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Christine Laudenbach über Wahlen und Qualen

Der Wahlkampf wurde nicht mal zur Realsatire

In Kusterdingen können morgen gut 6700 Wähler/innen entscheiden, unter wessen Regie es in den kommenden acht Jahren auf den Härten weitergeht. Eine echte Wahl allerdings haben sie nicht.

14.04.2018
  • lau

Alle vom TAGBLATT Befragten bedauern, dass auch diesmal kein Herausforderer am Horizont auftauchte, der es ernsthaft mit Amtsinhaber Jürgen Soltau aufnehmen kann – oder will. Den beiden Konkurrenten zumindest nimmt niemand ab, tatsächlich Lust aufs Amt zu haben. Markus Vogts Versprechen, die fünf Härtendörfer zwischen Tübingen und Reutlingen mit einer Seilbahn zu verbinden, zog nicht wirklich – ebensowenig wie das von ihm in Aussicht gestellte Bier, das er nach dem Wahlsieg mit jeder und jedem in Kusterdingen trinken will. Bei Dauerkandidatin Fridi Miller winkten die meisten sofort resigniert ab.

Will denn in Kusterdingen außer Soltau niemand wirklich Bürgermeister sein? Vor acht Jahren trat lediglich ein Kandidat gegen den heute 54-Jährigen an, und auch ihm wurden im Vorfeld kaum Chancen eingeräumt. Oder traut sich keiner, den sattelfesten Kommunalpolitiker vom Chef-Sessel zu stoßen? Bei Amtsinhabern mit einer guten Bilanz überlegten es sich ernsthafte Jobanwärter gut, ob sie kandidieren, sagt Kommunalwahlexperte Thomas Schwarz dazu. Nach zwei, drei Niederlagen klebe das Verlierer-Image an der betreffenden Person – und senke massiv die Aussicht, irgendwann irgendwo ins Rathaus einzuziehen.

Und öffnet der Spaßfraktion immer öfter die Türen? Dauerkandidaten gab’s schon immer, stellt Schwarz klar, „angefangen bei Palmer-Senior“. Für eine Studie schaute sich der Leiter des Statistischen Amts der Stadt Stuttgart zwischen 2010 und 2015 fast 900 Ober- und Bürgermeisterwahlen im Land genauer an. Die Zahl derer, die sich nicht wirklich ernsthaft bewerben, habe sich in den vergangenen Jahren nicht merklich verändert, sagt er. Allerdings: Seit Ende der ’90er-Jahre macht man es ihnen nicht mehr ganz so einfach. In Kommunen ab 20000 Einwohnern braucht es, um zur Wahl zugelassen zu werden, eine Unterstützerlistemit den Namen von 50 bis 250 Wahlberechtigten, je nach Größe der Stadt.

In Kusterdingen sind viele, längst jedoch nicht alle genervt von Soltaus Konkurrenz. Zumindest der „totalen Realsatire Vogt“ trauen manche zu, zumindest Protestwähler an die Urne zu kriegen. Einige jedoch haben kaum mitbekommen, wer sich außer Soltau überhaupt bewirbt. Oder dass eine Wahl ansteht. Keiner der Kandidaten ging in den vergangenen Wochen so richtig auf Tuchfühlung mit dem Volk. Markus Vogt sagte Vorort-Termine ganz kurzfristig ab, plakatierte jedoch immerhin – und wurde prompt für „den jungen Soltau mit Hut“ gehalten, wie es heißt. Und Fridi Miller will ohnehin lieber Bundeskanzlerin werden.

Wahlkampf fiel diesmal aus auf den Härten. Auch Soltau trommelte nicht laut für seine kommunalpolitischen Gesprächsabende. Und kaum jemand kam. Alle Beteiligten haben es sich einfach gemacht. Wie der junge Mann mit Hut „so ist“, lässt sich besser einschätzen, wenn man ihm gegenüber steht. Ebenso die Frau, die ihr Gehalt den Bürgern spenden will. Wer sich überhaupt bewirbt, so der Tenor, habe man aus dem TAGBLATT erfahren. Dass sich niemand ins Zeug legt, der es nicht ernst meint, liegt auf der Hand. Aber zumindest eine von der Gemeinde organisierte Vorstellungsrunde hätten die Kusterdinger Wähler verdient gehabt – und sei es nur, um den Status quo einordnen zu können.

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14.04.2018, 01:00 Uhr
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