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Felix Müller vom Fraunhofer Institut über Hemmnisse und Ablaufpläne einer 4.0-Strategie

„Der Mensch als Dirigent“

Der Anfang ist zäh. Experte Felix Müller empfiehlt Firmen, erst einmal den Datenfluss in Gang zu bringen. Dann klappt es auch mit der 4.0-Strategie.

20.08.2016
  • CAROLINE STRANG

Herr Müller, Sie haben für Ihre Studie viele Unternehmer zum Thema 4.0 befragt...

FELIX MÜLLER: Unsere Befragung verlief in zwei Stufen. Wir haben im ersten Schritt 500 Unternehmen angeschrieben, 270 Antworten kamen zurück. Da hat sich herausgestellt, dass es rudimentäre Probleme sind, die die Firmen plagen.

Welche denn?

MÜLLER: Probleme wie die Auswahl der für sie passenden Lösung zur Digitalisierung ihrer Produktion. Es gibt inzwischen sehr viele Lösungen am Markt, die zur Vernetzung der Produktion und produktionsnahen Bereiche im Unternehmen beitragen können. Das ist auch bei den Unternehmern angekommen. Allerdings verlaufen derzeit noch viele Entwicklungen wie Pilotversuche, sie werden einfach ausprobiert und klappen dann oder nicht. Es ist gut, wenn Unternehmen die ersten Schritte machen. Aber es wäre natürlich noch wesentlich schöner, wenn sie die richtigen ersten Schritte machen. Genau bei dieser Auswahlfrage soll unsere Studie helfen. Wir geben zum Beispiel Hinweise, welche Lösung zuerst sinnvoll ist, das heißt, welche Schritte man nacheinander machen sollte.

Häufig fehlt die Gesamtstrategie...

MÜLLER: Es ist bei vielen Unternehmen einfach kein systematisches Vorgehen. Da werden Lösungen ausgewählt, weil das in dieser Situation richtig erscheint, aber die Entscheidung steht nicht auf Basis einer Gesamtoptimierung. Das sehen wir als großes Problem an. In der Verbreitung haben neue Technologien stark zugenommen, aber die systematische Auswahl fehlt einfach.

Was sollte ein Unternehmer zuerst in Angriff nehmen? Welchen zeitlichen Ablauf empfehlen Sie?

MÜLLER: Es geht im Prinzip darum, erst einmal eine vollständige und durchgängige Datenbasis zu erheben. Das funktioniert durch verknüpfte Einzellösungen in der Produktion. In der Wertschöfpungskette müssen bei der eigenen Fertigung und an den Schnittstellen zu vor- und nachgelagerten Produktionsprozessen ein einheitliches Minimum an relevanten Daten erfasst und digital zur Verfügung gestellt werden. Diese durchgängige Datenbasis über alle Prozesse hinweg ist Voraussetzung für alles weitere. Das ist auch die Krux: Denn dieser erste Schritt bringt konkret noch wenig Nutzen, er erfordert aber viel Aufwand.

Was nutzt solch eine Datenbasis?

MÜLLER: Wenn die durchgängige und stets aktuelle Datenbasis erst einmal existiert, kann man die eigentliche Assistenz des Menschen bei der operativen Arbeit und beim Treffen von Entscheidungen angehen. Das heißt, man stattet den Menschen mit richtigen und situativ guten Informationen als Entscheidungsgrundlage aus. Und man kann die Informationen nutzen, um personalisierter und bedarfsgerechter mit kleineren Losgrößen zu produzieren. Da fängt der Nutzen erst an. Digitalisierung zum Selbstzweck bringt erstmal nichts, salopp gesagt. Deswegen ist das das Haupthemmnis, das man möglichst schnell hinter sich bringen sollte.

Was sollte das Ziel eines Unternehmens sein?

MÜLLER: Pauschal ist das schwer zu sagen. Das grundsätzliche Ziel ist immer, Kostenstruktur und Qualität zu optimieren. Da haben sie mit intelligenten Werkzeugen in der eigenen Produktion einen guten Hebel. Wenn man korrekte Daten hat und darauf aufbauend Entscheidungen trifft, kann man Kosten sparen und die Qualität verbessern. Das Zielsystem an sich ist immer noch das gleiche wie in der klassischen Produktion. Der Umsetzungsweg allerdings wird durch eine vernetzte, digitale Produktion einfacher und somit selbst auch effizienter.

Wie konkret können Unternehmen Ihre Studie nutzen?

MÜLLER: Wir wenden sie selbst an, um im Rahmen unseres Großprojekts „Applikationszentrum Industrie 4.0“ unsere Entwicklungsroadmap hinsichtlich der konkreten Industriebedarfe zu optimieren. Wir entwickeln schon seit einem Jahr und noch drei weitere Jahre lang in über 30 Demonstratoren genau in dieser Priorisierung, die uns Unternehmen offenbart haben.

Was sind Demonstratoren?

MÜLLER: Demonstratoren sind Geräte, anhand derer die Digitalisierung der Wertschöpfungskette als Basis und darauf aufbauenden Entwicklungsfelder der Nutzen klar wird. Wir demonstrieren damit etwa, wie man Bestandsmaschinen in die digitale Wertschöpfungskette einbindet, und darauf aufbauend zeigen wir Assistenzsysteme für den Menschen, die ihm bessere Entscheidungen ermöglichen, beziehungsweise den Menschen ergonomisch situativ unterstützen. Die Studienergebnisse sind also konkret genug, dass wir selbst sie verwerten können. Unsere Hoffnung ist, dass die Reihenfolge und Priorisierung auch Unternehmern hilft, ihre eigene Entwicklungsroadmap daran abzuleiten beziehungsweise mit dem Fraunhofer IPA zu entwickeln und in Angriff zu nehmen.

Manche befürchten, dass Maschinen die Menschen ersetzen.

MÜLLER: Diese Argumentation teile ich nicht. Wir haben für unsere Studie den Menschen in den Mittelpunkt gerückt, das zweite Entwicklungsfeld für ein Unternehmen nennt sich „Der Mensch als Dirigent“. Es geht darum, den Menschen mit guten Informationen zu bedienen. Die Technik muss dem Menschen dienen, damit der befähigt wird, situativ bessere Entscheidungen zu treffen. Wenn wir bessere Assistenzsysteme schaffen, hat der Mensch davon nur Vorteile. Zusätzlich kann man so auch den Menschen in seiner Arbeit, seinem Handeln ergonomisch unterstützen. Das ist ein klarer Nutzen. Wenn ich weiß, wie groß und schwer das Produkt ist, das nachher auf meinem Tisch landet, kann ich den Tisch und die Werkzeuge entsprechen anpassen. Also hat der Mensch einen aktiven Nutzen davon, dass die Produktion digitalisiert wird.

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20.08.2016, 06:00 Uhr
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