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Handel

Der Kunde scannt selbst

Die Verbreitung von SB-Kassen nimmt langsam zu. Trotz einiger Vorteile scheuen viele Händler noch die hohen Investitionskosten.

25.02.2020

Von CAROLINE STRANG

Selbst ist die Kundin: Bei Ikea ist das schon Gewohnheit, im Lebensmittelhandel nehmen SB-Kassen zu. Foto: ©lightpoet/Shutterstock.com

Berlin. Die Steigerungsraten klingen gut. Im Vergleich zu 2017 gibt es 85 Prozent mehr stationäre SB-Kassen und 134 Prozent mehr mobile Scanner. Weit verbreitet sind die Selbstbedienungskassen aber dennoch nicht: Rund 1000 Märkte in Deutschland bieten an 4760 Kassen ihren Kunden die Möglichkeit, ihre Waren selbst einzuscannen, zeigt eine Studie des EHI Retail Institute. Gegenüber knapp 1 Mio. Kassen mit Bedienung eine Randerscheinung.

„Der Self-Checkout ist in Deutschland noch relativ selten zu sehen, ein Trend zu mehr Angeboten dieser Art ist aber zu erkennen“, fasst Ulrich Binnebößel, Experte für Zahlungssysteme beim Handelsverband Deutschland (HDE) zusammen. Am häufigsten sind dabei stationäre Selfcheckout-Kassen, also fest installierte Kassen ohne Bedienung, erklärt Frank Horst, Experte vom Ehi Retail Institute. Nachdem ein Kunde seine Waren ausgesucht hat, kann er entscheiden, ob er zu einer Kasse mit Mitarbeiter geht oder seine Waren selbst einscannt und bezahlt. „Dieses Modell ist eher für kleine Einkaufskörbe gedacht“, erklärt Horst. Vorreiter sind Real und Ikea.

Für große Warenkörbe

Außerdem gibt es noch mobiles Selfscanning. Das geht entweder mit dem eigenen Smartphone und einer speziellen App oder mit Handscannern, die man sich am Eingang ausleihen kann. Alles was der Kunde in den Einkaufskorb lebt, scannt er gleich ein. Der große Vorteil: „Gerade wenn man viel einkauft, muss man an der Kasse nicht mehr alles aus dem Wagen nehmen und wieder hineinlegen“, sagt Horst. Bezahlen kann man dann an Stationen vor dem Ausgang. Dieses Modell wird zum Beispiel bei Feneberg oder Globus angeboten.

„Vorteilhaft kann sein, dass derartige Systeme die Wartezeit an Kassenzonen verkürzen können, zudem können die Unternehmen auf gleichem Platz mehr Systeme vorhalten“, sagt Binnebößel. Es sei schlicht ein zusätzlicher Service. Das betont auch eine Ikea-Sprecherin. „Mit den 2009 eingeführten Expresskassen können Spitzen im Kundenaufkommen besser aufgefangen werden, weil man schneller weitere Kassen für die Kunden öffnen kann.“

Jobs bleiben erhalten

Der Befürchtung, dass durch diese Kassen Arbeitsplätze verloren gehen, tritt Horst entgegen. „Teilweise wird sogar die doppelte Besetzung gebraucht, denn einerseits müssen die klassischen Kassen besetzt sein, andererseits muss es an den SB-Kassen Mitarbeiter geben, die Hilfestellung leisten.“ Eine Befragung unter Mitarbeitern von Handelsketten hätten sogar ergeben, dass ein Großteil von ihnen die dabei entstehenden neuen Aufgaben als abwechslungsreich und positiv empfindet.

Nachteile sehen die Experten eher weniger. Manche Systeme könnten für Kunden etwas kompliziert sein. Für Unternehmen ist die Anschaffung entsprechender Technik kostspielig. Horst rechnet mit 80 000 bis 120 000 EUR Investitionen für vier stationäre SB-Kassen. „20 Prozent der Transaktionen sollten über die SB-Systeme laufen, sonst lohnen sie sich nicht“, erklärt Horst.

Die hohen Investitionskosten verzögern die Verbreitung, halten sie aber nicht auf. „Wir gehen davon aus, dass sich die Art des Einkaufens und damit auch des Checkouts weiter verändern wird“, sagt Binnebößel vom HDE. „Wichtig ist dabei festzustellen, dass es um zusätzliche Services geht und nicht um den Ersatz vorhandener Verfahren.“ Es gebe viele Kunde, die den persönlichen Kontakt an der Kasse erhalten wollen, dem werde Rechnung getragen. Davon ist auch Horst überzeugt. „Kein Handelsunternehmen kann es sich leisten, die Kundengruppe auszuschließen, die weiter an Bedienkassen bezahlen will.“

Was halten die Kunden von SB-Kassen? „Sowohl die Tests in anderen Ländern als auch die bisherigen Erfahrungen in Deutschland zeigen eine hohe Kundenakzeptanz“, sagt die Ikea-Sprecherin. Unabhängig von Alter oder Geschlecht werde die Möglichkeit gerne angenommen. „Derzeit benutzen knapp 40 Prozent unserer Kunden die Expresskassen.“ Die Akzeptanz ist bei jüngeren Menschen am höchsten, zeigt die Ehi-Studie. Unter den 14- bis 29-Jährigen nutzen 66 Prozent diese Systeme hin und wieder. Bei den über 60-Jährigen hingegen liegt der Anteil bei 12 Prozent.

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Erstellt:
25. Februar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Februar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2020, 06:00 Uhr

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