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Fernsehen

„Der Tod ärgert mich“

In ihrer neuen Rolle spielt Iris Berben eine Frau, deren Ende naht. Die 69-jährige Schauspielerin selbst strotzt vor Lebensfreude.

17.09.2019

Von MARTIN WEBER

Iris Berben ist seit Jahrzehnten im Filmgeschäft. Foto: Jens Kalaene/dpa

Berlin. Sie gehört zu Deutschlands populärsten Schauspielerinnen und glänzt regelmäßig in anspruchsvollen Charakterrollen: Iris Berben (69) verkörpert im TV-Drama „Hanne“ nun eine Frau am Scheideweg. Nachdem sie die Nachricht erhalten hat, dass sie möglicherweise todkrank ist, verbringt sie ohne Plan ein Wochenende in einer fremden Stadt – und hat Begegnungen, zu denen es sonst nie gekommen wäre.

Frau Berben, im TV-Drama „Hanne“ spielen Sie eine Frau, die möglicherweise bald sterben muss und sich noch einmal voll ins Leben stürzt. Eine nachvollziehbare Reaktion?

Iris Berben Für mich persönlich ist das eine nachvollziehbare Reaktion, aber das kann man natürlich nicht verallgemeinern. Wir sind ja alle so unterschiedlich gestrickt in unseren Gefühlen und in dem Maß, in dem wir am Leben hängen. Ich würde mir wünschen, diese Souveränität zu haben, wie sie Hanne hat, wenn mir ein Arzt sagen würde, dass ich möglicherweise todkrank bin. Ich finde es bewundernswert, wie sie die Situation annimmt und sich in gewissem Sinne auch treiben lässt, ohne jetzt zu glauben, sie müsste noch möglichst viel regeln oder abarbeiten.

Würden Sie es auch so machen?

Das ist natürlich eine hypothetische Frage, man weiß es nicht. Ich bin ja in einem Alter, in dem man sich natürlich immer mal wieder über die Endlichkeit Gedanken macht, und ich könnte mir zumindest vorstellen, dass ich ähnlich mit der Situation umgehen würde wie Hanne – also schauen, was noch möglich ist und was sich noch ergibt. Das Spannende an unserem Film ist ja auch, dass Hanne noch gar nicht genau weiß, wie die Diagnose letztlich ausfallen wird.

Stichwort Endlichkeit: Verleiht vielleicht erst der Tod dem Leben seinen Sinn, wie manche Philosophen sagen?

Nee, das würde ich nicht unterstreichen, dafür lebe ich viel zu gerne (lacht). Der Tod ärgert mich, wenn ich ehrlich sein soll, ich will ihn nicht haben, er soll nicht um mich herum sein – und ich habe ihn in den vergangenen Jahren oft um mich herum gehabt. Ich habe Freunde verloren, Kollegen sind gestorben. Ich liebe das Leben mit allem, was dazu gehört. Es ist doch ungeheuer spannend, dass wir in diesem Universum ein paar Jahre haben, die wir mit unseren Möglichkeiten gestalten können. Ich ärgere mich, dass irgendwann der Sensenmann ums Eck kommt und alles vorbei ist.

Aber ist es nicht auch so, dass wir das Leben umso mehr zu schätzen wissen, wenn wir uns bewusst sind, dass es endlich ist?

Ja, natürlich. Das Wissen, dass wir nur eine begrenzte Zeit haben, macht uns klar, dass wir unsere Möglichkeiten ergreifen müssen. Wenn wir unsterblich wären, hätten wir gar nicht die Chance, das Leben so tief zu empfinden.

Denken Sie oft an den Tod?

Oft nicht, aber er ist schon ein Begleiter, der sich immer mal meldet – und je nachdem, in welcher Verfassung ich gerade bin, gehe ich damit um.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber Angst davor, nicht mehr dabei zu sein – nicht als Schauspielerin, sondern einfach als Mensch. Gerade die letzten zwanzig, dreißig Jahre waren doch sehr spannend, was es da alles an technischen oder medizinischen Entwicklungen gegeben hat. Ich bin schon neugierig, wie es weitergeht, wie die Menschheit auch mit neuen Herausforderungen umgeht. Das alles würde ich gerne noch eine Weile miterleben.

Im Film geht es nicht nur um den Tod, sondern ganz wesentlich um die Frage, wie man richtig lebt. Was macht für Sie das richtige Leben aus?

Ich glaube, die Fähigkeit, nicht alles für selbstverständlich zu nehmen und mit offenen Augen und offenem Geist durchs Leben zu gehen. Das Leben bietet uns so viel an Möglichkeiten an: ob es die Natur ist, ob es Freundschaften sind oder die Geburt eines Menschen. Es gibt so viele Momente, die das Leben lebenswert machen. Wir strampeln und suchen, sind permanent gefordert, haben eine so schöne, aufregende Welt. Es gibt viel Schönes in diesem Leben.

Info „Hanne“, am Mittwoch, 18. September, 20.15 Uhr. in der ARD.

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Erstellt:
17. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. September 2019, 06:00 Uhr

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