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Gelbe Birnen, rote Beeren

Der Schaumwein „Der rote Mössinger“ kommt auf den Markt

„Der rote Mössinger“, ein Birnensecco, hergestellt aus besten Weinbirnen vom Fuß des Farrenbergs, mit Johannisbeerfarbe auf den Generalstreik anspielend. Das pure Streuobstwiesenprodukt wurde am Mittwochabend vom Netzwerk Streuobst und der Küferei Holweger aus Täbingen bei Schömberg im Mütterzentrum vorgestellt.

11.04.2013

Von Jürgen Jonas

Ein Glück, dass es sie gab, die roten Mössinger, die schon vor 1933 erkannten, was der braune Sumpf für eine riesige Kriegsblase auswerfen werde. Achtzig Jahre sind nun vergangen seit dem Mössinger Generalstreik gegen Hitler. Manchen schmeckt das Gedenken nicht. Aber vielleicht ein roter Birnensecco?

Das Jubiläum und die „ausufernde Diskussion brachten jedenfalls die Idee hervor, das Birnenprodukt rot einzufärben?. Farblich passend. Nun gibt es also den „Roten Mössinger? aus gelben Oberösterreicher Weinbirnen und einem Konzentrat von Schwarzen Johannisbeeren. Leider nur eine begrenzte Menge, genau 761 Flaschen. Hans-Günther Wener und Ulrich Eder vom Netzwerk Streuobst stellten ihn am Mittwochabend vor, in Anwesenheit von Weinküfermeister Stefan Holweger aus Täbingen bei Schömberg. In der Küferei waren 750 Liter Saft gepresst worden, aus einer Tonne Birnen. Bei Minusgraden sind sie, Ende Oktober, nach dem letzten Apfelfest, es lagen fünfzehn Zentimeter Schnee, aufgelesen worden, von Menschen, die mit Handschuhen arbeiteten. „Die Kälte hat ihnen nix gemacht.? Die Öchslegrade waren hervorragend, wegen der langen Reifezeit. „Wir hatten viel Spaß dabei?, sagen die Netzwerkmitglieder, die dabei waren, dort am Nordhang des Farrenbergs, wo man wie Schafe scharren musste.

Holweger erzählte, wie die Birnen behandelt wurden, als Saft in den Tank kamen, mit Reinzuchthefe versetzt vergärten. Der junge Meister schlug den Konzentratzusatz aus schwarzen Johannisbeeren vor. „Der rote Mössinger? ist relativ trocken, schmeckt aber hervorragend. Wener rät, immer mal wieder einen Schluck zu nehmen, „eh man austrocknet?. Auf der Flasche dürfe nicht Bio stehen, „es ist aber Bio drin?, sagt Eder. „Kein Gramm Chemie ist dabei, nur ein bißchen Schwefel.? Dem Netzwerk geht es um die Frage, wie die Früchte in der Zukunft sinnvoll zu verwerten sind. Birnenschnaps schmeckt gut. Aber viele Mössinger haben so viel davon, „dass sie kaum noch drüber hinsehen können?. Mehr, als sie sich jemals zu Gemüte führen können. Der Drang, noch mehr Obst zu verwerten, nimmt deshalb ab. Die Traditionsbäume, teilweise um die 150 Jahre alt, die in ihrer Größe und Pracht die Landschaft auszeichnen, werden umgesägt und zu Brennholz verwurstet. Das ist ungerecht. Neue Verwertungsmöglichkeiten müssen her. Ein leuchtendes und einleuchtendes Vorbild: Die Champagnerbratbirne, die in Schlat von der Firma Geiger zu einem hochpreisigen Produkt vermarktet wurde, „da ist die Hand am richtigen Loch?, sagt Wener.

Ob man wirklich der Forderung nachgeben solle, Mostsommeliers auszubilden, hält er übrigens für zweifelhaft. „Erst sollten alle einen gescheiten Most machen?, einen „sauren Siech? wolle niemand mehr. Das Wort „Obstwein? werde sich wohl einbürgern, Most habe einen „Negativtouch?, dass etwas ,mostig? schmecke, sei kein besonderer Qualitätsnachweis.

„Der rote Mössinger? schmeckt nun gar nicht mostig. Das Etikett hat Eder entworfen. Bei einer Vorlage schwebte über den Worten „Der? und „Mössinger? eine kleine rote Fahne, eben mit dem Wort „rote? darauf. Aber nicht die Politik, sondern die Streuobstwiese steht bei dieser Abfüllung im Vordergrund. Jedoch, das rote Mössingen und der Generalstreik geben schon den Secco-Paten ab. Ganz dezidiert. Wener hat damit „kein Problem?, sein Großvater, ein Nehrener, aus dem Ruhrgebiet zugezogen, war Teilnehmer des Generalstreiks und saß für den angeblichen Landfriedensbruch hinter Gittern.

Bei den Vorführungen des Lindenhof-Generalstreikstücks in der Pausa wird der Birnensecco ausgeschenkt und auch in Flaschen verkauft werden. 6,90 Euro kostet eine. Das Netzwerk geht davon aus, dass die Menge übers Jahr verdoppelt wird. Sammel-Mitarbeiter sind dem Netzwerk natürlich immer willkommen. Auch beim Mostseminar in der Kulturscheune am Freitag, 19. April, wird der „rote Mössinger? vorgestellt, die Experten, die sich dort einfinden, sollen ihn verkosten und ihn mit einem richtigen Most vergleichen. Ein Produkt, über das Thomas Hepperle, der Leiter des Landwirtschaftsamtes Stockach am Bodensee, Günstiges sagte. „Große Mengen? seien konsumierbar, „ohne Schädigung der physischen und geistigen Arbeitsfähigkeit?.

Info: Wer wissen will, wo „Der rote Mössinger? käuflich zu erwerben ist, maile an info@netzwerk-streuobst.de

Ein Schaumwein zum Gedenken an 80 Jahre Generalstreik: Hans-Günther Wener stellt den „roten Mössinger“ vor.Bild: Franke

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Erstellt:
11. April 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
11. April 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. April 2013, 12:00 Uhr

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