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OB Palmer bekam Post: Bahnchef Grube mauert weiter

Der Flaschenhals bei Wendlingen bleibt

Egal, wie sie zu Stuttgart 21 stehen, der Tübinger Oberbürgermeister, die Reutlinger IHK, die grün-rote Landesregierung: Alle wollen die große, zweispurige Wendlinger Kurve – weil die Region sonst beim Bahnverkehr „abgehängt“ werde. Doch davon will Bahn-Chef Grube weiterhin nichts wissen.

09.03.2012

Von Volker Rekittke

Tübingen/Wendlingen. Volksabstimmung und Stresstest sind gelaufen – doch die Diskussion um Stuttgart 21 geht weiter. Aus Sicht der Region entscheidend für die schnelle Bahnanbindung an Flughafen, Messe und Stuttgarter Hauptbahnhof ist die Wendlinger Kurve. Dort sollen künftig einige Züge von und nach Tübingen auf die geplante ICE-Trasse Ulm-Stuttgart abbiegen (siehe Kasten). Immer noch plant die Bahn diese Anbindung eingleisig und ebenerdig – dabei müssten Regionalbahnen gleich zwei Mal die ICE-Gleise kreuzen.

Im „Stresstest“ hatte das Schweizer Verkehrsgutachterbüro SMA zwar nachgewiesen, dass in der Stunde zwei Züge pro Richtung über die einspurige Wendlinger Kurve fahren können – doch schon bei dem vom Land geforderten dritten Zug wird?s allzu eng: Ein Abstand von einer Minute zwischen einem ICE, der mit 250 Sachen von Ulm kommt, und einem Interregioexpress, der mit 80 Kilometern von Tübingen nach Stuttgart fährt: „Schon bei einer Verspätung von 30 Sekunden funktioniert das nicht“, sagt der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Selbst die von SMA attestierten zwei Züge pro Stunde kämen nur dann durch die Kurve, „wenn alle ICEs hundertprozentig pünktlich sind“ – was sie nach den Erfahrungen des bekennenden Bahnfahrers Palmer allzu oft nicht sind.

Palmer: Es fehlt nur ein Signal bei Bempflingen

Palmer schrieb deshalb kürzlich einen Brief an Bahnchef Rüdiger Grube, mit der Bitte „jetzt die Planung für die große Wendlinger Kurve und ihre Finanzierung in den Projektrahmen aufzunehmen“. Nur durch den zweispurigen Ausbau könne der „Engpass“ zwischen der Region Stuttgart und der Region Neckar-Alb vermieden werden. Der Ausbau könnte nach Ansicht von Experten 70 Millionen Euro kosten.

In seinem Antwortschreiben will der Bahn-Vorstandsvorsitzende von der großen Lösung (samt Tunnel oder Brücke, damit die ICE-Trasse nicht mehrfach gekreuzt werden muss) nichts wissen: „Die Universitätsstadt Tübingen wird mit Stuttgart 21 leistungsfähig an den Stuttgarter Flughafen und an die Landesmesse angeschlossen.

Die Region Neckar-Alb wird nicht abgehängt, sondern ist im Gegenteil einer der größten Profiteure dieses Projektes“, ist Grube sicher. Zudem könnten von Tübingen aus ohnehin nicht mehr als sechs Züge pro Stunde nach Stuttgart fahren. Es reiche aus, wenn künftig zwei davon über den Flughafen geführt werden und vier wie bisher schon über Plochingen.

Palmer widerspricht dem Bahnchef: Vor allem mit der schnellen Verbindung zu Flughafen, Messe und in die Landeshauptstadt sei der Region das Projekt Stuttgart 21 schmackhaft gemacht worden. Es sei zwar richtig, dass zwischen Tübingen und Nürtingen derzeit nur sechs Züge pro Richtung und Stunde fahren könnten.

Das liege aber nur daran, dass die Bahn bei der Umwandlung des Bahnhofs Bempflingen in einen Haltepunkt vor einigen Jahren „aus Kostengründen“ kein Selbstblocksignal eingebaut habe. Mit einer Investition von rund zwei Millionen Euro könnten schon heute zehn Züge pro Stunde und Richtung durchs Neckartal rauschen. Dazu sagt Grube in seiner Antwort – nichts.

Derweil drängt die Landesregierung die Bahn auf den Ausbau bei Wendlingen. Der stellvertretende Ministerpräsident und Reutlinger SPD-Abgeordnete Nils Schmid setzt sich genauso für die zweigleisige Variante ein wie Verkehrsminister Winfried Hermann. „Das Land ist der Meinung, dass sich schon aus dem Betriebskonzept zu Stuttgart 21 die Notwendigkeit der zweigleisigen Wendlinger Kurve ergibt“, beantwortet das Finanzministerium eine TAGBLATT-Anfrage.

Das Verkehrsministerium weist darauf hin: „Der Stresstest hat gezeigt, dass drei Züge pro Stunde von und nach Tübingen sich in den bestehenden Fahrplankonzepten über die Kleine Wendlinger Kurve nicht mehr sinnvoll führen lassen.“ Minister Hermann will das Thema erneut bei der nächsten Sitzung des Stuttgart-21-Lenkungskreises am 23. März ansprechen.

Wenn Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm frühestens 2022, eventuell aber auch erst Jahre später, fertig gebaut sind, sollen zwei schnelle Züge stündlich von Tübingen Richtung Stuttgart Hauptbahnhof abfahren. Für die Direktverbindung mit Halten in Reutlingen, Nürtingen und am neuen Flughafen-Bahnhof sind 44 Minuten Fahrtzeit vorgesehen.

Zum Vergleich: Heute braucht der schnelle Interregioexpress (IRE) von Tübingen aus 43 Minuten bis Stuttgart Hauptbahnhof. Er hält jedoch ausschließlich in Reutlingen und fährt – weil vom Land so bei der Bahn bestellt – nur alle zwei Stunden. Der Regionalexpress (RE) verkehrt stündlich zwischen Tübingen und Stuttgart Hauptbahnhof (im Berufsverkehr auch halbstündlich) und braucht für die Strecke etwa eine Stunde (1:01).

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Erstellt:
9. März 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
9. März 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. März 2012, 12:00 Uhr

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