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Im Wald, da sind die Wiesel

Der Waldkindergarten in Kirchentellinsfurt feiert 10. Geburtstag

Draußen rumtoben, aus einer Palette eine Leiter bauen, die Schafe füttern, Gold aus Sandstein herstellen: Im Waldkindergarten in Kirchentellinsfurt sind immer alle an der frischen Luft. Am Wochenende feiern die „Kleinen Wiesel“ ihren zehnten Geburtstag.

17.05.2011

Von sabine lohr

Kirchentellinsfurt. Es hat was von den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen: Unter dem Vordach eines kleinen Häuschens am Waldrand sitzen kleine, bunt angezogenen Kinder rund um einen niedrigen, einfachen Holztisch. Sie beißen herzhaft in ihre Brote und Äpfel, knabbern an Möhren und unterhalten sich.

Vom Häuschen weg führt ein schmaler Pfad einen Hang hinauf. Dort oben liegen eine Menge Paletten herum, Holzprügel und Holzstückchen, dazu Seile. Zwischen zwei Bäumen baumelt eine Hängematte. Da sehen die drei Spielzeugautos, die jemand auf einem Baumstamm aufgereiht hat, fast schon fehl am Platz aus. Dass sie überhaupt da sind, liegt daran, dass Mittwoch ist. Mittwoch ist Mitbringtag bei den Hermelinen, wie sich die Kindergartengruppe nennt, die dort unten gerade ihr Vesper vertilgt.

Am Mitbringtag gibt es auch im Waldkindergarten fertiges Spielzeug. An den anderen Tagen reicht das aus, was an Material da ist. Gian-Lucca verwandelt eine Palette in eine Leiter, mit deren Hilfe er sich hinter seine Autoschlange setzen kann. Und Hanna nimmt einen Baumstamm als Minibühne, auf der sie fröhlich tanzt. Sie findet es „schön“ im Waldkindergarten. Nur wenn?s regnet und sie dann keine Mütze dabei hat, dann findet sie es nicht so schön.

Dabei ist Regen eigentlich erst im Waldkindergarten richtig klasse. Dann verwandelt sich die steile Abkürzung vom Hang zur Hütte hinunter in eine Rutschbahn und die Hermeline werden zu Dreckspatzen, deren Mütter beim Abholen aufpassen müssen, dass sie nicht aus Versehen das falsche Kind mit nach Hause nehmen. Wird der Regen zu stark oder stürmt es oder ist es einfach zu kalt, dann verziehen sich die Kinder in ihre Hütte oder in ihr Tipi, wo ein Feuer alle wärmt.

Das hört sich alles sehr idyllisch an – und ist es auch, wie Julia Masanneck findet. Ihr sechsjähriger Sohn Nik ist ein Hermelin – und sie selbst im Verein aktiv. Ihre beiden älteren Söhne haben einen Waldkindergarten in Tübingen besucht, was ihnen „supergut gefallen“ habe. „Die Kinder wollen ja Bewegung und sollen viel frische Luft haben“, sagt sie. Als die Familie nach Kirchentellinsfurt zog, war sie froh, dass ihr Jüngster dort auch in einen Waldkindergarten gehen konnte – zu den „Kleinen Wieseln“.

Die gibt es nun seit zehn Jahren. In dieser Zeit hat sich einiges entwickelt. Eine Hütte wurde gebaut, Wege wurden angelegt, Regale gezimmert, ein Holzunterstand geschaffen, ein Tipi aufgestellt (das aber nur im Winter aufgebaut wird) – und eine zweite Gruppe gegründet, weil die Warteliste so lang war.

Für die zweite Gruppe hat der Verein etwas oberhalb des ersten Standorts ein Grundstück von einem Privatmann gepachtet und es kindgerecht gestaltet. Auch dort gibt es ein Tipi, dazu eine Hütte, sogar ein mit Weidenruten umstandenes Klohäuschen und eine eingezäunte Wiese, auf der vier Kamerunschafe weiden.

Inzwischen besuchen 34 Kinder den Waldkindergarten – 17 in jeder Gruppe. „Da dürfen jeweils noch drei Kinder rein“, sagt Masanneck. Auch Kinder aus umliegenden Gemeinden dürfen zu den „Kleinen Wieseln“ und den „Hermelinen“ stoßen. Nach den Sommerferien ist sogar noch mehr Platz, denn viele der Kinder kommen in die Schule. In der sie übrigens, wie Masanneck Vorbehalten entgegentritt, „sehr gut klarkommen“. Höchstens an der Lautstärke im Klassenzimmer stören sich die Kinder – im Wald verteilen sich die Geräusche eben besser.

Der erklärte Lieblingsplatz der Hermeline ist die Hängematte. Eigentlich dürfen immer nur drei Kinder auf einmal rein, aber Erzieher Christian Schubert macht beim Vorlesen auch mal eine Ausnahme. Bild: Metz

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Erstellt:
17. Mai 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Mai 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2011, 12:00 Uhr

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