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Pforzheimer Schmuckmanufaktur Wellendorff ist seit 1893 der perfekten Qualität verpflichtet

Der Zwerg in der Luxusklasse

Ihre betuchte Klientel beliefert die Schmuckmanufaktur Wellendorff in Pforzheim seit 1893 mit Pretiosen. Die Kollektion an Ringen und Ketten ist sehr übersichtlich. Statt Massenware gibt es perfekte Qualität.

18.07.2009
  • HANS GEORG FRANK

Fern der Heimat, in der Mormonen-Metropole Salt Lake City, erfuhr Christoph Wellendorff den wahren Wert seiner familieneigenen Schmuckmanufaktur. Design und Wert der Pretiosen aus Pforzheim seien ja in dieser Klasse üblich, dozierte der amerikanische Sammler. "Aber Wellendorff hat eine dritte Dimension etabliert - das Gefühl. " Das Gefühl mit Schmuck ist vor allem einem der Bestseller geschuldet - der Kordel. Dabei handelt es sich um einen Armreif aus vielen Hundert Metern dünner Goldfäden. Die Idee ist Christophs Mutter Eva zu verdanken. Eines schönen Tages verlangte sie von ihrem Mann Hanspeter ein Schmuckstück, das sie an Großmutters schwere Seitenkordeln erinnert. Es musste nicht nur schön sein, es sollte auch weich auf der Haut zu spüren sein. Zwei Jahre mühten sich Goldschmiede ab, ehe sie zufrieden waren. 60 dieser fingerfertigen Handwerker liefern den Nachschub für all jene Kunden, die sich gerne stilvoll schmücken möchten. Manchmal werden am Tag zehn Stücke fertig, mehr als 20 sind es nie. "Massenproduktion? Das können die Chinesen sehr gut ", sagt Christoph Wellendorff. Der Goldschmied bezeichnet sich als "Frontmann " der Firma. Als Leiter des Vertriebs lenkt er mit dem Vater, zuständig für Finanzen, und Bruder Georg, dem Chef der Manufaktur, den Familienbetrieb. Die drei geschäftsführenden Gesellschafter fühlen sich vor allem der Tradition verpflichtet. Den "wahren Werten ", wie sie sagen und werben. Dabei hat gerade Hanspeter Wellendorff (73) seine Branche mit revolutionären Neuerungen verwirrt. 1960, als Goldketten zu Grammpreisen verhökert wurden, scherte Wellendorff aus und entwickelte ein Markenzeichen - ein W mit Brillant. Dieser Ausweis schmückte fortan jedes Schmuckstück und ist mit 200 EUR so teuer wie eine Handvoll 08/15-Ringe. Den Boykott der Juweliere - die keine Eigenproduktion mehr vorgaukeln konnten - und den Umsatzeinbruch um 50 Prozent hat Wellendorff durchgestanden. Auch die Präsentation neuer Kollektionen in Magazinen verstieß gegen die Regeln. Bis dahin wurde vor Messen kein Tuch vom geheimen Schaukasten gezogen. Die Zeit der Aufreger ist vorbei. "Wir sind leise ", sagt Christoph Wellendorff. "Das Laute, Schrille ist unsere Sache nicht ", heißt es auf der Homepage. Unvorstellbar, dass aus dieser Manufaktur ein grellfarbener Ring kommt wie von Piaget, der "Sex on the beach " heißt, so aussieht wie der gleichnamige Cocktail, mit 29 200 EUR nur ein bisschen teurer ist. "Unser Schmuck ist fein ", sagt der Juniorchef. Und die Kollektion ist mit 30 Ringen, 20 Colliers, 10 Armbändern recht übersichtlich. 6 Ringe sind dieses Jahr neu, dazu bedurfte es 500 Zeichnungen und 150 Prototypen. "Unsere Frauen entscheiden ", sagt der Vertriebschef, "wenn der Daumen nach unten geht, schmelzen wir es ein. " Ein zweiter Wellendorff-Klassiker ist ein bunter Ring aus vier verbundenen, dennoch drehbaren Ringen. Zur Geburt des ersten Kindes wollte der Goldschmied seiner Frau "etwas ganz Besonderes " schenken. Das Ergebnis verkörpere "die Idee der Unendlichkeit ". Wer sich mit einem "wahren Wert " aus Pforzheim herausputzen möchte, muss mindestens 2500 EUR berappen, eine Kette namens "Leuchtfeuer " gibt es für 100 900 EUR, edelste Einzelstücke mit Diamanten sind für 200 000 EUR zu haben. Das teuerste Collier ist mit 500 000 EUR ausgezeichnet. "Unsere Kunden sind Menschen, die nicht nur Geld haben, sondern auch einen Sinn für schöne, feine, exklusive Dinge. " Davon scheint es genug zu geben, die Geschäfte laufen bestens. Die erste Berlin-Dependance im KaDeWe ist nicht genug, am 23. Juli folgt eine zweite Nobelboutique im Hotel Adlon. Ob sich der Umsatz auf 30 oder 40 Mio. EUR summiert, ob der jährliche Zuwachs bei 10 oder 20 Prozent liegt, mag Christoph Wellendorff nicht beantworten. Es gibt viele ungleich größere Ausstatter der Schönen und Reichen. Der Pforzheimer Familienbetrieb gilt als "Zwerg in der Luxusklasse ". In der Milliardenliga will Wellendorff gar nicht mitspielen, den Manufakteuren ist die "perfekte Goldschmiedkunst made in Germany " wichtiger. Diese Strategie führte zum Erfolg. "Wir sind die wichtigste deutsche Schmuckmarke", zitiert Christoph Wellendorff ein Ranking von "Capital ". 2019 soll das W mit dem Brillanten auch die "Nummer 1 in Japan und den USA " zieren. Damit diese Vision Wirklichkeit wird, jettet Christoph Wellendorff an gut 180 Tagen um die Welt. Die wichtigsten Partner unter den Juwelieren werden nach Pforzheim eingeladen, diesmal geht"s auch nach Berlin. Ist er mal daheim, widmet er sich der Familie oder mischt im Landesvorstand des CDU-Wirtschaftsrates mit. Bei der Wahl von Christel Augenstein (FDP) zur Oberbürgermeisterin wurde sie 2001 als "bürgerliche Alternative " zum SPD-Amtsinhaber unterstützt. Dieses Jahr hielt sich Wellendorff zurück. "Sie hat nicht mit der gleichen Intensität unseren Rat gesucht ", umschreibt Amateur-Diplomat Wellendorff das abgekühlte Verhältnis. Christel Augenstein hat die Wahl verloren.

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18.07.2009, 12:00 Uhr
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