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"Die Ufos brauchen gutes Wetter"

Der Mannheimer Werner Walter klärt über außergewöhnliche Himmelsphänomene auf

"Hilfe, ich habe ein Ufo gesehen!" Den Satz hört Werner Walter öfter. Der Betreiber einer "Ufo-Hotline" untersucht die Ursachen solcher Berichte - und macht sich mit seinen Erkenntnissen nicht nur Freunde.

05.11.2010
  • SWP

Mannheim Werner Walter weiß, wann die Ufos kommen. Oder genauer gesagt: Wann sich wieder Menschen melden, die unidentifizierte Flugobjekte (Unidentified Flying Objects = Ufo) gesehen haben. "Die Ufos brauchen gutes Wetter", sagt der große, 53-jährige Mann mit dem Bart. Denn dann sind die Menschen draußen und haben freie Sicht auf den Himmel.

Rätselhafte Objekte zeigen sich manchmal am Himmel. Und wenn es so weit ist, rufen die Leute Walter an und berichten, was sie gesehen haben. Er betreibt eine "Ufo-Meldestelle" in Mannheim. "Ich bin ein Ufo-Phänomen-Erforscher", sagt er über sich selbst. Walters Arbeit hat eher mit Detektivarbeit als mit akademischer Forschung zu tun. Mit gesundem Menschenverstand und Kenntnissen der Astronomie und der Fluggeräte macht er sich daran, die Hintergründe der geheimnisvollen Erscheinungen aufzudecken. Denn dafür gibt es immer natürliche Erklärungen, hat er erfahren. Seien es Sternschnuppen, Raketen oder die Internationale Raumstation ISS.

"Die Ufos sind nicht erkannte "IFOs" - identifizierte Flugobjekte", lautet das Credo des gelernten und derzeit arbeitslosen Einzelhandelskaufmanns. Über das Thema hat er auch ein Buch geschrieben.

Walter wäre möglicherweise schon im Forscher-Ruhestand, wenn der Fußball-Bundesligist VfB-Stuttgart 2007 nicht deutscher Meister geworden wäre. Er hatte aussteigen wollen, weil das Thema "Fliegende Untertassen" wegen gefälschter Fernsehberichte über Außerirdische und der TV-Serie "Akte X" "ausgelutscht" gewesen sei.

Doch 2007 ging es an einem Frühlingsabend plötzlich wieder los. Viele Menschen hatten leuchtende Punkte am Himmel gesehen und konnten sich keinen Reim darauf machen. "Das Telefon stand bis morgens um drei nicht still", sagt Walter. Verblüffend: Die Meldungen kamen nur aus Baden-Württemberg.

Nach Fernsehberichten ist Walter drauf gekommen: Die vermeintlichen Ufos waren "Himmelslaternen" - kleine Heißluftballone aus Drachenpapier, gestartet von VfB-Fans, die damit den Sieg feierten.

Die Laternen kamen zu Walters Leidwesen danach in Mode und bescherten ihm eine Flut von Anrufen. Von 1976 bis 2005 waren insgesamt 1400 Ufo-Meldungen bei ihm eingegangen, also im Schnitt 140 im Jahr. Allein 2007 jedoch waren es 600 und im Jahr darauf 1800 Meldungen. Alles wegen der "Himmelslaternen" - Er habe 2008 "aus Wut meinen Anrufbeantworter aus der Wand gerissen".

Lieber hilft Walter in anderen Fällen. Etwa einem Piloten, der mit dem Handy während des Fluges einen riesigen Lichtpunkt mit schweifartigen Beinen fotografiert hat: eine Versorgungskapsel auf dem Weg zur ISS, wie Walter herausfand. Er arbeitet viel mit dem Internet. Dort hat er auch Erkenntnisse über aktuelle Ufo-Phänomene veröffentlicht.

In seinem schwierigsten Fall hatte Walter noch ohne Hilfe des Internets auskommen müssen. Im Sommer 1990 hatten Urlauber über der Ostsee zwei seltsame Geschwader von je 10 bis 15 gelb-orange strahlenden Lichtobjekten beobachtet. Viele Menschen rätselten. Walter schrieb an die Behörden der DDR, um Informationen zu erhalten - vergeblich.

Erst vier Jahre später, als Walter in einer Talkshow über den Fall sprach, kam der klärende Anruf eines Zuschauers: Im letzten Manöver der Warschauer-Pakt-Staaten - einem Seemanöver - hatten die Schiffe Magnesiumkugeln verschossen, berichtete er, und so für das Leuchten gesorgt. Walter: "Die haben dort halt ihr Abschlussfeuerwerk gemacht!"

Der Hobby-Forscher, der in einer kargen Drei-Zimmer-Wohnung lebt und arbeitet, hatte sich schon als Schüler für Astronomie interessiert. Auf sein Thema brachte ihn schließlich der bekannte Professor Heinz Haber, der auch Vorträge hielt. Auf Fragen von Zuhörern habe der aber nicht immer geantwortet, sagt Walter. "Die Leute standen dumm da."

Das sei für ihn zur Triebfeder geworden. "Ich habe immer das Bedürfnis, den Menschen Antworten auf ihre Fragen zu geben." 1976 gründeten Walter und Gleichgesinnte das Centrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene (Cenap), das nach seinen Angaben früher 70 und heute noch "maximal 30" Mitglieder hat.

Für seine Arbeit wird er nicht nur geliebt. "Hängt ihn höher", dächten manche, sagt er. "Ich demystifiziere. Das ist nicht gut."

Beim Raumfahrtingenieur Rainer Kresken von der Europäischen Weltraumagentur (ESA) in Darmstadt genießt er aber einen guten Ruf. "Herr Walter ist ein vertrauenswürdiger Beobachter, der nichts mit diesen Ufo-Spinnern zu tun hat", sagt Kresken. Walter kenne sich sehr gut aus mit den Dingen am Himmel. "Ich habe nie gesehen, dass er etwas Falsches geschrieben hat." dpa

Info Das Centrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene (Cenap) findet man unter http://www.cenap.de. Der Titel des 1996 von Heel in Königswinter herausgegebenen Buchs lautet "Ufos - Die Wahrheit"

Der Mannheimer Werner Walter klärt über außergewöhnliche Himmelsphänomene auf
Eine "glühende Himmelsspinne", fotografiert von einem Lufthansa-Piloten am 20. November 2009 über dem Nordatlantik. Das UFO stellte sich als eine russische Rakete heraus, die den Militärsatelliten "Kosmos 2455" ins All schoss. Foto: dpa

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05.11.2010, 12:00 Uhr
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