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Zeit, dass sich was dreht

Der Grüne Thomas Poreski entspannt und sinniert gerne auf dem Monte Kiki

Der Monte Kiki ist ein kleiner Hügel und doch erhaben genug, dass der Blick ungehindert in die Ferne schweifen kann. Für Thomas Poreski, den Landtagskandidaten der Grünen, ist es ein Ort der Kontemplation.

10.02.2011

Von uschi kurz

Reutlingen. Thomas Poreski, der mit seiner Familie im nahe gelegenen Hohbuch wohnt, kommt regelmäßig hierher. Mit dem 15-jährigen Sohn zum Kicken („Sein Herz schlägt leider für Bayern München“) und alleine zum Entspannen und Nachdenken. Einmal in der Woche muss er sich mit dem Mountainbike austoben, das braucht er fürs körperliche Wohlbefinden. Und wenn er dann von einer Tour zurückkommt, führt sein Weg über den Sportpark. Auf jenen Hügel hinter dem Stadion, der einst zur Landesgartenschau vom damaligen Gartenbauamtsleiter Peter Kik aufgeschüttet – und dann nach ihm benannt wurde.

Kandidaten zur Landtagswahl: Thomas Poreski (Grüne)
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Kandidaten zur Landtagswahl: Thomas Poreski (Grüne) --

04:01 min

Ein leises Lüftchen weht. Poreski ist heute mit seinem selbst entwickelten Faltfahrrad unterwegs. Oben angekommen, schneidet er eines seiner Lieblingsthemen an: den Windkraft-Standort Neckar-Alb. Einem Gutachten zufolge, die zweitbeste Region Deutschlands für diese Energiegewinnung „und die am schlechtesten genutzte“. Der 47-Jährige kann nicht verstehen, dass sich in der Region nicht mehr Windräder drehen. Auf dem Monte Kiki, dem Rückzugsort vieler Spaziergänger, würde er freilich keines aufstellen lassen, aber gegenüber am Rande des Moto-Cross-Geländes, auch die nahe gelegene Deponie wäre ein rentabler Standort.

„Umweltverträgliche Technik“, das ist ein Steckenpferd von Poreski, der sich selbst als „schwäbischen Tüftler“ bezeichnet und schon mehrere Patente angemeldet hat. Unter anderem für das Faltfahrrad, das von einem Freund in Pforzheim produziert und vertrieben wird. Mit wenigen Handgriffen wird es so klein wie ein Koffer und passt als Handgepäck in jeden ICE. Das Tüfteln fange ganz banal an, sagt er.

Entspannung und gleichzeitig Inspiration findet Thomas Poreski auf dem Monte Kiki. Für pfiffige Einfälle ist das Notizbuch immer rasch zur Hand.Bild: Haas

Während einer langweiligen Zugfahrt, beginnt er zu zeichnen. Immer sind es Dinge für den Eigenbedarf, die da Gestalt annehmen. Seine jüngste Erfindung, ein „Wipproller“, der zusammen mit einem schwäbischen Integrationsunternehmen entwickelt wurde, „liegt gerade auf Eis“. Drei bis vier Jahre bis zur Produktion seien aber nichts Ungewöhnliches, meint der Sozialpädagoge: „Einen langen Atem braucht man schon.“

Einen langen Atem hat Poreski auch in der Politik. Viele Jahre hat der Sozialexperte im Hintergrund gearbeitet. Von 1994 bis 2001 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Grünen im Bundestag. Unter anderem trägt der Armuts- und Reichtumsbericht und die Kindergrundsicherung seine Handschrift. Später hat er zusammen mit Manuel Emmler die Grundlagen für das „grüne Grundeinkommen“ entwickelt. Eine vereinfachte Version davon hat seine Partei für Baden-Württemberg beschlossen: „Das Modell funktioniert und ist finanzierbar.“

Obwohl er nur während der Sitzungswochen in Berlin weilte, zog es Poreski ins Ländle zurück. „Zwei Nächte in der Woche darfst du wegbleiben“, sagte seine damals achtjährige Tochter, als er 2002 beim Diakonischen Werk anfing. Mit bundesweiten Aufgaben betraut, hielt er sich zwar an die Vorgabe, saß aber jährlich „50 000 Kilometer im Zug“.

Motiviert durch seine Frau Özlem Isfendyar ließ er sich 2005 für den Bundestag aufstellen, als „Zählkandidat“, wie er unverblümt einräumt. Jetzt möchte er alles daran setzen, in den Landtag zu kommen. Nicht trotz, sondern gerade wegen seiner bundespolitischen Erfahrung, sieht er in der Landespolitik enorme Gestaltungsmöglichkeiten: Ob in der Sozial- oder in der Energiepolitik, überall nutze der Landtag seinen Spielraum nicht aus. In der Vernetzung von Bundes- und Landespolitik erkennt er deshalb seinen Schwerpunkt, eine Art „Brückenfunktion“.

Nur 20 Stimmen haben seiner Frau Özlem 2001 zu einem Einzug in den Landtag gefehlt. Genauso knapp ist Beate Müller-Gemmeke vor fünf Jahren gescheitert. Ein wenig fürchtet Poreski nun, dass es ihm ähnlich ergehen könnte. „Der Promifaktor“ seines Konkurrenten, dem SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid sei nicht unterschätzen, sagt er. Gleichzeitig baut er darauf, dass die Reutlinger endlich ihre Chance nutzen, statt drei, vier Abgeordnete nach Stuttgart zu schicken: „Jede Stimme ist unheimlich viel wert.“

Auch wenn sich das Erscheinungsbild vieler Grünen mittlerweile in Richtung Anzug- und Krawattenträger gewandelt hat, verbiegen lassen will sich Poreski nicht. Bei einem seiner Vorstellungsgespräche war er der einzige Bewerber, der ohne Krawatte auflief. Darauf angesprochen, meinte er: „Ab Botschafter aufwärts“ könne man mit ihm darüber reden. Er hat die Stelle dennoch bekommen.

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Erstellt:
10. Februar 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
10. Februar 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2011, 12:00 Uhr

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