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Leitartikel Mugabe

Der Letzte seiner Art

Fast 40 Jahre, nachdem Rhodesien zu Simbabwe wurde und damit als letzte Kolonie in Afrika die Unabhängigkeit erhielt, gibt Langzeit-Diktator Robert Mugabe die Macht endlich aus der Hand. Sein Rücktritt ist ein Gezeitenwechsel für das Land und dürfte nicht ohne Folgen für den übrigen Kontinent bleiben.

27.11.2017
  • WOLFGANG DRECHSLER

Harare. Mit mittlerweile 93 Jahren war Mugabe der Letzte aus der Generation der afrikanischen Gründerväter, die ihren Staat komplett dominiert und darüber oft ruiniert haben.

Robert Gabriel Mugabe hatte, wie Jomo Kenyatta für Kenia oder Mobutu Sese Seko für Zaire, auch für Simbabwe eine ganz andere Funktion, als sie etwa das Staatsoberhaupt einer westlichen Nation für das dortige Gemeinwesen hat. Diese afrikanischen Gründerväter sehen sich nicht nur als zeitweilig eingesetzte Verwalter des eigenen Staates, sondern als seine direkte Verkörperung – und konnten wegen dieser Doppelrolle später nur schwer von der Macht lassen.

Die Figur Mugabes hat deshalb etwas typisch Afrikanisches. Die Rolle des vermeintlichen Einheitsstifters, die er zunächst ein paar Jahre lang erfolgreich spielte, ist in vielen Teilen Afrikas noch immer typisch für die Art politischer Führung. Doch genau wie in anderen afrikanischen Staaten führte diese starke Stellung zu einem Autoritarismus, der später in einer kaum verbrämten Diktatur mit den bekannten Folgen mündete.

Gerade weil Korruption und Amtsmissbrauch in Simbabwe so tief verwurzelt sind und mit Emmerson Mnangagwa nun ein alter Kampfgefährte Mugabes in dessen Schuhe schlüpft, wird der Neubeginn schwer. Mugabe hat seinem Land politisch wie ökonomisch immensen Schaden zugefügt. Die Wirtschaft schrumpft, viele Banken sind vermutlich bankrott und es mangelt an Devisen. Unter Mugabe manipulierte die Regierungspartei systematisch Wahlen und knebelte die Opposition, während sich die politische Elite an den Bodenschätzen des Landes bereicherte.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat den neuen Präsidenten bereits wissen lassen, dass Simbabwe nach den langen Jahren eklatanter Misswirtschaft zügig handeln müsse, um seine zerrüttete Wirtschaft neu zu beleben. Das Land hat seine internationalen Schulden mehrfach nicht bedient, was ihm nun den Zugang zu neuen Krediten stark erschwert.

Deshalb sollte jede wirtschaftliche Hilfe erst dann erfolgen, wenn die neue Regierung führende Oppositionspolitiker in die nun geplante Übergangsregierung aufgenommen hat und die Menschenrechte respektiert. Zu schnelle und bedingungslose Hilfe, wie sie die EU bereits 2014 mit der überstürzten Aufhebung der Sanktionen gegen Simbabwe gewährte, würde falsche Signale setzen.

Das schnelle Aus für Mugabe könnte Potentaten in ganz Afrika unter Druck setzen, allen voran Joseph Kabila im Kongo oder Uhuru Kenyatta in Kenia. Unter der Oberfläche brodelt es vielerorts bereits beträchtlich, aber noch befinden sich die meisten Länder Afrikas im Würgegriff ihrer oft verantwortungslosen Eliten. Doch das Schicksal Mugabes zeigt: ihr Griff wird schwächer.

Leitartikel@swp.de

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27.11.2017, 06:00 Uhr
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