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Nahost

Der IS organisiert sich neu

Der Anti-Terror-Kampf gegen die Dschihadisten im Irak und in Syrien ist noch lange nicht gewonnen.

15.12.2018

Von Martin Gehlen

Bagdad. Vor einem Jahr überschlugen sich Siegeshymnen. Ganz Irak sei vom IS gesäubert, jubelte Bagdad, nachdem das russische Oberkommando zwei Tage zuvor das Ende des Kalifates auf syrischer Seite ausgerufen hatte.

Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Vor allem in den Provinzen Niniveh, Kirkuk, Diyala und Anbar macht der IS wieder mobil. Immer häufiger kommt es zu Kidnappings, falschen Straßensperren und Bombenanschlägen. 75 Terroraktionen registrieren die irakischen Behörden zurzeit pro Monat – mehr als während der Schlussphase im Jahr 2016. Lokale Politiker werden ermordet, um Chaos zu sähen und den Wiederaufbau der Wirtschaft zu torpedieren. In Mosul explodierte kürzlich vor einem populären Restaurant die erste Autobombe seit der Befreiung der Stadt vor anderthalb Jahren und tötete drei Gäste. „Mögen die Sicherheitskräfte auch tagsüber präsent sein, die Nacht gehört dem IS“, klagen die Bewohner.

Auf syrischer Seite verteidigen die Dschihadisten seit einem Jahr ihre letzte Enklave rund um das Euphrat-Städtchen Hajin. Ende November starteten sie eine Gegenoffensive und töteten mehr als 90 Angehörige der Syrisch-Demokratischen Streitkräfte (SDF), die von US-Spezialisten trainiert werden.

30 Soldaten gerieten in IS-Gefangenschaft und wurden auf Propaganda-Kanälen im Internet vorgeführt – der bisher schwerste Verlust für die von den USA ausgerüsteten arabisch-kurdischen Brigaden, die diese Woche einen ersten Sturmangriff auf Hajin versuchten.

Versteck des „Kalifen“

Mindestens 3000 Kämpfer vermuten westliche Nachrichtendienste in dem dünn besiedelten Gebiet, die Mehrzahl Ausländer, darunter auch Deutsche. In dem 50 Quadratkilometer großen Kalifatsrest, der gespickt ist mit Minen, Sprengfallen und Tunneln, hält sich wahrscheinlich auch der selbsternannte Kalif Abu Bakr al-Baghdadi versteckt. Und so mahnte kürzlich Maxwell B. Markusen vom „Center for Strategic and International Studies“ in Washington zu mehr Nüchternheit. Von einem Sieg über den IS könne keine Rede sein, schrieb der Politologe. Wie schon vor seinem Aufstieg im Sommer 2014 profitiert er auch jetzt wieder von der Frustration der Bevölkerung und der politischen Lähmung in Bagdad. Der Wiederaufbau der Trümmerstädte kommt nicht voran. Zwei Millionen Iraker hausen in Flüchtlingslagern.

Trotz der hohen IS-Verluste schätzt das Pentagon die Zahl der Dschihadisten im Irak und Syrien auf 20 000 bis 30 000, das sind in etwa so viele wie zu Beginn des Kalifates. Die Organisationsstruktur sei relativ intakt, die Gruppe finanziell gut gepolstert, heißt es in der Studie. Das Kalifat sei dabei wieder aufzuerstehen als Guerilla-Bewegung. prognostiziert das US-Verteidigungsministerium.

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Erstellt:
15. Dezember 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Dezember 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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