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Kampfjet stört Nachbarn

Der Starfighter ist für Unternehmer Hartmut Rehorsch ein Kultobjekt

Wenn Jürgen Hörrmann morgens aufwacht und aus dem Fenster blickt, sieht er als Erstes einen Kampfjet. Der Starfighter steht seit Gründonnerstag auf dem Dach der Firma Merkle Schweißgeräte in Zuffenhausen.

11.04.2013

Von KARLA SCHAIRER

Stuttgart Hartmut Rehorsch, der Geschäftsführer der Firma Merkle Schweißgeräte in Zuffenhausen, sieht in seinem Starfighter ein Kultobjekt - für Jürgen Hörrmann und weitere Bewohner der nahen Rütlistraße ist es ein Kriegsgerät. "Kein Mensch sieht darin einen Kampfjet", glaubt Rehorsch. Der Starfighter des Typs F 104 G sei unter deutschem Kennzeichen nie im Kriegseinsatz gewesen. Seine Aufgabe war lediglich aufklärender Art. Dennoch verloren 116 Piloten in einem Flugzeug dieses Typs ihr Leben. Der von Luftwaffe und Marine geflogene Jet bekam deshalb Spitznamen wie Witwenmacher oder Sargfighter. Die Hydraulik, die Elektronik und das Triebwerk machten Probleme.

Rehorsch sieht den Jet deshalb auch als Denkmal für die verstorbenen Piloten, von denen ihm einige persönlich bekannt sind. Der 56-Jährige ist selbst leidenschaftlicher Pilot, machte vor 30 Jahren die Ausbildung zum Instrumentenflugpilot und war bei der Bundeswehr. Einen Starfighter hat er aber nie geflogen. Heute steuert er regelmäßig die firmeneigene Maschine, eine Mooney. Ein weiterer Grund für Rehorschs Starfighter-Begeisterung ist, dass in der Maschine auch Teile der Firma Merkle verbaut sind.

Beim Baurechtsamt hat er schon vor über einem Jahr angefragt. "Es kam nichts zurück. Ich habe das als stillschweigende Zustimmung gedeutet", sagt er. Die knapp 50 Jahre alte Maschine der Firma Lockheed flog früher bei den Marinefliegern in Nörvenich.

Der Unternehmer erwarb sie von einem Bekannten für eine sechsstellige Summe. In 800 Arbeitsstunden restaurierten Rehorsch, seine Mitarbeiter und Flugzeugwarte den vier Tonnen schweren Flieger. "Wir haben ihn komplett entmilitarisiert", sagt Rehorsch. Das Triebwerk und weitere Teile bauten die Männer aus.

Die Anwohner um Jürgen Hörrmann haben sich mit einem Brief an den Bezirksvorsteher gewandt. Hörrmann wäre es am liebsten "dass das Ding wegkommt". Aber er möchte zunächst alle rechtlichen Fragen klären. "Wir haben schon öfter Dinge mit Herrn Rehorsch ausgefochten", sagt er. Der Anwohner findet es alles andere als sensibel, den Jet ausgerechnet an Ostern aufzustellen, wo überall für den Frieden aufgestanden werde. "Das ist eine reine Machtdemonstration von Herrn Rehorsch", glaubt er. "Er will uns zeigen, dass er machen kann, was er will."

Das Baurechtsamt hat mit Rehorsch Kontakt aufgenommen. "Bei dem Starfighter handelt es sich um eine genehmigungspflichtige Änderung des Gebäudes", erklärt Baurechtsamtleiterin Kirsten Rickes. "Es fällt nicht unter den Begriff Denkmal." Warum Rehorschs Anfrage damals nicht beantwortet wurde, kann sie sich nicht genau erklären.

Dem Amt liegen mittlerweile Fotos und Pläne vor. Wenn der Starfighter die zulässige Gebäudehöhe überschreitet, sei er nicht automatisch abgelehnt. "Wir müssen prüfen, ob es Verstöße gegen den Bebauungsplan gibt und ob man in diesem Fall eine Ausnahme machen kann", sagt Rickes. In einem Anhörungsverfahren sollen auch die Nachbarn zu Wort kommen, dann könnte eventuell eine nachträgliche Baugenehmigung erteilt werden.

Für Hartmut Rehorsch ist der Starfighter Kult. Die Maschine setzte er auf das Dach seiner Firma in Zuffenhausen - sehr zum Ärger der Nachbarn. Foto: Karla Schairer

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Erstellt:
11. April 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
11. April 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. April 2013, 12:00 Uhr

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