Vom Älterwerden und Lebenssinn

Der Film „Mama, muss das sein?“ zeigt die Tanzgruppe Danza Vita im Alltag

Als am Sonntagvormittag im Kino Waldhorn der Film „Mama, muss das sein?“ lief, reichten die Stühle nicht. Über 150 Gäste wollten den neuen Streifen über die Tanzgruppe Danza Vita sehen.

08.11.2010

Von Katharina Tomaszewski

Rottenburg. Gewöhnliche Frauen mit Ehemännern, Kindern und gewöhnlichen Berufen – zusammen ergeben sie doch etwas außergewöhnliches. Die Tanztheater- Gruppe Danza Vita beeindruckt in ihrem neuen Stück „Feuer im Herbst des Lebens“ mit einer Mischung aus Comedy, Sketchen, einer Schwarzlicht-Show und Tanzeinlagen. Eine Zusammenstellung aus Tanz und Texten übers Älterwerden. Dabei improvisieren die 14 Frauen viel, um die Emotionen unverfälscht zu transportieren.

SWR-Journalist Bertram Schwarz und Kameramann René Munder dokumentierten die Entstehung des neuen Stücks in dem Film „Mama, muss das sein?“. Dabei gelangen ihnen auch lustige Einblicke in das Privatleben der Tänzerinnen, wie zum Beispiel Ehestreitigkeiten (weil er ständig Fußball guckt), quengelige Kinder, die sich für das Hobby der Mama schämen und fragen: „Mama, muss das sein?“, und den Arbeitsalltag. Fast wirkt es, als sei die Kamera versteckt mitgelaufen.

Bei der Filmpremiere am Sonntagvormittag war das Kino mit mehr als 150 Zuschauer/innen überfüllt. Vor dem 30-minütigen Film zeigten die Danza-Vita-Frauen einen Teil ihres neuen Stücks auf der Bühne. Dabei präsentierten sie unter anderem eine Tanzeinlage à la Michael Jackson, bei dem die Frauen im Schwarzlicht weiße Masken und Handschuhe tragen und ihre Körper im Takt des Songs „Billy Jean“ bewegen. In einer anderen Szene sitzen acht der Frauen verkleidet als Großmütter auf der Bühne und versuchen, trotz Altersgebrechen wie schlechten Augen und ständig herausfallenden dritten Zähnen eine Geburtstagskarte zum Fünfundfünfzigsten ihrer Freundin Erna vorzulesen.

Dann der Film: In einer der Anfangssequenzen sitzt Susanne Drohla in ihrem Wohnzimmer. Sie beklagt sich darüber, dass ihr Tanztheater von manchen Leuten als Hausfrauentanz oder Selbstfindungsballett bezeichnet wird. „Für uns sind es spirituelle Bilder des Lebens in Tanz übersetzt.“ In einer anderen Szene sieht man Brigitte Schönwetter bei ihrer Arbeit im Fußpflegesalon. Einer ihrer Stammkunden erzählt von der heilenden Wirkung ihrer Behandlung, während sie ihm die Hornhaut weg rubbelt. Der alte Mann behauptet lachend, die Pediküre sei sogar verdauungsfördernd und trinkt dabei ein Gläschen Jägermeister. Das Waldhorn-Publikum lacht mit und spendet laut Zwischenapplaus.

Zurück zur Leinwand: Christine Kondschak im Büro, sie bangt um ihren Arbeitsplatz, da ihr Arbeitgeber kurz vor der Pleite steht. Doris Lorenz arbeitet für die Wirtschaftsförderungs- und Tourismusgesellschaft (WTG) in Rottenburg und hat durch das Tanzen gelernt, ihre Gefühle nach außen zu tragen. Sibylle ist mit 40 Jahren die Jüngste in der Gruppe. Sie kann noch nicht so viel Lebenserfahrung aufweisen wie ihre Freundinnen, möchte aber etwas Bleibendes hinterlassen. Während der Proben im Hirsauer Schloss bei einem der Improvisationstänze läuft ein Mann durchs Bild und blickt mit irritiertem Gesichtsausdruck in die Kamera. Lautes Lachen im Publikum, manchen Besucher/innen kommen sogar die Tränen.

Die Tanzgruppe sowie der Film ernteten nach der Vorstellung tosenden Applaus. Wann es die Kombination Film plus Live-Tanz noch einmal geben wird, ist noch offen.

Info: Die nächste Aufführung von „Feuer im Herbst des Lebens“ ist am Sonntag, 20. Februar, um 17 Uhr im Odeon in Göppingen.

Wenn die Augen nachlassen und die Zahnprothesen klappern, ist trotzdem noch lange nicht alles vorbei: Danza Vita zeigte gestern im Waldhorn Ausschnitte aus dem neuen Programm „Feuer im Herbst des Lebens“. Bild: Ulmer

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Erstellt:
8. November 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
8. November 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. November 2010, 12:00 Uhr

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