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Valeri Lobanowski, der Vater des modernen Fußballs

Der "Held der Ukraine" hinterließ weltweit Spuren

Valeri Lobanowski revolutionierte Ende des vergangenen Jahrzehnts den Fußball. Sein Heimatland Ukraine hat nicht davon profitiert.

29.05.2012

Von GEROLD KNEHR

An seiner Beerdigung im Frühjahr 2002 nahmen über 200 000 Menschen teil. Posthum wurde ihm der Titel "Held der Ukraine" verliehen, nach ihm ist das Stadion von Dynamo Kiew benannt.

Dabei wird Trainerguru Valeri Lobanowski in erster Linie mit dem russischen Fußball in Verbindung gebracht. Das rührt daher, dass zu einstigen Sowjet-Zeiten die Ukraine noch kein eigener Staat war. Erst ab 1991 trat die Ukraine unter eigener Flagge zu Fußballspielen an.

Doch immer schon spielten Ukrainer in der russischen Nationalmannschaft eine große Rolle - nicht zuletzt auch Lobanowski, von 1975 bis 1990 mit zwei Unterbrechungen russischer Nationaltrainer. In der Endphase seiner Trainerkarriere beobachtete der gebürtige Kiewer Buddha-gleich, scheinbar ohne physische und psychische Regung das Spielgeschehen.

Geistig jedoch war Lobanowski, der sich als Trainer mit Russland 1988 im EM-Finale den Niederlanden geschlagen geben musste, hellwach. Ohne ihn sähe der heutige Fußball weltweit ganz anders aus. Er kreierte das heute vorherrschende Fußball-System. Statt eines Libero und zwei Manndecker installierte er eine Vierer-Abwehrreihe, ein aggressives Pressing , das schnelle und steile Spiel in die Spitze - Fußball, wie man ihn heute kennt.

Als Lobanowskis Team Dynamo Kiew im Winter 1984 ihr Trainingslager an der Sportschule Ruit abhielt und ein Freundschaftsspiel gegen Viktoria Backnang bestritt, wurde deren Trainer Ralf Rangnick auf dieses neue System aufmerksam. "Ständig haben die uns zu zweit oder dritt attackiert. Da spürte ich zum ersten Mal: Das ist ein anderer Fußball", so Rangnick. Ende der 1990er-Jahre setzte er es mit dem SSV Ulm 1846 um. Nicht zuletzt deswegen gelang den Spatzen der Sprung in die Bundesliga.

Auch Arrigo Sacchi ließ mit dem AC Mailand wie Lobanowski spielen. Binnen weniger Jahre setzte es sich durch. Griechenland war 2004 die letzte Mannschaft, die noch mit Libero spielte.

"Lobanowski war ein gebildeter Mann und ein guter Psychologe. Im Training ließ er sehr gezielt arbeiten und bestimmte Spielsituationen simulieren. Er wusste immer genau, was er tat", sagt der mittlerweile 35 Jahre alte ukrainische Rekord-Nationalspieler Andrej Schewtschenko über Lobanowski.

Ironie des Schicksals: Während das Lobanowski-System sich weltweit durchgesetzt hat, stagnierte der ukrainische Fußball. Nur einmal, 2006, konnte sich die Ukraine für eine WM qualifizieren. Die jetzige EM ist für den Co-Gastgeber Neuland. Immerhin ein Trost wird Lobanowski zuteil: Das Finale findet in Kiew statt, in jenem Stadion, das seinen Namen trägt.

Valeri Lobanowski 2001, wenige Monate vor seinem Tod.

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Erstellt:
29. Mai 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Mai 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2012, 12:00 Uhr

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