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Hand-Werk

Der Stamm ist Programm

Wer das Ofterdinger Unternehmen Naturhaus Lanz damit beauftragt, ein Haus zu konstruieren, der bekommt ein Eigenheim komplett aus Holz: Die Blockhausbauer errichten Naturstammhäuser – individuell und ganz und gar nicht von der Stange.

17.04.2020

Von Amancay Kappeller|Fotos: Unternehmen

Um ein Einfamilienhaus mit der Größe von acht auf zehn Metern in Blockbauweise zu errichten, braucht man 30 bis 40 Baumstämme, erklärt Olaf Lanz, Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens „Naturhaus Lanz“ mit Sitz in Ofterdingen. Der 49-Jährige hat die Firma, die sich mittlerweile im Gewerbegebiet befindet, 2001 gegründet. Lanz kommt ursprünglich aus Ravensburg und ist von Beruf gelernter Zimmermann. In seiner Zeit als Geselle in den Schweizer Bergen machte er zum ersten Mal Bekanntschaft mit Naturstammhäusern. Die Faszination für diese Art von Haus ließ Lanz seitdem nicht mehr los. „Es war schon immer ein Traum von mir, in einem Blockhaus zu wohnen“, blickt er zurück. Diesen Traum verwirklichte sich Lanz dann auch: In Gomaringen baute er sein eigenes Wohnhaus als Blockhaus auf – damals so ziemlich das erste im Umkreis. Durch den eigenen Hausbau kam er auch in die Selbständigkeit. „Wenn man das ein Mal gemacht hat, hört man nicht mehr damit auf“, schwärmt Lanz von der täglichen Arbeit mit dem Werkstoff Holz.

Das erste von ihm im Auftrag errichtete Blockhaus steht bei Titisee-Neustadt. In Schwäbisch-Gmünd steht ein Kubus ohne Dachüberhang, in Tuttlingen ein Haus mit sehr vielen markanten Stämmen, erzählt Lanz – und in Kassel ein recht großes mit 14 auf 26 Metern. Die Gesamtkosten für ein Wohn-Blockhaus liegen etwa gleich wie bei einem hochwertig gemauerten Steinhaus, sagt Olaf Lanz. Die Leute bauen eher wieder kleiner, weiß der 49-Jährige – auch wegen des in vielen Landstrichen spürbaren Mangels an bezahlbaren Bauplätzen. Unlängst hat Naturhaus Lanz in Ofterdingen das erste Blockhaus errichtet.

In einem Naturstammhaus ist die Luftfeuchtigkeit das ganze Jahr über stabil. Und im Winter ist es angenehm warm und im Sommer angenehm kühl.

Das Holz, das in Ofterdingen verarbeitet wird, kommt aus dem Schwarzwald und von der Schwäbischen Alb. Vorwiegend wird Tanne verbaut, sagt Lanz. „Wir können aber auch Fichte oder Douglasie.“ Langschäftige Nadelhölzer sind es, die für den Blockhausbau verwendet werden. Derzeit ist die Nachfrage nach Holzbauten generell gut, der Markt boomt. „Und jedes Haus, das steht, ist eine gute Werbung für uns“, sagt Lanz.

Häuslebauer, nicht nur aus dem Ländle, werden vor allem über das Internet auf das Ofterdinger Unternehmen aufmerksam. In ganz Deutschland errichtet Olaf Lanz gemeinsam mit seinem fünfköpfigen Team Blockhäuser, außerdem in der Schweiz und in Österreich. Das Erdgeschoss wird komplett auf dem zum Firmengelände gehörenden Abbundplatz in Ofterdingen aufgebaut, erklärt Lanz, also der gesamte Rohbau. Anschließend wird das Haus in Teilen auf einen 40-Tonner verladen, an seinen Bestimmungsort transportiert und dort aufgebaut.

An einem Blockhaus wird drei bis vier Monate gebaut, sagt Lanz. Pro Jahr konstruiert Naturhaus Lanz, je nach Größe der Häuser, vier bis acht Stück. „Ob kleines oder großes Haus, der Aufwand ist der gleiche“, erklärt der Geschäftsführer. Außergewöhnlich ist jedes Haus, das sie bauen, findet Marion Lanz – Olaf Lanz´ Ehefrau, die ebenfalls im Unternehmen beschäftigt ist. „Das Blockhaus ist ein Nischenprodukt, das natürlich nicht jeder schön findet“, weiß die 52-Jährige. Die, die in den eigenen vier Wänden aus Holzstämmen wohnen, schätzen unter anderem das besondere Raumklima. Holz nimmt überschüssige Feuchtigkeit auf, speichert sie und gibt sie bei Trockenheit wieder ab, was für eine stabile Luftfeuchtigkeit sorgt.

Zwischen 2004 und 2008 reiste Olaf Lanz mehrfach nach Kanada, um sich dort im Blockausbau weiterzubilden. „Man fährt dort hin und weiß, wie es nicht geht“, so Lanz´ Erfahrung. Aber natürlich gibt es in jedem Land auch gute Blockhausbauer, betont der 49-Jährige. Besonderen Wert legt man in Ofterdingen darauf, möglichst wenig Chemie zum Einsatz zu bringen. Winddicht und unempfindlich gegen Schlagregen wird das Blockhaus mit eigens angefertigten Dichtbändern, die auf Zuckerrübenbasis hergestellt werden. Auch das Dach kommt aus der eigenen Zimmerei, und das Unternehmen kümmert sich auf Wunsch um den Innenausbau.

„Stilistisch kann man von ultramodern bis Hüttengaudi alles einrichten“, sagt Marion Lanz. Die Zimmerei der Firma fertigt individuelle Möbel, vom Einbauschrank über das Regal bis hin zum Esstisch. Auch die Bauweisen von Blockhäusern variieren stark – je nachdem, was sich der Kunde vorstellt. Da gibt es solche, denen ein traditionelles Blockhaus mit naturbelassenen Holzstämmen vorschwebt. Oder andere, die ein Naturstammhaus aus Vollholz möchten, allerdings in modernerer Variante mit Stämmen, die außen oder innen besäumt sind.

„Ein Blockhaus aus Baumstämmen ist immer ein Unikat“, erklärt Olaf Lanz: Ganz egal, ob es sich um ein Wohnhaus handelt, ein Chalet, eine Gartensauna, ein Ferienhaus oder eine Jagdhütte. Gebäude aus Naturstämmen können alles sein, was der Bauherr möchte, erfährt man beim Naturhaus Lanz – auch Bürogebäude, Gaststätte oder öffentlicher Bau. „Männern gefallen Häuser mit großen Wurzelanläufen“, hat Marion Lanz beobachtet. Kein Stamm im Blockhaus ist schließlich wie der andere, auch hier spiegelt sich die große Individualität wider.

Blockhäuser Historie

In Russland stehen heute noch Blockhäuser, die rund 800 Jahre alt sind, weiß Olaf Lanz. Die Ursprünge des Blockhausbaus reichen wohl aber sogar zurück bis weit in die vorchristliche Zeit. Ein Blockhaus ist ein in Blockbauweise errichtetes Gebäude mit Wänden aus übereinanderliegenden Baumstämmen – roh oder
bearbeitet. Blockhäuser sollen für Allergiker besonders geeignet sein, weil in ihnen der Staubgehalt niedriger ist als in herkömmlichen Gebäuden.

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Erstellt:
17. April 2020, 07:26 Uhr
Aktualisiert:
17. April 2020, 07:26 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. April 2020, 07:26 Uhr

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