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Der Traum vom Starkicker
Die Profis von morgen? Um diesem Ziel näherzukommen, trainiert das U-12-Team des VfB dreimal die Woche. Foto: Ferdinando Iannone
VfB Stuttgart

Der Traum vom Starkicker

Eines Tages Fußballprofi sein – das will wohl jeder im U-12-Team des VfB Stuttgart. Doch nur wenige schaffen am Ende tatsächlich den Sprung.

12.07.2018
  • NADJA OTTERBACH

Stuttgart. Neymar, Kane, Mbappé: Die ganze Welt blickt auf die Fußballstars, und wer selbst eines Tages Weltmeister werden möchte, guckt noch ein bisschen genauer hin. Die U 12 des VfB Stuttgart ist da keine Ausnahme. Während die WM-Stars um den Titel kämpfen, trainieren die Elf- und Zwölfjährigen eisern auf dem Weg in die Profi-Liga.

Ein Dienstagabend im Juni: Die Sonne brennt auf das Übungsgelände des VfB Stuttgart in Cannstatt. Pünktlich auf die Minute kommt die U 12 auf den Platz und startet mit dem Training. Hochmotivierte Jungs präsentieren sich hier, fit, flink und auch ein bisschen stolz. Wenn Cheftrainer Andreas Weinberger eine Ansage macht, kann er sich der Aufmerksamkeit aller sicher sein. Die Elf- und Zwölfjährigen lauschen konzentriert, und auch wenn der Schweiß in Strömen fließt, beißen sie die Zähne zusammen. Statt über die Hitze zu jammern, schütten sie sich zwischendurch einfach eine Flasche Wasser über den Kopf.

In Hugos Leben spielt der VfB die Hauptrolle. Dreimal die Woche lässt sich der Zwölfjährige aus Rommelshausen bei Fellbach im Rems-Murr-Kreis von seinem Vater zum Training fahren, an den Wochenenden geht's zu Spielen. Auch ein Teil der Schulferien ist für den Fußball reserviert. Hugo ist die zweite Saison beim VfB und sagt: „Das ist schon wichtig für mich. Es macht sehr viel Spaß, hier zu spielen.“

Hugo wurde in Waiblingen entdeckt und zum Probetraining eingeladen. Weil er seinen Platz im Kader unbedingt behalten will, nimmt er die Ratschläge der Trainer und Betreuer ernst, bis hin zur Ernährung. „Wir dürfen schon mal was Süßes essen“, sagt er, fügt aber schnell hinzu, dass er Obst und Gemüse bevorzuge.

Lauri aus Stuttgart-Sillenbuch schüttelt sein nasses Haar. Der Elfjährige trainierte anfangs nur einmal die Woche mit dem VfB und blieb in seiner alten Mannschaft. „Dann habe ich einen guten Freund hier gefunden und doch gewechselt“, erzählt er. Zeit für Freundschaften außerhalb des Teams haben die Kinder wenig. „Aber wenn wir für die Schule lernen müssen, können wir freinehmen“, sagt Lauri. Ob er Profi werden möchte? „Nein, Weltfußballer!“ Sein Blick bleibt ernst. Und aus seinem Mund klingen die Worte nicht wie ein unerreichbarer Bubentraum.

Ob auf die Jungen eine Zukunft als Profis wartet, ist freilich noch nicht abzusehen. Zweimal im Jahr führen Trainer, Spieler und Eltern ein Entwicklungsgespräch. Manchmal fließen dabei Tränen, wenn der Sprung in die nächste Saison nicht gelingt. Knappe Entscheidungen seien das oft, sagt Trainer Weinberger. Je älter die Spieler würden, desto mehr Konkurrenten gebe es. „Das Einzugsgebiet vergrößert sich.“ Für Jugendliche, deren Familien nicht im Ländle wohnen, bietet der VfB nicht nur Schlafplätze, sondern eine Rundum-Betreuung in der Jugendakademie, im Internat oder in Gastfamilien.

Statistisch gesehen, sagt Weinberger, werden es aus der jetzigen U 12 später nur drei oder vier Spieler in die U 19 schaffen. Ein bis zwei Spieler pro Jahrgang, schätzt er, sehe man in der Lizenz-Liga. „Wir versuchen, vorzuleben, dass es auch andere Dinge gibt als Fußball“, sagt der 33-Jährige, der mehrfach betont, dass die Schule an erster Stelle stehe. „Wir bilden nicht nur knallhart Profis aus, sondern achten darauf, dass die Kinder sich auch persönlich weiterentwickeln.“ Natürlich werde niemand aufgrund schlechter Noten aus dem Team geworfen, aber Ziel sei es eben, die Kinder auch über den Tellerrand blicken zu lassen.

Der Stuttgarter Tim Schulz ist einer von zwei Torhütern bei der U 12 und wie die meisten Gymnasiast. Er freut sich über die Unterstützung seiner Familie. Sein Vater, der ihn nach Cannstatt gefahren hat, ist beim Training nicht dabei. Er verbringt die zwei Stunden mit den anderen Eltern wartend im Schatten hinterm Clubheim. Man kennt sich, tauscht sich aus.

Ja, natürlich seien sie stolz auf ihre Söhne, sagen die Männer. Und doch sei es kein Vatertraum, der hier gelebt werde. „Der will das selbst“, sagt Martin Schulz, Vater von Tim. Halb so wild sei das alles, durchgetaktete Woche hin oder her. „Der isst auch mal Nutella und findet Zeit, um Playstation zu spielen.“

Auch wenn es nur wenige ins Profigeschäft schaffen, die Jungs der U 12 verschwenden keinen Gedanken an die Statistik. Gibt es einen Plan B, wenn‘s nix wird mit dem Kicken? „Nö“, sagt Tim und sieht dabei so ernst aus, wie nur einer aussehen kann, der weiß, was er kann. Khedira, Gomez und Werner haben ihre Karriere schließlich auch bei der VfB-Jugend begonnen. Man kann nie wissen.

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12.07.2018, 06:00 Uhr
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