Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Interview zu Messengerüberwachung

Datensicherheit: „Der blanke Horror“

Sicherheitsforscher Sven Herpig von der Stiftung Neue Verantwortung warnt vor den Folgen schwacher Verschlüsselung. Der ehemalige Mitarbeiter des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik vertritt die Ansicht: Die Sicherheitsbehörden haben bereits genug Daten zur Verfügung.

06.06.2019

Von IGOR STEINLE

Der Berliner Cybersicherheits-Experte Sven Herpig. Foto: SNV

Warum sollten für verschlüsselte Messenger andere Regeln gelten als etwa für SMS?

Sven Herpig: Die Frage sollte lauten, warum Messenger unsicherer gemacht werden sollen, anstatt die anderen Kanäle sicherer zu machen. Diese Messenger sind so programmiert, dass die Betreiber nicht auf die Daten zugreifen können. Die Hersteller müssten die komplette Software umschreiben, um eine Hintertür, also eine Schwachstelle darin zu schaffen. Das führt auch dazu, dass Mitarbeiter der Apps Zugriff auf die Kommunikation der Nutzer haben. Aus der IT-Sicherheitsperspektive ist das alles der blanke Horror.

Ist es nicht verständlich, dass die Polizei nicht im Dunkeln tappen will?

Seit 20 Jahren lautet die Erzählung der Sicherheitsbehörden, Verschlüsselung sei ein Problem. Dabei haben sie seit 20 Jahren Digitalisierung auf mehr Daten Zugriff denn je. Allerdings haben Sie gar keinen Überblick darüber, worauf alles, weil sie das noch nie näher untersucht haben. Deswegen wissen die Behörden auch gar nicht, welche Informationen ihnen fehlen. Trotzdem wollen sie jetzt auch noch auf den letzten verschlüsselten Teil der Kommunikation zugreifen, wodurch auch noch die Computersysteme unsicher würden. Das ist einfach gefährlich.

Das sind die Kriminellen und Terroristen, die sich verschlüsselter Messenger bedienen, aber sicherlich auch.

Beim NSU oder dem Fall Anis Amri sind die Ermittler aber wohl nicht daran gescheitert, dass sie zu wenig Informationen hatten. Sie sind unter anderem an ihrer internen Kommunikation und Zusammenarbeit gescheitert. Ihnen jetzt noch mehr Daten zu geben, damit sie dann trotzdem weiterhin an der eigenen Organisation scheitern, leuchtet mir überhaupt nicht ein.

Wie sollten Ermittler dann operieren?

Die Polizei verfügt über alle möglichen Maßnahmen, von Beschattung über das Abhören der Wohnräume, der unverschlüsselten Kommunikation bis hin zum Staatstrojaner, mit dem Computer und Smartphones noch vor der Verschlüsselung beobachtet werden können. Es gibt überhaupt keinen Nachweis, dass diese bestehenden Möglichkeiten nicht ausreichen. Diesen Nachweis müssten die Sicherheitsbehörden erst führen. Aber das tun sie nicht.

Igor Steinle

Zum Artikel

Erstellt:
6. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Juni 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+