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München

Der "Kaufmann" an den Kammerspielen

Er könnte auch Muslim, Roma oder schwul sein: Ausgrenzung ist das Thema von "Der Kaufmann von Venedig" an den Münchner Kammerspielen.

15.10.2015
  • BARBARA REITTER

München "Hat nicht ein Jude Hände, Organe, Glieder, Sinne, Neigungen, Leidenschaften?" Jeder kennt den Monolog des Geldverleihers Shylock aus Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig". Doch in der Inszenierung von Nicolas Stemann, neuer Hausregisseur der Kammerspiele unter Intendant Matthias Lilienthal, hört sich das so an: "Hat nicht ein Muslim . . . Roma . . . Schwuler . . . eine Frau . . .", verteilt auf mehrere Figuren. Holzhammermäßig die Kritik an Ausgrenzung in einer Aufführung, die nicht gerade sensibel mit Modernismen aufgepeppt wurde. Zwar ist Stemanns Zugriff vom Handwerklichen her durchaus klug und interessant, aber das ohnehin schwierige Zwitterstück zwischen Komödie und Tragödie wurde so stark dekonstruiert, dass die Teile kaum mehr ineinander passen. Schwacher Beifall mit einigen Buhs zur Spielzeiteröffnung.

Aufbruch heißt das neue Zauberwort am Münchner Traditionshaus, Innovation, am liebsten totale Erneuerung des Theaters. Das gelingt in dieser rauen Arbeit zumindest zum Teil. Das optische Setting: zunächst eine Art cooles Hipsterbüro mit Börsenkursen, denn es geht ja um Liebe und Geld - alles schwarz, die Jugendstil-Deko des Theaters unter Plastikplanen versteckt, über die ein rotes Band läuft. Blut als Symbol für kommendes Unheil. Doch bevor der Jude nicht nur aufs Neue ausgegrenzt, ja mit juristischer Sophisterei ausgetrickst wird, gibt es auf der Bühne die große Trash-Party mit Conchita Wurst, mit tollem Jazz-Gesang, mit Mummenschanz und Maskenspiel in verwirrend häufigen Rollenwechseln.

Die sechs Darsteller müssen nicht nur alle einmal den Shylock spielen, sie befragen den Text, indem sie ihn mal singen, mal ablesen, fragmentieren oder chorisch skandieren. Sie reagieren scheinbar spontan auf Handy-Geräusche oder erzählen Blondinenwitze, um dann wieder zu ganz intensiven Spielpassagen zu finden. Kurz, sie lösen die dramatische Struktur auf, so dass die Aufführung trotz einiger starker Momente zwischen Effekthascherei und Inhomogenität hängen blieb.

Info Nächste Aufführungen heute sowie am 22. und 23. Oktober.

Der "Kaufmann" an den Kammerspielen
"Der Kaufmann von Venedig" (v. l.): Jelena Kuljic, Thomas Schmauser, Julia Riedler. Foto: David Baltzer / Bildbühne

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15.10.2015, 12:00 Uhr
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