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Der Vater des Historikerstreits
Wurde 93 Jahre alt: Ernst Nolte, hier auf einem Bild aus dem Jahr 2002. Foto: afp
Ernst Nolte ist gestorben

Der Vater des Historikerstreits

Darf man den Holocaust mit anderen Gräueltaten vergleichen? Um die Frage kreiste der Historikerstreit. Ernst Nolte, der ihn lostrat, ist jetzt gestorben.

19.08.2016
  • ESTEBAN ENGEL, DPA

Berlin. Es war eine der brisantesten Debatten seit Gründung der Bundesrepublik: Vor 30 Jahren löste der Geschichtswissenschaftler Ernst Nolte den deutschen Historikerstreit aus. Für Empörung sorgte vor allem seine These, die Ermordung der Juden durch Nazi-Deutschland habe ihren Ursprung in den Verbrechen der sowjetischen Kommunisten. Der Professor der Freien Universität Berlin verharmlose die Nazis, lautete damals der Vorwurf. Seine Behauptungen gelten heute als widerlegt. Dennoch hielt Nolte an seinen Thesen fest und isolierte sich in der Fachwelt zunehmend. Am Donnerstag ist er mit 93 Jahren gestorben.

Auslöser des Historikerstreits war 1986 Noltes Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ unter dem Titel „Vergangenheit, die nicht vergehen will“. Hitler sei eine Reaktion auf Lenin gewesen, führte er aus: „War nicht der „Archipel Gulag“ ursprünglicher als „Auschwitz? War nicht der ,Klassenmord' der Bolschewiki das logische und faktische Prius (Vorausgegangene) des ,Rassenmords' der Nationalsozialisten?“ Der Philosoph Jürgen Habermas bezichtigte den Kollegen in der „Zeit“ daraufhin unter dem Titel „Eine Art Schadensabwicklung“ des Revisionismus. Nolte blieb unbeirrt. In einem Interview des „Spiegel“ sagte er 1994, er könne nicht ausschließen, dass die meisten Holocaust-Opfer nicht in den Gaskammern, sondern durch Seuchen und Massenerschießungen getötet wurden.

Trotz der Verwerfungen galt der in Witten an der Ruhr geborene Sohn eines Volksschuldirektors als einer der führenden deutschen Historiker der Nachkriegszeit. Seine Habilitationsschrift „Der Faschismus in seiner Epoche“ (1963) ist noch heute ein Standardwerk. Als einer der ersten warf er die Frage auf, was den Nationalsozialismus ausgelöst hat. Dabei brach er mit der im Kalten Krieg maßgeblichen Totalitarismustheorie, die Kommunismus und Faschismus als Unterdrückungssysteme gleichsetzte. Er erkannte dem Nationalsozialismus eine besondere Qualität als Herrschaftsform zu – als Teil der gesamteuropäischen Geschichte.

Verbittert habe ihn die Auseinandersetzung nicht, sagte er 2006 der Tageszeitung „Die Welt“. Schließlich verstehe er sich streng genommen auch nicht als Historiker, sondern als Geschichtsdenker. „So möchte ich gesehen werden. Und ich glaube, dass mein Lebenswerk, wenn es als Ganzes wahrgenommen wird, diese Bezeichnung rechtfertigt.“

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19.08.2016, 06:00 Uhr
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