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Der Grabert-Verlag im Vortrags-Visier

Tübingen gilt als Verlagsstadt, spätestens seit Cottas Tagen und danach bis in die Gegenwart hinein. Aber auf ein Verlagsimperium, das lieber im Verborgenen wirkt, ist man hier nun weniger stolz: Mit dem Grabert-Verlag (und dem ihm angeschlossenen Hohenrain-Verlag) beherbergt die Universitätsstadt eins der geschichtsrevisionistischen Flaggschiffe der ganz und gar nicht abgetakelten rechtslastigen Publikations-Armada.

29.04.2010
  • Wilhelm Triebold

Genaue Zahlen über den Grabert-Verlag, dessen Inhaber Wigbert Grabert wegen diverser zu verantwortender volksverhetzender Schriften bereits mehrfach verurteilt wurde, sind aber nicht so leicht zu bekommen. Auch die beiden Referenten, die am Dienstagabend in der Volkshochschule (in der Reihe „Vom braunen Hemd zur weißen Weste?“) über Grabert berichteten, konnten damit nicht dienen. Und doch zeichneten sie ein klar konturiertes Bild von diesem Sturmgeschütz der Demokratieverachtung.

Das Dozenten-Duo „Philipp Reisinger“ und „Lucius Teitelbaum“ heißt keineswegs so. Ihre Klarnamen wollen die beiden Grabert-Experten aber nicht preisgeben; der Teufel spielt gern Eichhörnchen. „Reisinger“ also ist ein älterer, über der Grabert-Beobachtung in Ehren ergrauter Antifaschist, während der 25-jährige „Teitelbaum“ normalerweise Geschichte studiert und sich das Pseudonym mit dem jüdischen Zungenschlag, wie er dem TAGBLATT verriet, eher nichtsahnend zugelegt hat: „Das war der Spitzname des Vaters eines Kumpels – aber ich finde es so auch nicht schlecht!“

Wer noch nicht allzu viel über die Aktivitäten des Grabert-Verlags wusste, wurde von den beiden gründlich genug informiert. „Reisinger“ erklärte den rund 70 Zuhörern zuerst den Schoß, aus dem das kroch: Die neuheidnisch bündelnde „Deutsche Glaubensbewegung“ um den obskuren Tübinger Theologen und Indologen Jakob Wilhelm Hauer, dessen Kreis auch Verlagsgründer Herbert Grabert angehörte.

Herbert Grabert wandte sich zwar von Hauer ab, aber nur, um sich dem Nationalsozialismus zuzuwenden. Nach Kriegsende (und der missglückten Hochschulkarriere) wurde er rechter Publizist. „Reisinger“ skizzierte die Traditionslinien, die sich wie ein brauner Faden durch die Verlagsgeschichte ziehen: Die Weißwäscherei des „Dritten Reichs“ gehört ebenso dazu wie das Leugnen des Holocausts, vor allem der Mordmaschinerie.

Erst 1973 entstand aus dem Zeitschriftenverlag (mit seinem Parade-Periodikum „Deutschland in Geschichte und Gegenwart“) in Tübingen der Grabert-Buchverlag. Bestseller schlechthin war da schon David Hoggans Kriegsschuld-Wälzer „Der erzwungene Krieg“, mit über 100 000 verkauften Exemplaren bis heute wichtige finanzielle Stütze des (seit 1978 von Sohn Wigbert geleiteten) Verlags.

Weiteres Beispiel für Graberts Programm war diesmal Wilhelm Stäglichs „Auschwitz-Mythos“, nicht aber das Machwerk des Holocaustleugners Germar Rudolf alias Ernst Gauss („Grundlagen der Zeitgeschichte“), das Wigbert Grabert eine happige Geldstrafe nebst Titel-Indizierung einbrachte. „Das Haus Grabert hat sich vermutlich eine Spitzenstellung bei den Indizierungen oder Verurteilungen im Vergleich mit anderen extrem rechten Verlagen erarbeitet“, so „Teitelbaum“.

Viele der verbotenen Bücher können allerdings übers Internet aufgerufen werden, „somit haben die Indizierungen oder Urteile nur symbolischen Wert.“ Für die Referenten wäre eine öffentliche Ächtung des Verlags angebracht – „wäre das“, fragte „Reisinger“ wiederum, „nicht eine kommunalpolitische Aufgabe?“

Der Grabert-Verlag im Vortrags-Visier
Nanu – ist das der „Fisch Fasch“ von Bert Brecht, oder der Ritter von der fischigen Gestalt? Weit gefehlt: Dies ist das krude Grabertsche Verlags-Logo früher Jahre.

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29.04.2010, 12:00 Uhr
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