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Raffinierte Werkstatt mit Museumswert

Der Oberndorfer Maskenschnitzer Gerd Kley repariert auch Leiterwagen und gibt sein Wissen gern andere weiter

Gerd Kley aus Oberndorf ist ein Tüftler und bekannter Holzmaskenschnitzer. In seiner urigen Holz-Werkstatt ist feine Handarbeit gefragt. Kley drechselt, sägt und bastelt. Kaum ein Kundenwunsch bleibt bei ihm offen– auch wenn er noch so schwer erscheint. In der örtlichen Grundschule unterrichtet gelernte Schreiner Werken.

03.12.2015
  • Klaus Stifel

Oberndorf. Die Pumuckl-Werkstatt von Meister Eder dürfte ein Klacks sein gemessen an der des Schreiners Gerd Kley. Die ist sehenswert und macht sprachlos. Wer meint, Kley sei ein reiner Maskenschnitzer, der irrt. Sein 30 Quadratmeter großer Arbeitsplatz ist professionell und doch einfach eingerichtet. Von wegen High-Tech-Maschinen! Kley legt in der Werkstatt Wert auf kurze Wege. Hunderte von Werkzeugen und Schablonen müssen schnell griffbereit sein. Dafür hat er ein raffiniertes Regal- und Schubladensystem gebaut. Weil es in der Enge auf jeden Zentimeter ankommt, verbergen sich hinter Regalen und Schubladen weitere Ablagemöglichkeiten. „Meine Werkstatt hat Knoff Hoff, ist flexibel, lässt sich aufblättern wie ein Buch, sieht jedes Mal anders aus und ist ergonomisch perfekt“, sagt der 52-Jährige, der gelernter Schreiner und hauptberuflich als Staplerfahrer tätig ist.

Die mit 400 Kilo wohl schwerste Maschine in der Werkstatt ist ein ausgedienter Walzentreiber der TÜBINGER CHRONIK, den Kley in eine Kopfdrehbank umfunktioniert hat. Eine Goldschmiede im Eck nutzt er nicht zur Verarbeitung des Edelmetalls, sondern für den Kunststein Corian. Bei der Restauration eines Lederstuhls kommt die hausinterne Sattlerei zum Einsatz. Gerd Kley: „Wird die Drechselmaschine benötigt, muss ein Teil der Werkstatt wegen des enormen Platzbedarfes umgemodelt werden.“ Dann greift er zum langen scharfen Drechseleisen.

Und noch etwas Besonderes gibt’s in der Werkstatt zu bestaunen: einen Wald! „Bei mir herrscht das ganze Jahr über Weihnachtsstimmung“, schwärmt der gebürtige Pfäffinger und verweist auf die vielen Verzierungen. Baumrinden, Wurzeln, Pilze, leere Wespennester und sogar eine mumifizierte Spitzmaus sind meterweise bandförmig dicht aneinandergereiht. Nicht umsonst bezeichnet Kley seine Werkstatt als „kleine Insel“ und „Nikolausstüberl“. „Wer hier einmal hier drin ist, will am liebsten nicht mehr heimgehen“, sagt er.

Mußestunden nutzt Kley für Kreativität, und an kalten Tagen sorgt der schnuckelige Holzofen für angenehme Wärme, Tee und Kaffee. Selbst die Schreinermeister der Handwerkerinnung seien bei der Werkstattbesichtigung sprachlos gewesen. „Die Herren waren fasziniert und wussten nicht mehr, wohin zu schauen.“

„Hier drin passiert jeden Tag etwas anderes, mit Leib und Seele bin ich bei der Arbeit“, erzählt Kley, der seine Werkstatt als „museumsreif“ betrachtet. Sogar Mitglieder des Ortschaftsrates Oberndorf hätten ihn gebeten, ja nicht größer zu werden.

Bei Masken kommt die Kopierfräse zum Einsatz

Gerade ist Kley damit beschäftigt, eine verrottete Garten-Windmühle und einen Leiterwagen mit einer Handdeichsel zu restaurieren. „Das alles krieg ich wieder hin“, ist er sich sicher. Die Wurmlinger Kapelle hat er schon nachgebaut. Nun ist die Oberndorfer Kapelle an der Reihe, bis Weihnachten soll sie fertig sein.

Kleys Markenzeichen sind jedoch geschnitzte Fasnetsmasken und -figuren für Narrenzünfte vorwiegend aus der heimischen Umgebung. Wie viele Masken er bereits gefertigt hat, weiß er nicht mehr. „Irgendwann habe ich mit dem Zählen aufgehört.“ Den Prototyp schnitzt er aus einem Klotz Lindenholz. Später geht die Maske mit einer selbstentwickelten Kopierfräse in seiner Werkstatt in die Massenproduktion. „Alles ist reine Handarbeit“, betont er. Die Masken sehen in der Grundform zwar gleich aus, aber bei der Gestaltung der Gesichtszüge gibt es mehr oder weniger Linien und Furchen an Stirn, Augen, Mund und Wangen.

Seit fünf Jahren gibt Gerd Kley Schülern der örtlichen Grundschule Werkunterricht, und Ehefrau Ramona unterrichtet die Kinder im Nähen. „Was wir hier bieten, bekommen Kinder in der Schule nicht richtig mit“, sagen die beiden. Kranke Kinder liegen Kley besonders am Herzen. Bis vor wenigen Jahren waren regelmäßig Kinder aus Tschernobyl für wenige Tage im Jahr bei ihm zu Gast. Die russischen Gäste verewigten sich der Schreierbank mit eingebrannten Namen. „Das war besonders rührend“, erinnert sich Kley.

Und wer nicht weiß, wie der Kindergeburtstag gefeiert werden soll, ist bei Gerd und Ramona Kley in der Rottenburger Straße an der richtigen Adresse. Mit bis zu zehn Kindern basteln sie alles Mögliche. Beliebt seien Laternen, Leuchttürme, Raumschiffe, Raketen und kleine Maskenschnitzereien. Auf reges Interesse stößt auch das Eltern-Kind-Basteln, meistens samstags und nur auf Voranmeldung. „Bei mir wird gleich von der Pike auf gelernt.“ Denn sein kostbares Wissen will Kley, wie er sagt, „nicht mit ins Grab nehmen“.

Im schnuckeligen „Oberndorfer Holzlädle“, das die Kleys in ihrem Wohnhaus betreiben, gibt’s lauter nette Sachen Marke Eigenbau für Groß und Klein: Schatztruhen mit Geheimöffnungen, Buchständer, Steckenpferde, Eulen, Katzen, Puppenmöbel, Kerzenständer, Vesperbrettle, Ritterburgen, Fahrzeuge und Puzzles – alles auf natürlicher Basis grundiert und bemalt. Ramona Kley stellt ihre selbst genähten bunten Puppenkleider aus. Am Wochenende hat das Paar einen Stand auf dem Rottenburger Nikolausmarkt.

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03.12.2015, 01:00 Uhr
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