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China

Der Handelskrieg hinterlässt tiefere Spuren

Im zweiten Quartal ist die Wirtschaftsleistung so gering wie seit 27 Jahren nicht mehr gewachsen. Dafür steigen die Schulden immer höher.

16.07.2019

Von FELIX LEE

Ein Wirtschaftswachstum von 6,2 Prozent im zweiten Quartal – von einem solchen Wert können andere Volkswirtschaften nur träumen. In China macht sich dennoch Krisenstimmung breit. Es ist nicht nur der niedrigste Wert seit 27 Jahren. Ein genauer Blick auf die am Montag veröffentlichten Einzeldaten offenbart, dass der von US-Präsident Donald Trump entfachte Handelskrieg tiefe Spuren in der chinesischen Wirtschaft hinterlässt.

Der Handelsstreit wirkt sich besonders auf Chinas Außenhandel aus. Der hat seit Jahresanfang um 2 Prozent, im Juni sogar um 4 Prozent abgenommen. Im Süden des Landes, einst bekannt als Werkbank der Welt, ist der Rückgang bereits zu sehen. Reihenweise machen dort die Fabriken dicht. Besonders schlecht sieht es auch für die Autoindustrie aus: In der ersten Jahreshälfte fiel der Fahrzeugabsatz um 14 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Seit vergangenem Jahr überziehen sich die beiden weltgrößten Wirtschaftsmächte gegenseitig mit immer höheren Zöllen. Trump wirft den Chinesen unfaire Handelspraktiken vor, darunter Dumpingpreise, Technologieklau und Währungsmanipulation. China bestreitet das – hat aber seinerseits mit Strafzöllen auf US-Einfuhren vor allem aus dem Bereich der Landwirtschaft reagiert. Noch im Mai gab sich Chinas Führung selbstbewusst. Denn im ersten Vierteljahr hatte es noch zu einem Wirtschaftswachstum von 6,4 Prozent gereicht.

Nicht mehr ganz so abhängig

Ökonomen betonen zwar, dass China inzwischen nicht mehr ganz so exportabhängig ist wie in der Vergangenheit. Die Exporte machen aber immer noch fast ein Fünftel der Wirtschaftsleistung aus. Die „schwache Auslandsnachfrage“ werde auch in der zweiten Jahreshälfte „eine der größten Herausforderungen sein“, warnt der Ökonom und Analyst Zhang Yi. Für das Gesamtjahr hält die kommunistische Führung dennoch an dem selbst gesteckten Ziel fest, für das Land ein Wachstum zwischen 6,0 und 6,5 Prozent zu erreichen.

Dieses Ziel wird allerdings teuer erkauft. So hat Peking bereits Steuersenkungen in Höhe von umgerechnet über 200 Mrd. EUR beschlossen. Auch die Bedingungen für die Kreditvergabe hat man gelockert. Zudem ermutigt die Führung die Kommunen, mehr Kredite über Anleihen aufzunehmen, um in die Infrastruktur zu investieren. Auf die Industrie scheint das positive Auswirkungen zu haben. Produktion und Einzelhandelsumsätze legten im Juni um 6,3 und 9,8 Prozent zu.

271 Prozent des BIP

Diese Maßnahmen dürften Chinas Schulden jedoch weiter in die Höhe treiben. Die Gesamtverschuldung ist nach einer Schätzung der Finanznachrichtenagentur Bloomberg auf 271 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) gestiegen – von 164 Prozent vor der globalen Finanzkrise 2008.

Was Investoren aus dem Ausland freuen dürfte: Ebenfalls um die Wirtschaft anzukurbeln, hat die chinesische Regierung eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die es für ausländische Unternehmen einfacher machen soll, in China Geschäfte zu tätigen. Auch geistiges Eigentum soll besser geschützt werden. Beides waren zentrale Forderungen der USA im Handelsstreit.

Trump hat keine Eile

Mit diesen Zugeständnissen scheint sich Trump jedoch nicht mehr zufrieden zu geben. Zwar verhandeln beide Seiten seit vergangener Woche wieder miteinander. Doch Trump hat deutlich gemacht: Er habe keine Eile.

Keineswegs nur ihm, sondern vielen in den USA geht es nicht mehr nur um fairere Marktzugänge, ausgeglichenere Handelsbilanzen und der Einhaltung von Urheberrechten. Einer Mehrheit der Amerikaner geht es um den Bestand ihrer Nation als führende Weltmacht. Je mehr das Reich der Mitte wirtschaftlich und technologisch aufholt, desto mehr wendet sich die Stimmung in den USA gegen China.

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Erstellt:
16. Juli 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Juli 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2019, 06:00 Uhr

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