Gegen B 27-Landschaftsfraß

Der Verein Steinlach mobil hat sich aufgelöst

Verkehrsbehördenbeamte, Bürgermeister, Kommunalpolitiker wurden nervös, wenn sie „Steinlach mobil“ hörten. Der Verein hat über fünfzehn Jahre hinweg in die Debatten rund um die B 27 eingegriffen. Nun hat er sich aufgelöst.

14.02.2013

Von Jürgen Jonas

Nehren. Ein Gläschen Sekt zum Ende. In Nehren traf sich jetzt eine Handvoll Vorstandsmitglieder, um sich selbst abzuschaffen. Der Ausbau der B 27. Endlose Geschichte. Der Verein „Steinlach mobil“ ist ein Kapitel darin, das nun zu einem Abschluss gekommen ist. Im Haus von ALN-Gemeinderat Gerhard Ziersch. Am Montagabend wurde dort die „Bürgerinitiative für Mensch und Natur im Steinlachtal“ aufgelöst. Ohne ihre Ziele zu begraben.

Gegründet wurde der Verein in Nehren in der Wiesbachstube, am 17. Juni 1998, von zahlreichen Bürgern des Steinlachtals, mit kräftiger Unterstützung von Boris Palmer. „Erhaltung und Verbesserung der natürlichen und bebauten Umwelt“, umweltfreundliche Verkehrsplanung, Entlastung der Menschen entlang der Hauptverkehrswege, Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs, das waren einige der Ziele, die die Vereinigung verfolgte. Und durchaus nicht aufgeben will. Doch nicht mehr in dieser Hülle.

„Unsere Akte beim Finanzamt ist jedenfalls geschlossen“, sagt Ziersch leicht melancholisch, wegen kaum noch feststellbarer Aktivitäten. Diskussionsfreude ist noch da. Dußlingen ist untertunnelt. Wie geht es weiter? „Fuchs und Has? am Endelberg geht?s im Moment ganz gut“, sagt Denninger, um die Situation zu beschreiben. Nach fünfzehn Jahren ist man keinen Schritt weiter, was das Planfeststellungsverfahren angeht.

„Steinlach mobil“ trat für die „2 + 2-Lösung“ ein: einen zweispurigen Tunnel unter Ofterdingen für den Fernverkehr, eine zweispurige Strecke oberirdisch für den Quellverkehr. Das haben sie seinerzeit propagiert, mit dem „Kleemann-Gutachten“, zu dessen Finanzierung eine erfolgreiche „Frisch-Luft-Aktie“ ausgegeben wurde. Gegenentwurf zur Endelbergtrasse. „Das ist und bleibt eine landschaftsfressende Maßnahme.“ Einfach nicht zu akzeptieren. Zudem: „Solche Gigantomanie führt nur dazu, dass die Realisierung in den Bereich der Unwahrscheinlichkeit gerückt wird.“ So Dieter Zeller. Es fehlt nämlich bekanntlich allenthalben Geld.

Ganz wichtig: die Regionalstadtbahn! Denn „der Pendlerverkehr sollte natürlich auf die Schiene gelegt werden“. Ulrike Geisel aus Ofterdingen sagt: „Ich wäre schon froh, wenn die Strecke zwischen Tübingen und Hechingen zweispurig würde.“ Jedenfalls: Der ÖPNV hat sehr starken Nachholbedarf.

Viel gemacht wurde schon. Man zeigt sich Bilder, schwelgt in Erinnerung. Demonstrationen, Informationsveranstaltungen, Wanderungen, so zum Farrenberg, um von oben der Menge die verkehrliche Situation im Steinlachtal erläutern zu können. Wie damals die SPD-Bundestagsabgeordnete mitten in der Wiese auf dem frischgemähten Gras ausrutschte und längelang hinschlug! Und Traugott Sautters Bechstein-Fledermäuse halfen, Natur zu erhalten. Wie man es dem Landrat bei einer öffentlichen Diskussion mal so richtig gegeben hat! Denn, natürlich, „wir waren nie Verhinderer, zu denen man uns stempeln wollte“. Sondern an vernünftigen Lösungen interessiert.

Überhaupt kann man sich doch einige Erfolge anrechnen, etwa was die Verbesserung der Radwege angeht. Bei der Pulvermühle zum Beispiel. Jawohl!

Übrig sind, aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, 600 Euro. Angelegt auf einem Sparbuch. Das nun gleichfalls aufgelöst wird. Die Vorstandsmitglieder kommen überein, den Betrag der Mössinger Tafel als Spende zukommen zu lassen. Ende der Formalien. Ziersch tischt als Festmahl gehaltvolle rote Linsensuppe mit Fenchel auf. „Wir haben viel Spaß gehabt in diesem Verein“, heißt es beim Rotwein.

Drei der Vorstandsmitglieder hatten übrigens jeweils drei Töchter, die allesamt mit in den Kampf zogen. Man wird in Verbindung bleiben. Das Schlusswort kündet von Optimismus: „Sobald das Planfeststellungsverfahren kommt, formieren wir uns neu!“

Das waren noch Zeiten! Sonntagsspaziergang mit Kindern aus Protest gegen die Endelbergtrasse, ausgehend von der Wette, im Oktober 2008. Archivbild: Franke

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Erstellt:
14. Februar 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Februar 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2013, 12:00 Uhr

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