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Der Triple-Trainer schreibt seine Münchner Geschichte weiter
Dieses Bild entstand im Juni 2013, als Jupp Heynckes von den Bayern verabschiedet wurde. Der Trainer posierte mit den Trophäen, die er mit dem Klub gewonnen hatte. Jetzt kehrt er zurück. Foto: afp
FC Bayern

Der Triple-Trainer schreibt seine Münchner Geschichte weiter

Jupp Heynckes (72) schlüpft beim Rekordmeister einmal mehr in die Rolle des routinierten Retters. Er muss das Feld für seinen Nachfolger bereiten.

06.10.2017
  • RAIMUND HINKO

München. Auch wenn er zuletzt auf seinem luxuriösen Bauernhof „Casa de Gatos“, dem Haus der Katzen, im niederrheinischen Schwalmtal die Rosen Rosen sein ließ, lieber seine Lieblingsäpfel pflückte, acht Sorten davon – die wahre Ernte will Jupp Heynckes ab sofort wieder bei Bayern München einfahren. Vier Jahre nach seinem eigentlichen Rücktritt als Trainer. Heynckes, der Routinier, ist 72 Jahre alt. Er fühlt sich topfit.

Die Bayern warten schon auf ihn, freuen sich nach der eher gemütlich anmutenden Ancelotti-Ära auf frischen Wind. Mehr als die halbe Mannschaft aus dem Champions-League-Finale von 2013, dem 2:1 gegen Borussia Dortmund, ist noch da: Manuel Neuer, David Alaba, Jerome Boateng, Javier Martinez, Franck Ribéry, Thomas Müller.

Heynckes' Aufgabe wird es sein, den kriselnden Alaba wieder aus der Feierlaune heraus in den Wettkampfmodus zu führen, er muss Müller wieder das alte Selbstvertrauen einimpfen. Er, der auch ein riesengroßer Sturkopf sein kann, hat nicht vergessen, dass Robben im wichtigsten aller Spiele das Siegtor geschossen hat. Der 33-jährige braucht nicht mehr zu bangen, dass er aussortiert wird. Im Gegenteil – mit seinem Trainingseifer soll er die Jungen mitreißen. Und auch die spanische Fraktion innerhalb der Mannschaft.

Den Kontakt zu Real Madrid, wo er 1998 seinen ersten Champions-League-Sieg feierte, hat Heynckes nie verloren. Der Torjäger aus glorreichen Gladbacher Zeiten weiß genau, warum der Kolumbianer James Rodriguez, Torschützenkönig der WM 2014, seine Gefährlichkeit verloren hat. Mit all den Spaniern und Latinos bei Bayern – Martinez, Vidal, Bernat, Rafinha, Thiago, Vidal, James – kann Heynckes Spanisch sprechen, da er die Sprache in einem Gewaltakt gelernt hat.

Knochenhart und energisch

Es war 1992, als Heynckes überraschend bei Athetic Bilbao anheuerte. Jeden Nachmittag kam für drei Stunden die Spanisch- Lehrerin in die Wohnung mit oft tristem Meerblick auf den verregneten Hafen. In jeder Minute seiner Freizeit büffelte Heynckes mit seiner Frau Iris knochenhart Vokabeln. Die Spieler staunten, wie Heynckes zunächst mit den Worten rang, nach nur vier Monaten jedoch ausführlich sprechen konnte. Sportliche Erfolge, in Form von Uefa-Cup-Teilnahmen, machten ihn in der baskischen Metropole zum Helden.

Was immer sich Heynckes im Leben erkämpfte, das verlangte er auch von den Spielern. Als es 1991 nach zwei Meisterschaften bei Bayern gar nicht mehr laufen wollte, legte er sich in einer Mannschaftssitzung mit Stefan Effenberg an. Der streitbare Mittelfeld-Stratege stand auf, bot Heynckes an: „Wollen wir rausgehen? Es vor der Tür austragen?“

Umso überraschter war Heynckes, als Effenberg mit seinem dänischen Freund und Teamkollegen Brian Laudrup am 8. Oktober 1991, am Tag seiner Entlassung, abends vor der Haustür stand. Die beiden hatten zwei Flaschen Brunello di Montalcino mitgebracht, den toskanischen Edelrotwein. Es wurde schon wieder hell, als sich die beiden frühmorgens verabschiedeten, voller Hochachtung für Heynckes. Effenberg hatte sich für sein raubeiniges Verhalten entschuldigt.

Mit Bayerns Präsident Uli Hoeneß verbindet Heynckes eine tiefe Freundschaft. Fast ein Dutzend Mal haben die zwei ihren Urlaub gemeinsam in einer Nobelherberge im südfranzösischen Cap Antibes verbracht. Dort wuchsen sie zusammen, nachdem Hoeneß ein schlechtes Gewissen plagte, weil er Heynckes 1991 entlassen musste („Der größte Fehler meiner Manager-Laufbahn.“).

Im Duett mit Hoeneß

Heynckes hatte stets seinen eigenen Kopf. Auch als die beiden im Frühjahr 1991 in Brasilien auf Spielersuche gingen und mit Bernardo und Mazinho zurückkehrten. Später erzählte der Trainer im kleinen Kreis, dass er diese Spieler gar nicht wollte, dass Hoeneß aber gedrängt habe, weil er nicht mit leeren Händen zurückkommen mochte.

So sauertöpfisch Heynckes manchmal auch dreinschauen mag, so locker wird er im geselligen Kreis. Man kann ihn laut lachen hören. Aber wehe, wenn sich Spieler hängen lassen, dann gibt es keine Altersmilde.

Pep Guardiola, der ihn 2013 in München ablöste, fand eine weitgehend intakte Mannschaft vor. Der katalanische Taktikfuchs konnte aufbauen auf dem, was der Triple-Sieger hinterlassen hatte.

Heynckes wird bei seinem vierten Gastspiel bei Bayern eingebunden, wenn es im Frühjahr 2018 um seine Nachfolge geht. Möchte er noch ein Jahr dran hängen, wird auch der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge kein Veto einlegen. Vor allem dann nicht, wenn die Fans wieder „Juppjuppjupp“ skandieren. Sprechchöre, die nicht mal Guardiola zu hören bekam.

Heynckes wird auch einen Tipp geben, ob nun Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel, Jürgen Klopp oder gar Matthias Sammer am geeignesten für die Nachfolge sind. Er weiß aus der Vergangenheit, wie nervenaufreibend der Job auf der Bayern-Bank ist, wie sehr er den Menschen aushöhlt. Deshalb wird er rechtzeitig wieder Platz machen für einen wesentlich Jüngeren. Es warten ja wieder die Rosen, die Äpfel, der Hund und die Katzen.

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06.10.2017, 06:00 Uhr
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