da geht es um Macht."

Es gibt weniger Sex-Szenen als in Roches Vorgänger-Romanen. Die in "Mädchen für alles" wirken aber heftiger, sind eben das erwähnte Machtspiel. "Was Sex angeht, habe ich ja einen Ruf zu verteidigen", sagte Roche dem "Spiegel".

Ihrem Ruf als Provokateurin macht sie aber aus einem anderen Grund alle Ehre: Sie verarbeitet ein Tabu-Thema, das die israelische Studie "Regretting Motherhood" kürzlich auf die Agenda hob: Mütter, die sagen, wie schwer es ist, Mutter zu sein - und vielleicht sogar bereuen, Kinder bekommen zu haben. Ihr Buch habe darum auch eine politische Botschaft, sagt Roche: "Mütter zu animieren, die Wahrheit zu sagen.

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06.10.2015, 12:00 Uhr
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