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Ingrid Geiger aus Kiebingen lebt ihn in einem mexikanischen Bergdorf mit ihren zwei Kindern

Der Traum vom einfachen Leben

Ingrid Geiger stammt aus einem Kiebinger Gartenbaubetrieb. Seit drei Jahren lebt die alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern in einem mexikanischen Bergdorf und baut eine Montessori-Schule auf.

21.07.2009
  • Ulrich Eisele

Abenteuerlustig sei sie eigentlich schon von Jung an gewesen, sagt die 36-Jährige: „Ich war schon immer gern unterwegs – auch schon vor den Kindern.“ Nach der Schule wies jedoch noch nichts auf einen künftig internationalen Lebenslauf hin. In der Region unterm Albtrauf lernte Ingrid Geiger Erzieherin und war anschließend in einem Rottenburger Kindergarten tätig. Mit einer Zusatzausbildung in Englisch für Kinder verbesserte sie nach ein paar Jahren ihre Eignung für einen Auslands-Aufenthalt.

„Irgendwann habe ich mich dann entschieden, noch das internationale Montessori-Diplom zumachen.“ An der von Maria Montessori 1907 begründeten Reformpädagogik faszinierte sie der ganzheitliche Ansatz, bei dem die Persönlichkeit des Kindes im Mittelpunkt steht. Montessori-Schulen gibt es in der ganzen Welt – auch in Mexiko.

Dort zog Ingrid Geiger vor drei Jahren hin – zunächst in eine ungewisse berufliche Zukunft. Den Tipp, in einem privaten mexikanischen Montessori-Kindergarten in den Bergen, drei Autostunden südlich von Mexico-City, zu arbeiten, habe sie von einer Bekannten bekommen. Die Entscheidung sei ihr – obwohl alleinerziehende Mutter von zwei damals erst zwei und sechs Jahre alten Kindern – nicht schwer gefallen, behauptet Ingrid Geiger: „Weil ich mich langsam daran gewöhnen konnte. Ich habe mir immer gesagt, ich bleibe nur, so lange es meinen Kindern und mir dort gut geht.“

Das war bis jetzt anscheinend der Fall. Chalmita, das mexikanische Bergdorf, in dem sie lebt, ist in gewisser Weise „ein Traum“ für sie geblieben. „Es ist unglaublich schön dort“, schwärmt sie von der Natur und den Pflanzen, die dort wachsen. Von den freundlichen Dorfbewohnern. Ingrid Geiger hilft dort einer privaten Elterninitiative beim Aufbau einer Montessori-Schule und eines Montessori-Kindergartens.

Bisher sei sie vorwiegend als Kindergärtnerin und Englisch-Lehrerin beschäftigt gewesen, erzählt sie. Viele der Eltern würden im nahe gelegenen Wallfahrtsort Chalma als Händler oder Handwerker arbeiten. Bei ihnen stünden Bildung und besonders Fremdsprachenkenntnisse hoch im Kurs, da sie ihren Kindern einen möglichst guten Start ins Leben verschaffen wollten.

Das bedeute aber nicht, dass diese Leute reich seien. „Nur drei oder vier Familien zahlen Schulgeld“, berichtet Ingrid Geiger. Viele würden ihre Schulden durch Putz- und andere Dienste an der Schule abarbeiten. Auch bei der Verpflegung der Kinder sei Elterninitiative gefragt. „Die Eltern bringen Bohnen und Gemüse mit, das sie in der Schule zubereiten. Wir achten besonders auf gesunde Ernährung.“

An ihrem Leben in Mexiko schätzt Ingrid Geiger vor allem, dass es „einfacher“ und „weniger hektisch“ als das in Deutschland ist. Das entschädige sie für manche Unbequemlichkeit. Zum Beispiel, dass nicht immer fließendes Wasser oder Strom verfügbar sind. Auch ihren Verdienst schildert Ingrid Geiger nicht als besonders hoch. Doch mangele es ihr und ihren Kindern an nichts. Frisches Gemüse – „alles Bio“ – beziehe sie von einer nahe gelegenen Farm, auf Fleisch verzichte sie als überzeugter Vegetarierin gerne.

So ist Chalmita für sie bis heute ein kleines Paradies geblieben – nicht typisch für die mexikanische Gesellschaft. Nach Mexico-City fahre sie „nur, wenn ich unbedingt muss“, erklärt Ingrid Geiger, „für einen Behördengang, oder, wenn ich etwas einkaufen muss.“

Zur Integration trägt auch bei, dass ihr Sohn, mittlerweile neun, in einer Jugend-Fußballmannschaft mitspielt, die von einem ehemaligen Nationalspieler trainiert wird. Alfonso Perez tue dies aus Idealismus, er hole Jugendliche von der Straße, um ihnen sinnvolle Ziele zu setzen, sagt Ingrid Geiger. Und: Für viele von ihnen sei der Traum von Profi-Fußballer das Gleiche wie für gleichaltrige Deutsche der vom „Superstar“.

Bei den Spielen hat Ingrid Geiger ein merkwürdiges Phänomen beobachtet: Beim Spielerwechsel tauschen die Jugendlichen zugleich ihre Fußballtrikots aus. Um diesem Mangel abzuhelfen, hat sich Ingrid Geiger an einen Rottenburger Bekannten gewandt: Lothar Mayer, Fußballlehrer aus Bieringen, Veranstalter der Fußball-Sommercamps des FCR. Er sammle seitdem überzählige Fußballschuhe und Trikots und schicke sie nach Mexiko. „Sie können sich nicht vorstellen“, strahlt Ingrid Geiger, „wie die Kinder sich über diese Sachen freuen.“ Das sei für sie selbst die größte Freude.

Info

Infos zur Sammelaktion für gebrauchte Fußballsachen unter www.talententwicklung.de

Der Traum vom einfachen Leben
Die 36-jährige Ingrid Geiger ist Kindergärtnerin und Montessori-Lehrerin. Sie lebt mit ihren zwei Kindern in einem mexikanischen Bergdorf. Bild: FadenDie 36-jährige Ingrid Geiger ist Kindergärtnerin und Montessori-Lehrerin. Sie lebt mit ihren zwei Kindern in einem mexikanischen Bergdorf. Bild: Faden

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21.07.2009, 12:00 Uhr
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