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Waldzustandsbericht: Klimawandel fordert die Forstleute heraus

Der Esche droht das Aus

Erst die Ulme, nun die Esche: Der Klimawandel und der heiße Sommer begünstigen im Land einen Pilz, der den Baum wohl fast ausrotten wird. Doch der Waldzustandsbericht bietet nicht nur Hiobsbotschaften.

11.12.2015
  • ANDREAS BÖHME

Stuttgart. Als der alljährliche Waldzustandsbericht noch "Schadensbericht" hieß, ging es vielen Bäumen in Baden-Württemberg noch besser als heute. Zwar ist heuer der saure Regen Geschichte, wurden Kraftwerks-Rauch und Autotreibstoff entschwefelt. Dafür treffen nun neue Krankheiten den Wald.

So klingen die gestern von Forstminister Alexander Bonde (Grüne) vorgestellten Daten zum Waldzustand im Land zunächst gar nicht so übel. Insgesamt ist die Fläche, auf der gesunde Bäume wachsen, 2014 um sechs auf 29 Prozent gestiegen. Das heißt aber auch: Mehr als zwei Drittel Waldfläche sind weiterhin krank, ein Drittel sogar sehr. "Trotz der tendenziellen Verbesserung liegen wir immer noch über den Werten des so genannten Waldsterbens vor 30 Jahren", stellte Bonde fest.

Seit den 80er-Jahren veröffentlichen Wissenschaftler der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg den Bericht. Ihre Feldstudien und Analysen liefern die Grundlage für einen Umbau des Waldes, der auch dem Klimawandel trotzen soll. Für jeden Standort gibt es mittlerweile Empfehlungen für einen gesunden Waldwuchs mit Baumarten, die auch einen globalen Temperaturanstieg von zwei Grad verkraften. Theoretisch.

Ganz praktisch erwischt es jetzt aber einen Baum, der lange der Musterknabe der Förster war: die robuste wie ertragreiche Esche. Jetzt aber befällt ein Pilz den Baum, der aus Ostasien eingeschleppt wurde. Dieser Schlauchpilz mit dem schönen Namen Stengelbecherchen befällt die Eschen vor allem an feuchten Standorten entlang des Rheins und der Donau. Erst stoppt er die Wasserzufuhr in die Kronen, dann sterben die Triebe ab. Fast alle Eschen sind befallen, nur sechs von hundert sind noch gesund.

Die Aussichten sind schlecht: Landesforstpräsident Max Reger fürchtet gar: "Wir werden die Esche verlieren." Eben so, wie das vor Jahren auch beim Ulmensterben war. Das Eschensterben hat wirtschaftliche Folgen: Mindestens 16 Millionen Euro wird es allein im Staatswald kosten, die Eschen durch widerstandsfähigere Eichen zu ersetzen. Hinzu kommen Förderprogramme, um den Kommunen beim Umbau ihres Forstes zu helfen.

Anderen Bäumen im Südwesten geht es besser, weil das vergangene Frühjahr regenreicher war und der Boden genug Wasser speichern konnte. Gelegentliche Gewitter haben dann trotz der verbreiteten Trockenheit dafür gesorgt, dass die Bäume mit abgeworfenem Laub und einem deutlich geringeren Zuwachs den Sommer trotzdem gut überstanden.

Der Tanne geht es etwas besser, sie gilt mittlerweile als stabilste Baumart im heimischen Forst. Dank ihrer tiefen Wurzeln ist sie weniger anfällig für Trockenperioden wie in diesem Sommer, dem wohl wärmsten seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen vor 130 Jahren. Auch Fichte, Eiche und Buche haben sich verbessert, der Kiefer hingegen geht es etwas schlechter.

Am klimastabilen Mischwald wird deshalb nicht gerüttelt. Nach wie vor wird weniger geerntet als an Holz nachwächst, der Bestand ist somit älter geworden. Allerdings nicht so alt, dass er schon deshalb kränkelt, sagt Reger. Eichen, die bis zu 1000 Jahre alt werden können, werden schon geschlagen, wenn sie erst ein Viertel ihrer Lebenserwartung erreicht haben. Fichten werden geerntet, wenn sie zwischen 100 und 120 Jahre alt sind - auch sie könnten viermal so alt werden.

Viele Schädlinge wie auch der Eschenpilz werden vom warmen Wetter begünstigt, sagt Klaus von Witte, der die alljährlichen Berichte seit einem Vierteljahrhundert verantwortet. Minister Bonde fordert daher, dass der Klimagipfel in Paris ein Erfolg wird: "Denn lokal handeln reicht nicht."

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11.12.2015, 08:30 Uhr
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