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Der Gott der harten Hunde
Lemmy Kilmister beim Konzert in Ludwigsburg. Foto: Martin Kalb
Zum Tod von Motörhead-Frontmann Lemmy

Der Gott der harten Hunde

Zwei Tage nach seinem 70. Geburtstag erfährt er, dass er Krebs hat. Noch zwei Tage, und er ist tot. Zuvor prägte Motörhead-Sänger und -Bassist Lemmy Kilmister mehr als 40 Jahre lang die Rockmusik.

30.12.2015
  • CLAUDIA REICHERTER

Los Angeles. Mit vier Freunden Mitte der 90er in einem retortenstadttypischen Wohnklo in den französischen Alpen. Die Studenten wollen jede Sekunde der Liftbetriebszeit nutzen während eines Urlaubs, den sie sich gar nicht leisten können. Der Spaß am Tiefschnee übersteigt jede Vernunft - und Lemmy hilft beim "Aufstehn!". Das brüllt der Frontmann der Rockband Motörhead am Ende des 1993er-Speed-Rock-Krachers "Death Or Glory", den der härteste Hund unter den Kumpels morgens um fünf-Uhr-irgendwas im Rekorder voll aufdreht. Dem Weckruf keines anderen als dem 1945 geborenen Ian Fraser Kilmister, seit seiner Jugend auf der nordwalisischen Insel Anglesey und im malerischen Küsten-Burg-Städtchen Conwy wohl aufgrund des oft genuschelten Schnorrerspruchs "lemme a quid. . ." (leih mir ein Pfund) von allen nur noch "Lemmy" genannt, wären wir um diese Zeit je gefolgt.

Am 28. Dezember, vier Tage nach seinem 70. Geburtstag, ist der glühende Little-Richard-, Elvis- und Beatles-Fan mit der rauen Brachialstimme, der Ex-Roadie und Drogenkurier von Jimi Hendrix, in seiner Wahlheimat Los Angeles an Krebs gestorben. Er galt als Dauer-Säufer und Alles-Schlucker, war Nazi-Utensilien- und Militaria-Sammler, trug zwei fette Fibrome an der linken Backe, konnte Frauen gegenüber durchaus als bekennendes Macho-Arschloch auftreten und war Vater von zwei Söhnen, von denen er einen nie kennengelernt hatte.

Auch wenn er schon in den letzten Interviews und Konzerten - im Südwesten trat er mit Motörhead letztmals am 25. November in der MHP-Arena in Ludwigsburg auf - extrem zerbrechlich gewirkt hatte, erfuhr er von seiner Erkrankung wohl erst zwei Tage zuvor und starb angeblich an der Spielkonsole sitzend, die er kurz zuvor von seiner nahen Stammkneipe bekommen hatte, in seiner Wohnung.

Das passt zu einem der Sprüche, für die der schon früh als Legende geltende Musiker genauso berühmt war wie für seine von Kollegen wie Ozzy Osbourne, Henry Rollins, James Hetfield und Dave Grohl bewunderten treffsicheren Texte zwischen dem hedonistischen "Ace Of Spades" und dem bitteren "Don t Let Daddy Kiss Me": "Wenn ich gehe, dann während ich das tu, was ich am besten kann."

Am besten beherrschte er neben "Aufstehn!"-Röhren, Bassspielen, Whisky-Cola-Kippen (erst ganz zum Schluss hatte er sich angeblich der Gesundheit wegen dem Wodka-Orange zugewandt) und der Geschichte der beiden Weltkriege das Spiel am Einarmigen Banditen.

Die posthume Glorifizierung war dem Ex-Rockin -Vickers- und Hawkwind-Mitglied ein Graus. Lemmys Status als unbeirrbarer Lebemensch, Metal- und Biker-Ästhet, als eine der wenigen wahren Ikonen des Show-Biz und prägender Rockmusiker der vergangenen 40 Jahre war ihm jedoch schon zu Lebzeiten sicher. "Aufstehn!" wird dieser Engländer, der gern blasphemisch mit Gott verglichen wird, nicht mehr. Aber ganz wegsein auch nicht.

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30.12.2015, 08:30 Uhr
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