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Illegal im Schindhau-Wald

Der Natursteinpark Rongen war noch nie genehmigt

Den Natursteinpark im Schindhau gibt es seit 20 Jahren. Genehmigt war er aber nie ? und er würde auch keine Genehmigung bekommen. Nun machen einige Bewohner der Galgenbergstraße Druck. Auch der Landesnaturschutzverband hat sich eingeschaltet.

12.11.2012

Tübingen. Mitten im Wald am Fuß des Galgenbergs liegt der Natursteinpark Rongen. Entlang eines Fahrweges liegen auf großen Haufen neue und gebrauchte Natursteine ? rund 40 000 Tonnen. Auch die Steine der abgerissenen Gebäude des Stuttgarter Hauptbahnhofs bietet Inhaber Manuel Rongen zum Kauf an.

Früher lagerte dort Munition: Die französische Garnison hat das rund 20 Hektar große Areal genutzt, um in unterirdischen Bunkern Minen, Patronen und Granaten unterzubringen. Nach dem Abzug der Franzosen pachtete Rongens Vorgänger Dieter Walcker die Fläche vom Bundesvermögensamt. Er nutzte sie, um angekaufte Natursteine anzubieten. Allerdings hat er dafür nie eine Genehmigung beantragt. Er hätte sie auch nicht bekommen.

Sowohl das Waldrecht als auch das Baurecht ließen und lassen eine solche Ansiedlung nicht zu. Dem Naturschutzbeauftragten Karlheinrich Ebert ist der Natursteinpark schon seit Jahren ein Dorn im Auge. „Ich versuche seit 1994, den Betrieb von dort wegzubekommen?, sagte er jetzt gegenüber dem TAGBLATT. Ihm geht es um den Wald. „Da wurden die Wurzelteller wunderbarer Bäume mit Steinen zugepackt ? die sind jetzt alle abgestorben.

Und die Steine sind immer noch da?, ärgert sich der pensionierte Forstdirektor. Das Waldrecht verbiete eine derartige Nutzung. Und eine so genannte Umwandlungsgenehmigung nach dem Landeswaldgesetz liege nicht vor. Zudem handle es sich beim Natursteinpark um einen ? verbotenen ? Eingriff in einen Erholungswald. Das nämlich sei das Gelände eigentlich: „Er liegt ja ganz nah am Französischen Viertel?, sagt Ebert.

Aus allen Wolken gefallen

Vor sechs Jahren kamen auf seine Initiative hin mehrere Behördenvertreter im Natursteinpark zusammen. Dabei waren unter anderem Mitarbeiter des städtischen Baurechtsamts, des Stadt-Planungsamts, des Bundesvermögensamts und der Forstverwaltung. Sie alle schauten sich den Natursteinpark an und kamen zu dem Schluss, dass der Betrieb des Recyclinglagers „rechtswidrig, nicht genehmigt und sachlich im Schindhauwald auch nicht genehmigungsfähig? sei.

Manuel Rongen, der den Betrieb 1999 von Walcker übernommen und auch ein Gewerbe angemeldet hatte, sagt: „Ich bin damals aus allen Wolken gefallen.? Bis dahin habe er nicht gewusst, „dass alles illegal ist?.

Karlheinrich Ebert hoffte damals, dass die Feststellungen der Behördenvertreter Konsequenzen haben würden. Das hatten sie aber nicht. Keine der Behörden wurde aktiv. Und Rongen kaufte und verkaufte weiterhin Natursteine im Wald. „Man ging damals davon aus, dass die neue B 27 genau über das Gelände gehen würde ? damit hätte sich das von selbst geregelt?, sagen sowohl Ebert als auch Rongen.

Inzwischen wurde die B 27-Trasse aber umgeplant und längst ist klar, dass sie den Natursteinpark nicht tangieren wird. Nach dem Gespräch, sagt Rongen, habe er mit der Suche nach einem anderen Gelände begonnen. „Die Behörden haben uns alle immer sehr unterstützt?, sagt er. In Tübingen sind aber weder Rongen noch die Stadtverwaltung fündig geworden. „Wir haben wenig Flächen in der Stadt?, sagt Tim von Winning. Und wo Gewerbeflächen sind, die auch für Rongen groß genug wären, hätte man eben lieber Betriebe mit mehr Arbeitsplätzen.

Doch der Druck wächst. Jetzt sind einige Bewohner des Galgenbergs auf die Illegalität des Betriebs gestoßen. Sie hatten sich wegen der vielen mit Steinen beladenen Lastwagen an die Stadtverwaltung gewandt und haben Kontakt zu Ebert aufgenommen. Sie wollen den Natursteinpark im Schindhau nicht länger akzeptieren und fordern die Stadtverwaltung zum Handeln auf. „Die Duldung muss endlich aufhören?, sagt auch Ebert. Die Stadt müsse reagieren und Rongen ein neues Areal finden. Und selbst wenn kein Ersatzstandort gefunden werden könne, müsse jetzt ein Schlussstrich gezogen werden.

Kiebinger Queck-Areal kommt infrage

Auf die Suche nach einem solchen ist die Stadtverwaltung seit drei Jahren, wie Stadtplaner Tim von Winning dem TAGBLATT erklärte. Man habe den Betrieb so lange geduldet, „weil wir den Inhalt der Firma ? das Recycling ? sehr gut finden und Rongen auch Arbeits- und Ausbildungsplätze anbietet.? Eine nachträgliche Genehmigung des Betriebs sei nicht möglich, „dagegen sprechen vor allem naturschutzrechtliche Gründe ?.

Was in Tübingen nicht geht, geht vielleicht anderswo: Rongen ist auf das ehemalige Kieswerk am Baggersee Kiebingen gestoßen, das Queck-Gelände. Er würde es gerne kaufen und steht zur Zeit in Verhandlungen mit dem Besitzer. Allerdings muss, damit Rongen das Gelände nutzen kann, erst ein Bebauungsplan erstellt werden. In dem entsprechenden Verfahren äußern sich dann auch die Behörden. „Es ist daher noch auf absehbare Zeit mit dem Verbleib der Firma im Schindhau zu rechnen?, schreibt von Winning in der Vorlage, die heute Abend dem Planungsausschuss als Diskussionsgrundlage dient.

Auf rund 20 Hektar liegt am Fuß des Galgenbergs der Natursteinpark Rongen. Etwa 40.000 Tonnen Steine lagern hier, riesige und kleine. Doch erlaubt war diese Flächennutzung noch nie. Und sie wird es dort im Wald auch nie werden.

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Erstellt:
12. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. November 2012, 12:00 Uhr

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