Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Der Dichter als Prophet des Schönen
Schillernde Gestalt: Der Dichter Stefan George.⇥Foto: dpa
Literatur · Stefan George

Der Dichter als Prophet des Schönen

Zum 150. Geburtstag von Stefan George würdigt eine neue Biografie den Verfechter der reinen Poesie.

12.07.2018
  • Welf Grombacher

Der vor 150 Jahren, am 12. Juli 1868, in Büdesheim bei Bingen als Sohn eines Weinbauern geborene Stefan George ist neben Rainer Maria Rilke und Hugo von Hofmannsthal nicht nur einer der größten deutschsprachigen Dichter der Jahrhundertwende. Er ist auch eine der schillerndsten Gestalten der Literaturgeschichte.

Schon auf der Realschule nennen Mitschüler ihn den „Sternengucker“. Er gibt die Schülerzeitung heraus und dort den Ton an. Schon da träumt er von einer eigenen Kunstsprache, will einen Jugendbund der Dichter gründen und verschickt als besondere Auszeichnung schon mal eine Porträtpostkarte von sich selbst. In Paris übersetzt er Baudelaires „Les Fleurs du Mal“ und wird 1889 bei den Dienstagabenden Stéphane Mallarmés als „junger Goethe“ eingeführt.

Der reinen Poesie widmet er von nun an sein Leben. „Wo Kunst ist, kann kein Leben sein“, lautet sein Motto. George propagiert „eine kunst frei von jedem dienst: über dem leben, nachdem sie das leben durchdrungen hat: die zur höchsten aufgabe des lebens werden kann.“ Bei aller Selbststilisierung verweigert er sich einer breiten Öffentlichkeit, schart stattdessen einen Kreis von auserwählten Jünglingen um sich, die ihm Gedichte vorlesen, ihn bekochen dürfen und auf Reisen begleiten. Seine ersten drei Gedichtbände „Hymnen“ (1890), „Pilgerfahrten“ (1891), „Albagal“ (1892) bringt er als Privatdrucke heraus. Für die große, breite Masse hat er – ähnlich wie Nietzsche – nur Verachtung übrig.

Wenn einer seiner Jünger gegen seinen Willen heiratet, wie Friedrich Gundolf, verstößt er ihn ohne Gnade. Frauen sind unerwünscht. Karl Wolfskehl richtet George in seiner Münchner Wohnung extra ein Zimmer für Lesungen ein, bei denen alle sich in Talare hüllen. George versteht sich als Dichter mit Mission, als Prophet des Schönen, predigt „Das Neue Reich“ (1928). Der Soziologe Max Weber stört sich an diesem „Pathos der Erlösung“ und nennt George ironisch nur den „Weihen-Stefan“.

Wenn er auf der Straße einen Jungen sieht, wie den 13-jährigen Maximilian Kronberger, den er in seinen Versen zum göttlichen Maximin verklärt, fragt George, ob er ihn fotografieren lassen darf. Nicht nur seiner homophilen, mitunter pädophilen autoerotischen Projektionen wegen war George nach dem Zweiten Weltkrieg lange verpönt. Sondern auch, weil er sich nicht von den antisemitischen Äußerungen seines Kreises distanzierte und die Nazis seine Gedichte instrumentalisierten. George selbst empfand die Machtergreifung als „ein bisschen karnevalesk“. 1933 stirbt er in Minusio am Gardasee.

Zum Jubiläum erscheint jetzt Jürgen Egyptiens Biografie „Stefan George. Dichter und Prophet“, die all denen empfohlen sei, die einen unverstellten Blick auf den Schriftsteller wagen wollen. Der Literaturwissenschaftler gibt einen sehr profunden Überblick über das Leben des Dichters und seines Kreises.

Info Jürgen Egyptien: Stefan George. Theiss Verlag, 472 Seiten, 29.95 Euro

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.07.2018, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular