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Palazzo

Der König bittet zu Tisch

In der 16. Dinner-Show von Harald Wohlfahrt tauchen die Gäste in die Zeit der Burgen und Schlösser ein. Regisseur Maximilian Rambaek interpretiert die Geschichte von Prinz und Prinzessin neu.

19.11.2019

Von Melissa Seitz

Frédérique Cournoyer-Lessard schwingt an einem Ring oder an Ketten durch das Zirkuszelt. Foto: Ferdianndo Iannone

Stuttgart. Spätestens als sich Olivia Porter torkelnd ihren Weg auf die Bühne bahnt, die düstere Musik der 17-jährigen amerikanischen Pop-Sängerin Billie Eilish ertönt und sich die Artistin dazu wie ein Zombie bewegt und dabei noch jongliert – spätestens dann merkt das Publikum, dass das neue Programm in Harald Wohlfahrts „Palazzo“ auf dem Cannstatter Wasen rein gar nichts mit dem eingestaubten Image eines Varietés zu tun. In der neuen Inszenierung tauchen die Gäste in die Zeit der Königshäuser, Ritter und Edelfrauen ein. Konservativ, wie man es von Geschichten über edle Helden und schöne Burgfrauen erwarten würde, ist die Story überhaupt nicht. Regisseur Maximilian Rambaek verpasst mit der Show „Kings and Queens“ dem „Palazzo“ einen modernen Touch.

Der König, sorgt sich um seine älteste Tochter, die seinem Geschmack nach viel zu emanzipiert ist, sich mit den falschen Leuten abgibt – und sich überhaupt nicht wie eine Prinzessin gibt: Piercing in der Nase, dunkles Augen-Make-Up und schrille Kleidung. Der König schmeißt ein Fest, in der Hoffnung, bei dieser Veranstaltung einen Gatten für seine Tochter zu finden. Unter den Gästen: Ordensbrüder, Ritter, Wachen – und eben die leicht beschwipste Schwester des Königs, gespielt von Olivia Porter.

Drei Akte und vier Gänge

Die aufwendig inszenierte Show ist eine Komödie in drei Akten und mit einem Vier-Gänge-Menü. Harald Wohlfahrt, der Namensgeber des „Palazzos“, hat wieder ein außergewöhnliches Menü kreiert. Wenn die Prinzessin sich mit einem ihrer Verehrer zum Abendessen trifft, bekommen auch die Gäste ein leckeres Mahl serviert: Rinderrücken an Bohnengemüse mit provenzalischer Kräuterkruste und Sherryessig- Jus. Oder für Vegetarier: rote Bete mit Ziegenfrischkäse, glasiertem Gemüse und Meerrettichschaum.

Gerade erst ist der letzte Bissen geschluckt, schon werden die Teller von den Kellnern eingesammelt. Wer an einem Platz in der Manege sitzt, kann schnell Teil des Programms werden. An einem großen runden Tisch werden nicht nur die Teller abgeräumt, auch Gläser, Besteck und Tischdecke müssen weichen.

Die unscheinbaren Ordensbrüder nutzen den Tisch als Bühne und zeigen, was in ihnen steckt. Die Zwillinge Roman und Slava Zhovnytskyy bringt so schnell nichts aus dem Takt. Die beiden zeigen Stepptanz vom Feinsten. Auch wenn ihnen der Schweiß nur so von der Stirn tropft, sie verziehen keine Miene. Nur ab und zu zwinkern sie weiblichen „Palazzo“-Gästen neckisch zu. Mit der Keuschheit scheint es der Klerus nicht all zu ernst zu nehmen.

Feuchtfröhlich und lasziv

Heiß geht es her, wenn Artistin Frédérique Cournoyer-Lessard mitten in der Manege ein Bad nimmt. Sie taucht ins Wasser ein, lässt sich von Stahlketten in die Luft ziehen und wirbelt durch das Zelt. Sexy, lasziv und feuchtfröhlich. Bei solch einem Anblick kann der König, verkörpert von Jean-Pierre Poissonnet, nicht widerstehen und gesellt sich zu ihr. Nicht nur seine Tochter hat ihre große Liebe gefunden, auch das Herz des Königs wurde erobert.

Bevor, zum Abschluss der Show, den Gästen eine französische Opéra-Schnitte an Mango-Orangen-Salat und Kokoseis serviert werden kann, muss die Beleuchtung noch repariert werden. Schließlich sollen sie sehen, was ihnen serviert wird. Einer der 140 Kronleuchter im „Palazzo“ hat den Geist aufgegeben. Luciano Martini will sich der Sache annehmen, doch die Leiter will einfach nicht das machen, was er will. Damit er doch noch die Birnen austauschen kann, ist Unterstützung aus dem Publikum gefragt.

Wer nach circa drei Stunden Show-Erlebnis das „Palazzo“ verlässt, tut das nicht nur mit vollem Magen, sondern auch mit einem neuen Blick auf die Varieté-Welt. Was Regisseur Maximilian Rambaek, Spitzenkoch Harald Wohlfahrt und das gesamte Team geschaffen haben, ist majestätisch, modern und mitreißend.

Info: Die Show „Kings and Queens“ in wird noch bis zum 15. März in dem Zirkuszelt auf dem Cannstatter Wasen gezeigt. Karten gibt es im Internet auf www.palazzo.org

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Erstellt:
19. November 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. November 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 06:00 Uhr

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