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TAGBLATT-Redakteurin Ulla Steuernagel wäre fast einem Betrüger auf den Leim gegangen

Der Herr Schmidt von der Fake-Polizei

Eines schönen Frühlingsabends klingelt das Telefon. Das übliche Spielchen: „Das ist sowieso für dich!“ „Nein, sicher nicht. Ich hör schon am Läuten, dass es für dich ist!“ Der oder die Neugierigste am Tisch zieht immer den Kürzeren. Also ich.

15.05.2018

Von ust

Symbolbild: ©lassedesignen - stock.adobe.com

Am anderen Ende meldet sich die „Polizei Reutlingen“ und ein „Polizeiwachtmeister Schmidt“. Ein Anruf von der Polizei, und bei den meisten Angerufenen gehen gleich die Blaulichter an. So auch bei mir: Was ist passiert, wo sind die Kinder? Könnte der Anruf mit einem von ihnen zu tun haben?

Der Mann am anderen Ende lässt mich zappeln. Ist er überhaupt noch dran? Ich schau auf das Display des Apparates und lese „07121-110“. „Was ist los?“ frage ich mit merkbar unruhiger Stimme. Wieder dauert es, bis der Mann etwas sagt: „Ich möchte Sie bitten, sofort alle Türen und Fenster zu schließen!“ Ich gebe den Erkennungslaut aller Begriffsstutzigen von mir: „Hä?“ Er wiederholt die Ansage. Mir fällt dazu wieder nichts anderes ein als „Hä?“ Das könnte jetzt noch pingpongartig so weitergehen.

Endlich erlöst mich der Wachtmeister von meinen Qualen. Er sagt: „Bei Ihnen in der Gegend sind Einbrecher unterwegs, deshalb sollten Sie sofort alle Türen und Fenster schließen!“

Wenn er sagen würde: Ich sollte sofort mein Portemonnaie öffnen und alle darin enthaltenen Scheine essen, wäre mir das auch nicht sinnvoller erschienen. Ich hätte also gut und gerne noch ein paar „Häs“ übrig gehabt. Ich rufe also meinem Mann zu: „Du, da ist ein Polizist aus Reutlingen am Telefon, der sagt, es sind Einbrecher in der Gegend. Wir sollen Türen und Fenster schließen!“ Mein Mann geht gemessenen Schrittes auf den Balkon und lässt die Tür als Grußbotschaft an alle Einbrecher sperrangelweit offen.

„Hallo?“ frage ich ins Telefon. Aber der Anrufer ist plötzlich weg. Die 110 finde ich auch nicht im Telefonspeicher. Sie ist verschwunden. Ich werfe einen Blick auf die Nachbarschaft: Trotz lauem Abend sitzt niemand draußen. Haben die sich jetzt alle verbarrikadiert?

„Das ist doch völliger Blödsinn!“ sagt mein Mann. „Aber wozu das Ganze?“, frage ich. Und rekapituliere: Es war keine Kinderstimme und nein, lieber Boris Palmer, es war auch keine gebrochen deutsch sprechende Stimme. Und warum um alles in der Welt sollte irgendein Einbrecher vor sich warnen oder von potenziellen Opfern verlangen, dass sie sich verrammeln?

Doch so langsam dämmert mir was: Ein Trickbetrüger hat’s bei mir versucht. Am meisten wundert mich nun, dass ich da nicht gleich drauf gekommen bin.

Als nächstes hätte mich der Anrufer vermutlich gefragt, ob ich Wertsachen im Haus habe, und dann wäre mir das generöse Angebot gemacht worden, dass die Polizei diese Dinge vorläufig in Gewahrsam nimmt. Ich nehme mal zu meinen Gunsten an, dass ich darauf nicht reingefallen wäre. Doch ich kann’s nicht beweisen, der Anrufer hatte vorher aufgelegt. Vermutlich schreckte ihn die Anwesenheit einer zweiten Person im Haus ab.

Aus meinem abgekürzten Vornamen im Telefonbuch hatte er zuvor geschlossen, dass ich eine allein lebende Frau bin (dringende Bitte an alle Männer, auch ihre Vornamen abzukürzen!), und Frauen sind für solche Tricks vermutlich die leichtere Beute. Schade, sage ich mir, wäre ich nicht so begriffsstutzig gewesen, hätte doch ich den Trickser reinlegen und ihn mit der echten Polizei im Haus empfangen können. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

Ich bin jetzt vorgewarnt und will in Zukunft nicht jede dramatisch gesetzten Pause am Telefon mit kopfloser Panik füllen. Und das habe ich zudem noch gelernt: Der echte 110-Notruf kennt keine Vorwahl. Die signalisiert gleich: Fake-Anruf, Fake-Polizei, Fake-Gefahr!

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Erstellt:
15. Mai 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Mai 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2018, 01:00 Uhr

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