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In Afrika Zirkus machen

Der Rottenburger Frederik Gentzsch will den Selbstwert von Kindern in Uganda stärken

Der 19-jährige Frederik Gentzsch möchte mit Kindern in Uganda Zirkus machen. Gelernt hat er diese Kunst beim Tübinger Zirkus Zambaioni. Über seine Erlebnisse auf der Reise in das zentralafrikanische Land will er eine Zeitschrift herausbringen.

22.10.2015
  • Dunja Bernhard

Rottenburg. „Ich wusste, ich will weit weg“, sagt Frederik Gentzsch über sein Ziel Uganda. In diesem Sommer schloss der 19-Jährige die Schule ab. Work and Travel, also arbeiten und reisen, mit dem Ziel Australien erwog er zunächst. Aber da wäre er nur einer unter vielen gewesen, sagt er. Er wollte irgendwo hin, wo die Einheimischen nicht auf junge Weltenbummler eingestellt sind. So hofft er, mehr von den Leuten zu erfahren und sie besser kennenzulernen.

Vor einem Jahr zeigte Gentzsch mit dem Zirkus Zambaioni sein Abschiedsstück. Es sei üblich, mit 18 Jahren aufzuhören, um Jüngeren Platz zu machen, berichtet er. Nun wolle er noch mal etwas mit Zirkus machen. Außerdem reize ihn Afrika. Der Kontinent sei so nah und doch so fremd.

Zuerst informierte er sich über die Möglichkeit, mit einer Organisation nach Afrika zu gehen. Ihn habe jedoch irritiert, dass er im Vorfeld mehrere Tausend Euro zahlen sollte, um in einem anderen Land zu arbeiten. Deshalb beschloss er, alles selbst zu organisieren. „Das ist gar nicht so einfach“, gibt er zu. Per Google suchte er nach einem Zirkusprojekt in Afrika. Ein afrikanisches Land nach dem anderen habe er eingegeben, „ich habe einfach im Norden angefangen.“ In Uganda wurde er fündig. Der italienische Zahnarzt Giacomo Babaglione baut in der Hauptstadt Kampala ein Zirkusprojekt für Waisen, Straßen- und Flüchtlingskinder auf. Vor einem dreiviertel Jahr nahm Gentzsch Kontakt auf zu Babaglione. „Seitdem haben wir regen Schriftverkehr.“

Vier Tage pro Woche werde er in Kampala als Jugendtrainer mit afrikanischen Kindern arbeiten, erzählt Frederik Gentzsch. Seit kurzem stehen für das Training und die Ausrüstung Räume in einer Schule zur Verfügung. Die Kinder seien dort für einige Stunden am Tag gut untergebracht. Sie lernen kleine Kunststücke und führen sie öffentlich vor. So erlebten sie ein Gefühl von Wertschätzung. Außerdem können sie Kontakt zu anderen Kindern knüpfen und zu einem Erwachsenen, der das Projekt über längere Zeit hinweg betreut.

Gentzsch bleibt drei Monate in Kampala. Er will den Kindern zeigen, was er in seiner Jugendtrainerausbildung gelernt hat. „Ich bin gespannt, wie sie damit umgehen.“ Es gehe nicht darum, dass nur er ihnen etwas beibringt – er hofft, selbst Neues dazuzulernen.

Tausende Menschen verlassen Afrika als Flüchtlinge, Gentzsch nimmt die entgegengesetzte Richtung. Das sei eine Möglichkeit, den Menschen zu zeigen, dass jemand Interesse an ihnen habe und ihr Kontinent nicht wertlos ist, sagt der 19-Jährige.

Mitte November soll es los gehen. Für die Hinreise wählte er einen Kompromiss, sagt er. Bis Gibraltar will er trampen und nach Möglichkeit auf Sofas in bisher noch fremden Wohnzimmern schlafen (Couch-Surfing). Mit der Fähre setzt er nach Afrika über. Von Marokko geht es über Ägypten mit dem Flugzeug nach Kampala. Ursprünglich wollte er den Landweg nehmen. Davon rate das Auswärtige Amt jedoch ab, deshalb der Kompromiss.

Die Rückreise plant Gentzsch über Land bis Kapstadt und von dort mit den Flugzeug zurück. Mit den Erlebnissen seiner Reise will er eine Zeitschrift füllen. Er möchte mit Flüchtlingen sprechen und mit denen, die zurück bleiben, Einheimische interviewen und eine Reportage über das Zirkusprojekt schreiben. Die Zeitschrift soll eine einmalige Sache sein und über Crowd-Funding finanziert werden (Spenden, die übers Internet erbeten werden). Um sich ein Startkapital für die Reise zu erarbeiten, jobbte Frederik Gentzsch nach der Schule drei Monate auf einer Alpenvereinshütte.

Am Freitag kommender Woche, 30. Oktober, präsentiert er sein Projekt von 16.30 bis 22 Uhr im Rottenburger Haus am Nepomuk. Mitglieder vom Zirkus Zambaioni zeigen Kunststücke, Gentzsch stellt Bilder zum Ansehen und zum Verkauf aus, die er zum Thema Zirkus und Afrika gedruckt und gesprüht hat. Nachmittags gibt’s Kaffee und Kuchen, um 20 Uhr ein Essen mit Suppe, Spinatknödeln, Salat und Tiramisu.

Die Gerichte will er selbst kochen. „Das habe ich in der Küche der Berghütte gelernt“, sagt der Abiturient. Den Erlös dieses Tages will er für seine Zeit im Kampala verwenden. Dort muss er für seine Unterkunft im Hostel und für seine Verpflegung selbst aufkommen.

Wer am Abendessen im Haus am Nepomuk teilnehmen möchte, sollte sich unter der Mail-Adresse frederik.gentzsch@web.de oder telefonisch unter 0 74 72 / 2 44 03 anmelden.

Der Rottenburger Frederik Gentzsch will den Selbstwert von Kindern in Uganda stärken
Nach dem Abi nach Uganda: Frederik GentzschBild: Bernhard

Der Rottenburger Frederik Gentzsch will den Selbstwert von Kindern in Uganda stärken
Eines der Bilder, die Frederik Gentzsch gemacht hat. Der Verkauf seiner Kunst soll zur Finanzierung seines Auslandsaufenthalts beitragen.

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22.10.2015, 12:00 Uhr
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