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Der Krebs fällt einfach ab
Die Früchte des Blushwood Baumes. Foto: QIMR Berghofer Medical Research Institute
Stoff aus Tropenfrucht zeigt auch beim Menschen erstaunliche Wirkung

Der Krebs fällt einfach ab

2014 machte eine Tropenfrucht Schlagzeilen, die im Tierversuch Krebs abtötete. Nun zeigen Experimente an Menschen ebenfalls positive Effekte.

24.08.2016
  • BARBARA BARKHAUSEN

Sydney. Immer wieder hoffen Ärzte auf ein Wundermittel gegen Krebs: Eine Spritze, und der Tumor fällt ab. Eine australische Regenwaldfrucht scheint genau solch einen Wirkstoff zu besitzen. Nachdem erste Tierversuche bereits erstaunliche Erfolge gezeigt und für erste Schlagzeilen gesorgt hatten, starteten australische Wissenschaftler im vergangenen Jahr erste klinische Studien mit Menschen.

Die ersten Phasen, die untersuchen sollten, wie sicher der Wirkstoff ist, verliefen dabei erfolgreich. Alle acht Patienten, die bisher teilnahmen, vertrugen den neuen Wirkstoff EBC-46 gut, der von der australischen Regenwaldfrucht Fontainea picrosperma, auch Fountains Blushwood genannt, stammt. Alle behandelten Tumore sprachen auf den Wirkstoff an, indem sie sich verfärbten und die behandelten Stellen abstarben.

Einer der acht Versuchspatienten war die Australierin Denise Powell. Die Frau hatte einen Tumor im Arm, und die Ärzte gaben ihr nur wenig Hoffnung, ohne eine Amputation zu überleben. Denise Powell entschied sich jedoch, EBC-46 in den Tumor injizieren zu lassen. „Innerhalb von weniger als 20 Minuten wurde der Tumor lila und dann schwarz und innerhalb weniger Tage verschrumpelte er und starb ab“, berichtete die Patientin dem australischen Fernsehsender Channel 7.

„Es ist noch zu früh, substanzielle Rückschlüsse über das Potenzial von EBC-46 in der erfolgreichen Behandlung von Menschen zu ziehen“, warnte Victoria Gordon, Geschäftsführerin von QBiotics, einer Pharmafirma in Brisbane, die das neue Krebspräparat testet. Die anfänglichen Ergebnisse während der ersten beiden Studienphasen seien aber durchaus ermutigend, vor allem, da sich positive Effekte in verschiedenen Tumortypen zeigten. Behandelt wurden bisher Hautkrebsarten wie Melanome, Plattenepithelkarzinome, Basalzellkarzinome sowie Brust-Adenokarzinomzellen (Krebs, der aus Drüsengewebe hervorgeht).

Bei Tierversuchen hatte der Wirkstoff der Regenwaldfrucht 75 Prozent aller Tumore abgetötet. Während einer achtjährigen Studie war EBC-46 insgesamt 300 Tieren, darunter Mäusen, Katzen, Hunden und Pferden, gespritzt worden. Drei Viertel aller injizierten Tumore verschwanden. „Sobald wir die Tumore damit injiziert haben, haben sie sich innerhalb von nur fünf Minuten lila gefärbt, innerhalb von zwei Stunden waren sie noch dunkler und am folgenden Tag schwarz“, berichtete Glen Boyle, der die Tierstudie am QIMR Berghofer Medical Research Institute in Brisbane geleitet hatte.

Schon damals hatten die Wissenschaftler jedoch betont, dass sich das Präparat nicht auf alle Krebsarten anwenden lässt und vor allem nicht auf eine Krebserkrankung mit Metastasen. Da das Mittel lokal gespritzt wird, eignet es sich vermutlich für Krebsarten wie Brust-, Darm-, Prostata- und Hautkrebs sowie Tumore im Kopf- und Halsbereich. Eine EBC-46-Injektion soll Tumorzellen abtöten, die Blutversorgung zum Tumor abschneiden und helfen, das Immunsystem zu aktivieren.

Obwohl die Regenwaldfrucht nach allen bisherigen Erkenntnissen das Zeug zur „Wunderfrucht“ hat – Chemotherapien oder Operationen wird sie aufgrund ihrer lokalen Wirkung nicht ersetzen. Eher könnte sie als zusätzliche Behandlungsmethode zum Einsatz kommen – bei Menschen, bei denen andere Therapien nicht geholfen haben oder bei älteren Menschen, die zu schwach für eine weitere Runde Chemotherapie sind.

Obwohl die ersten Ergebnisse so vielversprechend sind, wird es noch dauern, bis EBC-46 als Arzneimittel zugelassen wird. Die klinische Arzneimittelprüfung dauert mehrere Jahre. Nach der Studienphase I und II, in der die Dosierung und Verträglichkeit einer neuen Substanz getestet werden sowie die Definition der Krankheitsbilder, folgen in der Phase-III Studien über die Wirksamkeit der Therapie bei bestimmten Erkrankungen. In der Regel wird die Standardtherapie mit einem Scheinmedikament (Placebo) verglichen. Ein zufällig ausgewählter Teil der Patienten erhält die neue Therapie, der andere Teil die bereits etablierte oder das Placebo. Unter Phase IV der klinischen Prüfung versteht man die Studien nach der Einführung des Mittels im klinischen Alltag.

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24.08.2016, 06:00 Uhr
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