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Nordirland

Der Terror kehrt zurück

Brennende Autos und Molotowcocktails: Bei schweren Ausschreitungen in Londonderry stirbt eine Journalistin.

20.04.2019

Von Hendrik Bebber

Londonderry. Bei Straßenkämpfen zwischen einer neuen Terrorgruppe und der Polizei ist eine junge Journalistin in Nordirland erschossen worden. Die 29-jährige Reporterin Lyra McKee berichtete über eine Razzia, die die Polizei in dem katholischen Stadtteil Derrys durchführte.

Die Sicherheitskräfte suchten dabei nach Waffen, weil sie befürchteten, dass diese bei einem Zusammenstoß zwischen den Katholiken und Protestanten während des traditionellen Ostermarsches eingesetzt werden. Die Katholiken gedenken damit jedes Jahr des Osteraufstandes in Dublin, der 1916 den Unabhängigkeitskampf gegen die britische Kolonialmacht einleitete. Die Protestanten, bei denen die Stadt Londonderry heißt, empfinden dies als Provokation, da sie sich als loyale Untertanen der britischen Krone betrachten und eine Wiedervereinigung mit der Republik Irland ablehnen.

Als die Polizisten mit den Hausdurchsuchungen begannen, rotteten sich vorwiegend junge Leute auf der Straße zusammen und warfen Molotowcocktails und Steine. Zwei Autos wurden in Brand gesteckt. Plötzlich erschien ein maskierter Mann und begann mit einer Schnellfeuerwaffe auf die Polizeifahrzeuge zuschießen. Dabei wurde die Reporterin von mehreren Schüssen getroffen und starb beim Transport ins Krankenhaus.

Hauptgegner der Armee

Der stellvertretende Polizeichef Mark Hamilton vermutet, dass die „Neue IRA“ hinter diesem Terrorakt steckt. Es handelt sich dabei um eine Gruppe, die sich nach dem Friedensprozess von der IRA abgespaltet hatte, um weiter für die Wiedervereinigung Irlands zu kämpfen. Die Hauptorganisation, welche seit 1965 in dem nordirischen Bürgerkrieg der Hauptgegner der britischen Armee war, verkündete 1998 im Rahmen des Karfreitagsabkommens einen Waffenstillstand und löste sich 2007 offiziell auf.

Die Zahl der Scharfmacher, die in den IRA-Splittergruppen gelegentlich den alten Terror wieder aufflammen lassen, wird auf etwa 100 aktive Mitglieder geschätzt. Die „Neue IRA“ soll hinter den Briefbomben stecken, die dieses Jahr an Londoner Bahnhöfe und den Flughafen Heathrow geschickt wurden, aber vor der Detonation entschärft werden konnten. 2016 soll ein paramilitärisches Kommando drei Mordanschläge in dem katholischen Teil Belfasts durchgeführt und einen Mann erschossen haben. In diesem Januar gingen in Londonderry zwei mit Sprengstoff gefüllte Autos hoch.

Die Vertreter der protestantischen und katholischen Parteien haben den Terror und den Mord an der Journalistin scharf verurteilt. Der nordirische Polizeichef George Hamilton hatte wiederholt davor gewarnt, dass ein ungeregelter Brexit mit einer harten Grenze zur irischen Republik eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit sei.

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Erstellt:
20. April 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. April 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. April 2019, 06:00 Uhr

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